Strandgut der Nüchternheit
Sie kommen mit den Nachtschichten, den Kontrollposten, den Zahlen, die niemand zu lesen versteht. Vierhundertachtundfünfzig Kraftfahrer, gebucht über die Grenzen dreier Kommissariate hinweg in einer einzigen Woche — 281 in der alten Stadt Hyderabad zwischen dem zwölften und dreizehnten Juni, 53 in Cyberabad über das Wochenende, 124 in Malkajgiri über sieben Tage, aufgeführt mit der Regelmäßigkeit eines Metronoms. In Chennai, wo Kommissar A. Amalraj das Tempo vorgibt, summierten sich zwischen dem zwölften und vierzehnten Juni 434 Anzeigen wegen Trunkenheit am Steuer, gestützt von dreihundertfünfzig Beamten und hundertzwanzig Kontrollposten an den strategischen Knotenpunkten der Stadt. Hundertdreißig Fälle von Raserei kamen hinzu, zweitausenddreihundertfünfundachtzig Helmverstöße — das ganze Register, säuberlich abgearbeitet, ein Verwaltungsakt nach dem anderen.
Zählen wir trotzdem. Im Bundesstaat Tamil Nadu beliefen sich die Anzeigen wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss zwischen dem ersten und vierzehnten Juni auf sechzehntausendundeinunddreißig. 14.100 Fahrzeuge wurden beschlagnahmt, 13.299 davon Zweiräder, 156 Dreiräder, 645 Vierräder. Bußgelder in Höhe von 3,13 Crore Rupien flossen in die Kassen — dreihundertdreizehn Lakh, oder, in der Sprache einer Frau, die in Genf zu zählen gelernt hat: das Jahresgehalt eines mittleren Ministeriums.
Die Mechanik hinter dem Vorhang ist alt und wird doch jedes Mal als Premiere aufgeführt. Die Polizei fährt aus, der Bürger wird gemessen, die Anzeige wird geschrieben, der Fall wandert ans Gericht — und dort, in der stickigen Kammer der Justiz, zeigt sich, was niemand hören wollte. In Cyberabad wurden zwischen dem achten und dreizehnten Juni zweihundertzehn Fälle erledigt. Acht Angeklagte wurden zu Sozialdienst verurteilt, die übrigen zweihundertzwei zahlten eine Geldbuße. Kein einziger Insasse einer Zelle. In Malkajgiri dasselbe kleine Drama: einhundertfünfundsiebzig Fälle, ein einziges Sozialdiensturteil, einhundertvierundsiebzig Geldbußen. Kein einziger Häftling. Die Sektion 105 des Bharatiya Nyaya Sanhita von 2023 — fahrlässige Tötung, die nicht Mord ist, bis zu zehn Jahren Haft — steht im Gesetzbuch wie ein Möbelstück, das niemand benutzt.
Man darf sich fragen, wozu die Choreographie dient, wenn das Ende immer dasselbe ist. Dreihundertfünfzig Beamte, deren Aufgabe das Zählen ist; hundertzwanzig Posten, deren Aufgabe das Warten ist; sechzehntausend Anzeigen, deren einziges Produkt eine Zahl in einer Spalte ist, die kein Mensch liest. Es geht nicht um die Sicherheit der Straße, so wenig wie die Prohibition in einem anderen Jahrhundert um die Sicherheit der Leber ging. Es geht um das Ritual. Es geht darum, dass der Staat sichtbar bleibt — nicht als Richter, sondern als Regisseur einer Aufführung, in der das Publikum am Ende seine eigene Erleichterung applaudiert.
Die zweitausenddreihundertfünfundachtzig Helmverstöße, die hundertdreißig Fälle von riskantem Fahren — sie gehören zur selben Partitur. 3,13 Crore. Das ist der Preis, den ein Land für das Schauspiel seiner eigenen Vernunft zahlt, eine Steuer in Form von Schuld, erhoben von Beamten, die ihr Gehalt bekommen, ob der Bürger trinkt oder nicht. Sektion 105 wartet in der Schublade. Sie wird wiederkommen, irgendwann, wenn die nächste Schlagzeile einen Namen braucht. Bis dahin schreibt man fleißig weiter an den Akten, die keiner liest, und legt sie ab in den Archiven der Mäßigung, wo schon die Akten von gestern liegen.
Ich trage Handschuhe beim Schreiben. Immer. Nicht aus Hygiene — aus Gewohnheit. Man fasst die Dinge ungern mit bloßen Händen an, wenn man weiß, wie klebrig sie sind.