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DAS GROSSE WIEDERSEHEN: CSU ZIEHT MIT WAGEN ZUM MÜNCHNER CSD

25. Juni 2026 — — Morrison, over and out.

Hier oben in der Redaktion riecht es nach Bourbon und nach alten Akten, und Evelyn unten im Café singt wieder ihre traurigen Lieder über Männer, die nicht wiederkommen. Eine gute Nacht zum Schreiben. Eine schlechte Nacht zum Nachdenken.

München, Stadt der bunten Tupfer und der konservativen Ecken, hat wieder zugeschlagen. Manuel Pretzl, Fraktionschef der CSU im Stadtrat, sagt, es sei eine „Selbstverständlichkeit". Klar. Was sonst. Ein Wort, das leicht über die Lippen geht in einer Fraktion, die sich selbst gern als das liberale Herz der Partei verkauft. Selbstverständlich, dass die Konservativen am 27. Juni mit einem eigenen Wagen durch die Innenstadt rollen. Selbstverständlich, dass die Lesben und Schwulen in der Union, dieses stille Netzwerk namens LSU, wieder mit von der Partie sind.

Fragt sich nur eines, liebe Leser: Für wen ist das selbstverständlich?

Für die Aktivisten, die den CSU-Wagen im Jahr 2018 blockierten, weil die Partei „keine Gelegenheit ausgelassen habe, zu hetzen"? Für die Sitzblockierer, die 2019 der damaligen Oberbürgermeister-Kandidatin Kristina Frank den Weg versperrten? Für das CSD-Leitungsteam, das 2023 die Anmeldung der CSU ablehnte und im Jahr darauf die Teilnahme komplett ausschloss?

Eines steht fest: Der Weg der CSU auf den CSD-Wagen war kein Spaziergang. Es war eine Achterbahn mit angezogener Handbremse.

2016, da lief die LSU erstmals mit. Man war Teil der bunten Reihe, Regenbogenflaggen neben dem Kreuz, bunte Tupfer auf schwarzem Anzug. München, die Stadt, die sich selbst so gern als Großstadt mit Herz verkauft, hatte Platz für alle. Damals.

Dann kamen die Jahre, in denen das Herz enger wurde. 2018, Blockade am Straßenrand. Ein junger grüner Stadtrat namens Dominik Krause stand vorne und erklärte der Welt, warum: „Niemand der CSU-Politiker, die hier mitlaufen, hat den Kurs der Partei kritisiert. Ich will mit solchen Menschen nicht demonstrieren." Ein Satz, der sitzt. Heute ist Dominik Krause Oberbürgermeister dieser Stadt. Man darf das dreimal lesen.

2019, wieder Sitzblockade. Diesmal für Kristina Frank, die OB-Kandidatin. Die Konservativen lernten schnell: Eine Politparade ist kein Sonntagsspaziergang, wenn die eigenen Leute auf der Strecke stehen bleiben müssen.

2023 dann der Tiefpunkt. Das CSD-Leitungsteam lehnte den CSU-Wagen ab. Kein Wagen, nur ein Informationsstand beim Straßenfest. Der Auslöser? Eine Debatte um eine Drag-Lesung für Kinder in einer Münchner Stadtbibliothek. Die CSU-Fraktion im Bezirksausschuss Bogenhausen hatte gefordert, die Veranstaltung zu untersagen. Die Konsequenz: München zeigte der Schwesterpartei die kalte Schulter. Oder besser: die bunte Schulter, mit dem ganzen Regenbogen drauf.

2024, gar nichts. Kein Wagen, keine Fußgruppe. Die Veranstalter begründeten den Ausschluss mit der „kategorischen Ablehnung des Selbstbestimmungsgesetzes", mit dem „polemisierenden Absatz zu Identitätspolitik und Wokeness im CSU-Grundsatzprogramm" und mit dem Verbot geschlechtergerechter Sprache für staatliche Behörden. Drei Gründe, von denen jeder einzelne schon reicht, um eine Tür zuzumachen.

Aber dann, im vergangenen Jahr, der erste Schritt zurück. Die CSU lief als Fußgruppe mit. CSD-Sprecher Conrad Breyer erklärte, die Partei habe die Teilnahmebedingungen unterschrieben und sich damit „automatisch hinter unsere Forderungen gestellt, die eigentlich dem Grundsatzprogramm der Par[tei widersprechen]". Der Satz bricht dort ab, wo der Quellentext endet. Aber die Botschaft ist klar wie Wodka: Die CSU unterschrieb gegen ihr eigenes Programm.

Und jetzt, dieses Jahr: Der Wagen ist zurück. Pretzl nennt es Selbstverständlichkeit. Die Stadtratsfraktion läuft mit der LSU. Die Geschichte ist ein Kreis, der sich schließt.

Oder tut sie das nicht?

Denn sehen wir genau hin, mit müden Augen und kaltem Kaffee: Der Blockierer von 2018 trägt heute die Amtskette des Oberbürgermeisters. Das CSD-Leitungsteam von 2023 und 2024 hat nicht vergessen, warum es die Türen zugemacht hat. Der Auslöser war kein böses Wort in einer Parteitagsrede. Es war eine reale Auseinandersetzung um eine reale Veranstaltung in einer realen Bibliothek. Es war der Versuch, eine Drag-Lesung für Kinder zu verhindern, weil sie der Partei nicht passte. Es war der Versuch, Sprache zu verbieten, weil sie der Partei nicht passte. Es war die kategorische Ablehnung von Rechten, die andere längst als selbstverständlich ansehen.

Selbstverständlich. Da ist es wieder, dieses Wort.

Pretzl sagt, er habe nie verstanden, warum es „so ein Zinnober" gegeben habe. Schön für ihn, dass er das nicht verstanden hat. Für die Aktivisten, die blockierten, war es kein Zinnober. Für das CSD-Leitungsteam, das die Türen schloss, war es kein Zinnober. Für die queeren Mitglieder der eigenen Partei, die sich in der LSU organisieren, war es ganz sicher kein Zinnober.

Am 27. Juni wird München wieder bunt. Die Konservativen werden Teil des Bildes sein. Die einen werden klatschen, die anderen werden sich abwenden. Die einen werden es als Zeichen der Öffnung lesen, die anderen als das, was es vermutlich ist: ein politisches Manöver mit Konfetti.

Was bleibt? Eine einzige Frage, die in dieser rauchigen Redaktion offensteht wie eine ungeöffnete Flasche: Ist die CSU eine bessere Partei geworden? Oder hat sie nur gelernt, sich besser zu inszenieren?

München antwortet am 27. Juni. Oder schweigt. Beides kann diese Stadt am besten.

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