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GEKAUFTES WISSEN — Die Kolonisierung der Hörsäle

25. Juni 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Die Drähte summen. Hört ihr es? Es ist das leise Rauschen von Stiftungen, die nie in den Geschichtsbüchern stehen werden. Dreißig Jahre lang haben Ölkonzerne — allen voran BP, Shell, Exxon — die Klinken der renommiertesten Universitäten Amerikas geölt. Sie haben Lehrstühle bezahlt, ganze Forschungszentren unterhalten, Büros auf dem Campus bezogen. In manchen Fällen hatten sie ein Veto-Recht über Projekte, die mit ihren Mitteln bestritten wurden.

Das ist keine Verschwörungstheorie. Das ist dokumentierte Geschichte, aufgedeckt von ProPublica und Drilled. Und die Frequenz, die da mitschwingt, ist uralt: Wer die Universität bezahlt, bestimmt die Fragen, die gestellt werden — und vor allem die, die nicht gestellt werden. Benjamin Franta, Professor für Klimaprozessrecht an der Universität Oxford, nennt es beim Namen: „Kolonisierung der Akademia."

Der Dreh- und Angelpunkt dieser Operation: ein Papier aus Princeton, getauft auf den Namen „Wedges" — Keile. Errichtet im Schatten eines von BP finanzierten Elitezentrums. Es sollte zeigen, dass sich das Klima retten lässt, ohne dass die Welt von fossilen Brennstoffen lassen muss. Kleine Eingriffe, stabile Keile, das Wirtschaftssystem bleibt unangetastet. Diese eine Veröffentlichung prägte den Klimadiskurs einer ganzen Generation. Sie fütterte globale Modelle. Sie fütterte Regierungen. Sie fütterte die Hoffnung, dass Technik allein es richten werde.

Und genau hier beginnt der eigentliche Skandal: die Kohlenstoffabscheidung und -speicherung, kurz CCS. Eine Technologie, die den Ausstoß am Schornstein fängt, Pflanzen-CO2 aus der Luft holt, Riesenventilatoren die Atmosphäre absaugen lässt — und alles in porösen Fels unter die Erde pumpt. Klingt nach sauberer Lösung. Ist aber ein Placebo in Hochglanz.

Die Internationale Energieagentur IEA rechnete 2008 vor: Bis 2025 müssten wir 1,6 Milliarden Tonnen Kohlendioxid pro Jahr im Boden versenken, um gefährliche Erwärmung abzuwenden. Heute, fast zwei Jahrzehnte später, vergraben wir weltweit weniger Kohlendioxid dauerhaft, als ein einziges großes Kraftwerk in einem Jahr ausstößt. Die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist kein Spalt mehr — sie ist ein Abgrund.

Die Vereinten Nationen haben nachgelegt: Sechs Milliarden Tonnen pro Jahr bis Mitte des Jahrhunderts seien nötig. Sechs. Milliarden. Tonnen. Dafür bräuchte es eine Industrie, die in ihrer physischen Ausdehnung alles übertrifft, was die Menschheit je gebaut hat. Rohrleitungen quer durch Kontinente. Verdichterstationen an jeder Raffinerie. Eine geologische Karte der Erde, umgeschrieben als Speicher. Und das, obwohl längst belegt ist, dass die Befürworter von CCS die Grenzen der Technologie ignoriert oder ihr Potenzial maßlos übertrieben haben.

Was also passiert? Die gleichen Konzerne, die das Papier „Wedges" bezahlt haben, sitzen jetzt in den Beratergremien der UN-Modellrechnungen. Die neuesten UN-Klimamodelle gehen selbstverständlich davon aus, dass CCS funktioniert. Sie gehen davon aus, weil die Expertise, die sie einholen, seit Jahrzehnten von der Industrie finanziert wird. Die IEA und die UN-Modellbauer sagen, ihre Szenarien spiegelten, was getan werden müsse, um die Ziele zu erreichen. Was sie nicht sagen: dass die zugrundeliegende Wissenschaft über Jahrzehnte mit Petrolgeldern gepflanzt, gegossen und beschnitten wurde.

Das Argument der Ölmultis: Sie förderten Innovation und nötige Wissenschaft. Die Universitäten entgegnen: Schutzmaßnahmen bewahrten die akademische Unabhängigkeit. Schutzmaßnahmen. Wie Veto-Rechte. Wie gesponserte Lehrstühle. Wie Büros der Firma im selben Gebäude wie das Labor.

Einige Experten verweisen auf die CO2-Injektion zur Ölförderung — Enhanced Oil Recovery — als Beweis, dass CCS funktioniere. Das ist ein Taschenspielertrick. EOR ist nicht dafür gebaut, Kohlenstoff dauerhaft zu binden. Es wird nicht annähernd so streng überwacht wie eine echte Speicherstätte. Es dient der Ölförderung, nicht dem Klima. Wer beides in einen Topf wirft, lügt oder versteht seinen eigenen Beruf nicht.

Ada Voss, ich übersetze. Was hier gespielt wird, ist die größte Marketingoperation der Industriegeschichte. Sie verkauft eine Technologie, die im Labor funktioniert, im Maßstab der Welt aber an der Physik und an der Mathematik scheitern wird — und nutzt das blanke Renommee der Wissenschaft, um den politischen Aufschub zu erkaufen, den die Ölwirtschaft braucht. Jahrzehnte, in denen die Emissionen weiter stiegen, während die Welt sich einreden ließ, es werde schon.

Dreißig Jahre bezahlte Forschung. Dreißig Jahre verzögerter Emissionssenkungen. Dreißig Jahre, in denen die Drähte summten und niemand hinhörte.

Hört jetzt hin.

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