Im Schatten der gelben Götter
Es gibt Worte, die klingen wie Versprechen und meinen doch Befehle. "Begrenzte Zeit" ist eines davon. "Nur für kurze Zeit" ein anderes. Wer am fünfzehnten Juni in eine Wendy's-Filiale tritt — in Los Angeles, in Norwalk, an der East Imperial Highway, wo das Thermometer auf nahezu dreißig Grad klettert und die Menschen stundenlang in der Schlange stehen, als gäbe es dort Brot zu holen wie in besseren Zeiten — der betritt kein Restaurant. Er betritt eine Bühne.
Eine pop-up-Installation, thematisch eingefärbt, das Drive-through als Kulisse, die Gäste als Statisten einer Maschinerie, die längst aufgehört hat, sich zu verstecken. Illumination, das Studio, das uns die gelben Wesen schenkte, bringt am ersten Juli den nächsten Film in die Kinos: "Minions & Monsters", eine Geschichte darüber, wie die Minions Hollywood eroberten, zu Filmstars wurden und Monster auf die Welt losließen. Wendy's liefert den Begleiter: den Banana Frosty Swirl, ein Frosty auf Vanille-Basis, durchzogen von einer süßen Bananen-Creme, neon-gelb, "limited-time", wie man sagt, also: jetzt, oder niemals.
Es ist, als hätte jemand das Rezept für Kindheit in eine Marketingabteilung getragen und es dort in seine Bestandteile zerlegt. Sechs Sammelfiguren warten auf ihre kleinen Besitzer: James, Henry, Ed, Richard, Goomi und Dort. Man bekommt sie nicht, man sammelt sie. Man sammelt sie, indem man isst. Man isst, weil man sammeln will. Ein Kreislauf, der sich selbst trägt wie die Schwungräder einer Maschine, die niemand mehr abstellt, weil alle glauben, sie sei ihr eigener Antrieb.
Das "Minions & Monsters Adult Meal" — der Name allein ist ein kleines Manifest — holt die Erwachsenen zurück in die Kindheit, oder in das, was man dafür hält. Ein Big Bacon Classic oder der neue Spicy Chicken Sandwich, kleine Hot & Crispy Fries, ein kleiner Banana Frosty Swirl, eine von vier Blind-Box-Figuren. Dazu zwei neue Coca-Cola Freestyle-Getränke, die auf die Namen Pineapple Minion MischieFizz und Goomi's Glimey Lime hören, als hätte man einem Kind das Limonaden-Wörterbuch überlassen. Es gibt, natürlich, auch ein Kindermenü, mit Chicken Tenders, Nuggets, Hamburger oder Cheeseburger, Jr. Hot & Crispy Fries oder Apple Bites, einem Getränk und einem von sechs exklusiven Spielzeugen. "Minions mayhem" nennt man das im offiziellen Wortschatz. Chaos. Die Sprache der Unordnung, die längst zur offiziellen Sprache der Ordnung geworden ist.
Ich beobachte das aus der Distanz einer Frau, die in Genf Verträge gelesen hat, die niemand halten wollte, und die gelernt hat, dass die Wahrheit nicht in den Worten liegt, sondern in dem, was sie nicht sagen. Der Vertrag zwischen einer Fast-Food-Kette, einem Filmstudio und einem Getränkehersteller wird in keinem Saal unterzeichnet und in keinem Protokoll vermerkt, und doch wirkt er in jeder Pommes-Tüte, in jedem gelben Becher, in jedem blinden Karton, den ein Kind mit nach Hause trägt wie eine Trophäe aus einem Krieg, den es nicht versteht.
Was hier verkauft wird, ist nicht Essen. Was hier verkauft wird, ist Zugehörigkeit — die Zugehörigkeit zu einer Welt, in der die Minions Helden sind, in der Monster Spaß machen, in der das Chaos die Rettung ist. Es ist die gleiche Mechanik, die ich in anderen Kontexten gesehen habe, in anderen Uniformen, mit anderen Farben: man nehme eine Sehnsucht, benenne sie, verpacke sie in ein Produkt, und schon gehört der Käufer dazu. Die Zugehörigkeit wird mit dem ersten Bissen bezahlt. Der Rest ist Wiederholung.
Die Menschen in Norwalk standen stundenlang in der Hitze. Sie taten es nicht, weil sie hungerten. Sie hungerten, weil sie tun wollten. Die TikTok-Kommentare sprechen von "yummy" und "so bad", als wäre Verlangen ein Programm, das man abspulen kann, eine Tonspur zum Clip. "I want the banana frostie so bad." So schlimm. So gut. Die Sprache verrät sich selbst, wenn man ihr zuhört. Es gibt keine Differenz mehr zwischen Lust und Not, zwischen Wollen und Müssen. Es gibt nur das Gelb.
Und so dreht sich die Maschine weiter, am fünfzehnten Juni und am ersten Juli und an jedem Tag dazwischen, bis das nächste Produkt kommt, die nächste Figur, der nächste Film, der nächste begrenzte Augenblick, der sich anfühlt wie eine Ewigkeit und vergeht wie ein Wimpernschlag. Die Kinder werden erwachsen, und die Erwachsenen werden wieder zu Kindern, und das Imperium schmeckt, wenn man genau hinschmeckt, nach Banane. Nach einer Banane, die niemand gekostet hat, weil alle nur das Gelb sehen.