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DIE KANONEN UND IHR PREIS — WER ZAHLT FÜR KERNS KRIEGSGEWITTER

22. Juni 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Die Drähte summen lauter dieser Tage. Eva-Maria Kern, Präsidentin der Bundeswehr-Universität München, hat ausgesprochen, was andere nur flüstern: Schwierige Zeiten kommen. Multiple Krisen. Die gebürtige Österreicherin, Ingenieurin, Professorin für Wissenschaftsmanagement, sitzt seit 2023 auf einem Stuhl, der nach Pulver riecht. Sie fordert ein Umdenken — in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft. Und sie hat eine Prepper-Box im Keller. Natürlich. Wer den nächsten Krieg plant, fängt im eigenen Fundament an.

Aber hören wir genauer hin. Was Kern verlangt, ist eine Wissenschaft, die sich mit Verteidigung befasst. Dialog mit jungen Menschen, um sie zu stärken, sie auf Krisen vorzubereiten. Das klingt fürsorglich. Es klingt nach Lehrerin, nach Mütterlichkeit, nach der warmen Hand, die das Kinderzimmer abdunkelt. Doch dahinter arbeitet ein Mechanismus, den ich erkenne, weil ich ihn schon einmal gesehen habe: Die Sprache der Sorge ist der beste Mantel für die Sprache der Aufrüstung.

Die jungen Menschen selbst reden anders. Sieben Stimmen aus dem Münchner Umland, befragt zum Wehrdienst. Die einen wären bereit, ihr Land zu verteidigen. Die anderen wollen nicht als Kanonenfutter enden. So direkt spricht heute eine Generation, die keine Illusionen mehr hat. Zwischen Bereitschaft und Verweigerung klafft ein Spalt, breit genug für jede Propaganda.

Und nun das Geld. Die Schuldenbremse ist gefallen, die Bundeswehr hat plötzlich Mittel wie nie. Die Beschaffungsoffensive läuft. Drucksache 3561 des Haushaltsausschusses: Rahmenvereinbarung über die Herstellung und Lieferung von Tankcontainern Kraftstoff, kurz TCK 9 m³. Zu den bisher bestellten 200 Stück sollen bis zu 4000 weitere hinzukommen. Kostenpunkt: 902,17 Millionen Euro. Lesen Sie diese Zahl langsam. Neunhundertzwei Millionen für Blechbehälter, die Treibstoff lagern. Und dann lesen Sie den Nebensatz: Die Preise haben sich plötzlich verdoppelt. Plötzlich. Wie von Geisterhand. Oder von der Hand jener, die wissen, dass kein Haushälter nein sagen kann, wenn die geopolitische Stimmung auf Krieg steht.

Die Bundestagshaushälter wollen das nicht einfach hinnehmen. Gut. Aber wer sitzt am anderen Ende der Leitung? Welche Rüstungsfirmen rechnen sich diese Summen? Welche Zwischenhändler, welche Berater, welche ehemaligen Offiziere in Aufsichtsräten? Die Kette ist lang, und sie ist alt. Ich habe sie gesehen, als die Drähte noch Kupfer waren.

Kern fordert eine Wissenschaft der Verteidigung. Sie fordert, junge Menschen zu stärken. Stärken wofür? Für multiple Krisen, sagt sie. Multiple Krisen sind das neue Wort für das, was man früher Krieg nannte. Sauberer. Klinischer. Leichter zu verkaufen an Eltern, die ihre Kinder nicht im Schützengraben wissen wollen — Kerns eigene Worte, aus einem Interview, in dem sie genau diese Sorge benennt und gleichzeitig die Wehrpflicht wieder auf den Tisch legt.

Die Frage ist immer dieselbe. Wer kontrolliert das? Wer profitiert? Die Prepper-Box im Keller schützt eine Familie. Die Prepper-Box einer Nation, neunhundert Millionen schwer, schützt wen? Die Rüstungsbilanzen jener, die in München und Berlin die Aufträge verteilen. Die Aktienkurse jener, die Panzer und Container bauen. Die Karrieren jener, die in Talkshows erklären, warum es diesmal anders ist, warum wir bereit sein müssen, warum die Jugend verstehen muss.

Die Jugend versteht. Sie versteht nur nicht, warum sie zwischen Kanonenfutter und Prepper-Box wählen soll. Sie versteht, dass Verdopplung kein Zufall ist. Sie versteht, dass 902 Millionen für Tankcontainer kein Preis sind, sondern ein Signal. Die Drähte summen. Ich höre die Frequenz, die niemand hören will. Es ist die Frequenz alter Geschäfte in neuen Uniformen.

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