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Pensionen im Erbschaftsnetz: Das Annuitaeten-Schlupfloch

22. Juni 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Die Nachricht kommt nicht aus dem Maschinenraum der Börse. Sie kommt aus den Vorzimmern der Vermögensberater, wo seit Wochen die Telefone nicht aufhören zu klingeln. Familien mit großen Pensionstöpfen wollen wissen, wie sie dem entkommen, was im April 2027 unausweichlich wird: die Erbschaftssteuer auf Altersvorsorge. Vierzig Prozent.

Ab dem nächsten April, so hat es das Schatzamt beschlossen, werden Pensionen erstmals ins Erbschaftssteuernetz einbezogen. Was nach dem Tod im Topf bleibt, wird besteuert, sofern die Freibeträge überschritten sind. Das ist die offizielle Linie. Die inoffizielle Linie: Es gibt eine Hintertür, und die Branche flüstert ihren Kunden zu, wie man sie öffnet.

Annuities. Annuitäten. Ein Wort aus der Versicherungsmathematik, das seit 2015 als veraltet galt. Damals, mit den "Pension Freedoms", durften Sparer ihr Altersvorsorgevermögen investiert lassen und nach Belieben entnehmen. Die Annuität — ein Produkt, das eine lebenslange feste Rente garantiert — schien ein Relikt aus der Vorkriegszeit. Jetzt kehrt sie zurück. Der Grund ist nicht das Produkt selbst, sondern eine Lücke in der Steuergesetzgebung, die das Schatzamt offenbar übersehen hat.

Der Mechanismus: Wer seinen Pensionstopf vor dem Tod in eine Annuität umwandelt, kauft sich eine regelmäßige Zahlung. Was als Annuität ausgezahlt wird, fällt nicht unter die Erbschaftssteuer. Lump-Summen, die im Topf bleiben, dagegen schon. Wer also umwandelt, entzieht sein Vermögen dem Fiskus — legal, mit dem Segen der Versicherungsaufsicht.

Für Ehepaare und eingetragene Partnerschaften ist das alte Spiel. Sie können Vermögen ohnehin steuerfrei untereinander übertragen. Die wahre Zielgruppe sitzt woanders. Clare Moffat von Royal London bringt es auf den Punkt: Wer unverheiratet ist und den Partner absichern will, ohne Erbschaftssteuer zu zahlen, sollte sich eine gemeinsame Annuität anschauen — eine joint annuity, die nach dem Tod des ersten Partners weiterläuft. Keine vierzig Prozent. Kein Finanzamt.

Doch damit nicht genug. Die Berater, und hier wird es interessant, deuten an: das Modell funktioniert mit jedem Familienmitglied. Kinder, Geschwister, Cousins. Wer alt genug ist und einen dicken Pensionstopf hat, kann Teile davon in Annuitäten umwandeln und das Einkommen an die nächste Generation weiterleiten. Ein Vater in den Siebzigern, der seinem Sohn nach dem Tod eine lebenslange Zahlung hinterlassen will, findet hier ein Werkzeug, das das Erbschaftssteuergesetz nicht vorsieht.

Die Reaktion der Branche: vorsichtiger Jubel. Wealth Planner, Rentenberater, Versicherungsmathematiker — alle sprechen darüber, aber leise. Denn die Sorge sitzt tief. Das Schlupfloch ist so großzügig, dass Experten erwarten, das Schatzamt werde es still und leise schließen, sobald es zu bekannt wird. Wer jetzt plant, ist vorne. Wer zu spät kommt, zahlt die Rechnung.

Das ist der Kern: ein Wettrennen zwischen denen, die wissen, wie man die Hintertür baut, und denen, die sie einmauern wollen. Das Schatzamt schaut zu. Die Berater schauen zu. Die Familien schauen zu. Und die Annuität, totgesagt 2015, erlebt ihre Wiederauferstehung als Steuerfluchtwerkzeug.

Wer kontrolliert das? Die Versicherer, deren Annuitäten plötzlich wieder gefragt sind. Wer profitiert? Familien mit Vermögen, die Zugang zu guter Beratung haben. Wer zahlt den Preis? Der Fiskus, der nun entweder eine Gesetzeslücke schließen muss, oder den Aderlass hinnimmt. Und am Ende, wie immer: die kleinen Sparer ohne Berater, die weder wissen, dass es die Hintertür gibt, noch das Geld, um sie zu nutzen.

Mein Büro riecht nach Lötzinn. Der Kaffee ist kalt. Eine Frau, die Technologie entschlüsselt — 1937 ein Affront, 2026 immer noch einer. Aber die Drähte summen weiter, und ich höre, was andere nicht hören wollen: die Annuität ist zurück, getarnt als Hintertür. April 2027 ist die Deadline. Wer jetzt plant, plant vorne. Wer jetzt nicht plant, zahlt vierzig Prozent — und hat nicht einmal den Steuerexperten, der ihm gesagt hätte, dass es auch anders geht.

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