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Zum Achtzigsten: Ein Kumpel, ein Käfig, eine Kerkernotiz

25. Juni 2026 — — — Kastner

Manche Männer werden alt, indem sie lauter werden. Andere werden alt, indem die Welt aufhört, wegzuschauen. Donald Trump hat sich für die erste Variante entschieden — und zum Beweis ließ er sich an seinem achtzigsten Geburtstag ein Spektakel liefern, das in der Sprache dieser Kolumnen schlicht UFC Freedom 250 heißt: Käfigkämpfe auf dem Rasen des Weißen Hauses, unter freiem Himmel, mit Blick auf jene Säulen, die eigentlich für die Würde einer Republik gebaut wurden.

Mächtige, reiche Menschen füllten den Rasen, schrieb die Sängerin Sheryl Crow auf Instagram, vierundsechzig Jahre alt und noch immer im Besitz einer Stimme, die nicht nach Publicity schmeckt. Was dort geschehen sei, nannte sie schändlich und vollkommen würdelos. Wer die Regeln der Ultimate Fighting Championship kennt, weiß, was das bedeutet: Werfen, Würgen, Treten, auch wenn der Gegner schon am Boden liegt — ein Sport, der das Menschliche aus dem Ring trägt, weil das Menschliche hier nicht zählt. Am Ende des Abends stand Josh Hokit im Scheinwerferlicht und rief in die Menge, was die politische Kultur dieses Landes inzwischen offen ausspricht: Michelle Obama ist ein Mann. Habe ich recht, Amerika?

Habe ich recht, Amerika. Die Frage ist keine Frage. Sie ist eine Übung. Sie ist die Einübung in eine Sprache, in der Frauen zu Männern gemacht werden, damit Männer zu Opfern gemacht werden können — und am Ende sitzt einer achtzig Jahre alt auf einer Tribüne und klatscht. Crow hat recht: Wer so etwas unterstützt, ist nicht besser als sie. Wer aber so etwas feiert, ist noch etwas anderes. Wer so etwas feiert, während der durchschnittliche Amerikaner seine Arztrechnung, seine Benzinrechnung und seine Würde nicht mehr bezahlen kann, der hat die Maske nicht nur fallengelassen. Er hat sie zertreten.

Nun aber zum Dessert. Denn während auf dem Rasen Blut und Beifall verteilt wurden, tat der Talkshow-Moderator Jimmy Kimmel, achtundfünfzig, das, was er seit Jahren tut: er griff zum Skalpell und schnitt eine Geburtstagskarte. Er teilte sie auf Instagram. Sie zeigt den Umriss eines übergewichtigen Mannes — man darf das als Seitenhieb auf die Statur des Präsidenten lesen — und enthält einen Text, der wie eine Hommage an eine andere Geburtstagskarte klingt. Alles Gute zum 80., Donald. Ein Kumpel ist etwas Wunderbares. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag und möge jeder Tag ein weiteres wunderbares Geheimnis sein.

Wer die Quellen kennt, weiß, woher diese Sätze stammen. Das Wall Street Journal berichtete über eine Notiz, die Trump dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zum fünfzigsten Geburtstag geschickt haben soll — angeblich in den Umriss eines Frauenkörpers eingerahmt, zusammengestellt in einem Buch, das Ghislaine Maxwell für ihren Komplizen angefertigt hatte. Trump bestritt damals, die Notiz verfasst zu haben. Kimmel bestreitet nichts. Er zitiert. Er inszeniert das Geständnis als Geburtstagslied.

Hinter dem Vorhang aber, dort, wohin die Kameras an diesem Wochenende nicht blickten, liegt das, was diese ganze Inszenierung erst lesbar macht. Die New York Times berichtete in diesen Tagen, Epstein habe in den Wochen vor seinem Tod in seiner Zelle im Metropolitan Correctional Center fieberhaft versucht, belastendes Material über Trump zusammenzutragen. In marathonlangen Sitzungen mit einer Parade von Anwälten kritzelte der Mann, der sich selbst als Pedophile in jail bezeichnete, Sätze auf seinen Notizblock: Trump is a total con artist — smoke & mirrors. Never had money. Es waren die Bemühungen eines Gefangenen, der mit dem einzigen Druckmittel handelte, das ihm geblieben war — dem Wissen um die Geheimnisse reicher Männer —, und der am Ende nichts liefern konnte. Die Zettel, die er hinterließ, waren das Zerrbild eines Erpressers, der sich selbst nicht mehr erpressen konnte.

Sein Zellnachbar war Nicholas Tartaglione, verurteilter Mörder und ehemaliger New Yorker Polizist. Epstein notierte, die Wärter würden wegschauen, wenn Tartaglione ihn zusammenschlagen würde — kein Bericht, nichts. Am neunzehnten August 2019 wurde Jeffrey Epstein tot in seiner Zelle gefunden. Auf dem Boden lagen Stricke und Strickmaterial, berichtete die Times. Die Behörden sagten: Suizid. Das Land sagte nichts.

Man muss diese beiden Geburtstage nebeneinanderlegen, um das Bild zu sehen. Der achtzigste Geburtstag eines Präsidenten, der sich Käfigkämpfe vor dem Weißen Haus schenken lässt, und der fünfzigste Geburtstag eines Sexualstraftäters, dem eine Karte mit einem nackten Frauenumriss geschickt worden sein soll. Beide Feiern sind Rituale. Beide sprechen eine Sprache, in der Frauen Ware sind und Macht ein Sport, in dem Verlierer auf dem Boden bleiben. Kimmel hat das begriffen. Deshalb schrieb er seine Karte nicht in den Umriss eines Frauenkörpers, sondern in den eines übergewichtigen Mannes — als wolle er sagen: Seht her, was ihr feiert. Seht her, wen ihr krönt.

Im Dezember 2025 veröffentlichten Demokraten des House Oversight Committee Fotos aus dem Nachlass Epsteins, die Trump mit nicht identifizierten Frauen zeigen. Im Juni 2026 eröffnete in Washington, D. C. ein Ort, der sich Donald J. Trump and Jeffrey Epstein Memorial Reading Room nennt — ein Lesesaal, der die Chronik einer Freundschaft ausstellt, die in den Achtziger- und Neunzigerjahren gepflegt wurde, belegt durch Fluglogs, Videos und Dokumente. Man geht dorthin wie in ein Museum. Man geht dorthin wie in eine Beweisaufnahme.

Sheryl Crow hat den Rasen benannt. Jimmy Kimmel hat die Karte benannt. Die Times hat die Zettel benannt. Geblieben ist ein achtzigjähriger Präsident, der sich wünscht, dass sein Geburtstag das Spektakel des Sommers wird, und eine Bevölkerung, die zusieht, wie auf ihrem Rasen gekämpft wird, während sie selbst ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen kann. Die Handschuhe, die man bei solchen Sätzen trägt, sind dünn. Aber sie gehören zur Ausrüstung dieser Kolumne.

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