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Die Bancaribe fiel um 18 Uhr. Die Bilanzen fielen mit

25. Juni 2026 — — — E. Wolff

Zwei Stöße. Erst 7,1, dann 7,5. Eine Minute dazwischen — nicht genug Zeit, um von einem Schreibtisch aufzustehen, geschweige denn von einem Leben. Das Epizentrum lag bei Morón, an der Karibikküste, etwa 160 Kilometer westlich von Caracas. Die zweite Erschütterung saß zehn Kilometer tief. Flach genug, damit nichts darüber steht, was nicht fallen soll.

Es war Feiertag. Carabobo-Tag, der Jahrestag des Sieges von 1821 gegen Spanien. Die Verwaltung war leer, die Börsen geschlossen, die Baseball-Spieler im Stadion von Caracas — bis die Erde sie aufs Spielfeld warf. Die meisten Venezolaner saßen in ihren Wohnungen, unter Dächern, die 1967 noch nicht hingen. Damals starben bei einer 6,3 in Caracas mehrere Hundert. Heute: 7,5. Die Differenz ist keine Zahl. Die Differenz sind Gebäude.

Die Bancaribe ist ein Bankhaus. Ihr Gebäude in Caracas liegt in Trümmern. Auf dem Foto klettern Feuerwehrleute über Beton, der einmal Fassade war. Innenminister Diosdado Cabello sprach von „Protokollen", von „Aktivierung", von „verfügbaren Mitteln". Cabello spricht immer in Protokollen. Protokolle sind das, was Männer mit Krawatte schreiben, während die Wände Risse bekommen.

Im Stadtteil Chacao stürzten zwei Bauten ein, 16 Verletzte, Tote — ohne Zahl. Bürgermeister Gustavo Duque sprach von „allem, was wir haben". Im Altamira-Viertel „alarmierende Situationen". In zwei Stadtteilen Staubwolken, wo sonst Restaurants voll sind. Am Flughafen Maiquetia stürzten Deckenplatten, Funken sprühten, Passagiere rannten. Das Tor zur Hauptstadt. Die Sicherheitsprotokolle dort sind vermutlich älter als die junge Frau am Schalter, die heute Abend nach Hause lief. Eine nationale Opferzahl? Liegt nicht vor. Die Behörden schweigen sich aus, während die Toten in den Trümmern ihre eigene Buchführung beginnen.

Die USGS schätzt die Opfer auf 10.000 bis 100.000. Das ist keine Schätzung — das ist ein Eingeständnis. Es ist das Eingeständnis, dass niemand in dieser Stadt weiß, wie viele Menschen in Gebäuden saßen, deren Statik in einer anderen Zeit berechnet wurde, als niemand fragte, was eine 7,5 mit einem Hochhaus macht. 1967 war die Lektion: Bauordnung verschärfen. 2026 ist die Bilanz: Ein Feiertag, ein Feierabend, ein Fehlbetrag.

Eine 80-jährige Rentnerin namens Maria Romero sagte, die Polizei habe ihr geholfen, aus dem Haus zu kommen. „Schlimmer als 1967", sagte sie. Die Polizei. Nicht die Bauaufsicht. Nicht der Staat. Die Polizei. So sieht Infrastruktur aus, wenn man sie von unten betrachtet. Astrid Ramirez, 41, hörte Schreie auf den Treppen. Roberto Gamas sagte, die Erde habe sie hin und her geworfen, als sie liefen. Hector Ricci sagte, es habe sanft angefangen, dann sei es gewachsen. So fängt es immer an. Sanft. Dann wächst es. Dann fragt niemand mehr nach Zinsen oder Renditen, sondern nur noch nach dem Händedruck eines Sanitäters.

Eine Tsunami-Warnung lief für Puerto Rico, die US- und Britischen Jungferninseln. Das Epizentrum lag an der Karibikküste. Cabello sprach von „mehreren Bundesstaaten". „Mehrere" ist ein Wort, das wenig wiegt, wenn das Wasser kommt.

Caracas hat überlebt. Das ist keine Erleichterung. Das ist eine offene Rechnung, die noch nicht abgeschlossen ist. Die Bücher sind nicht ausgeglichen. Das war nie ein Versehen — und die Erde hat gestern Abend die einzige Prüfung vorgenommen, die in dieser Stadt noch zählt: eine ehrliche.

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