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Jerusalem sendet zwei Signale: Christen-Botschafter und Huckabees Trotz

25. Juni 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Die Drähte summen. Ich höre zwei Frequenzen aus derselben Stadt, und sie kämpfen miteinander.

Da ist zuerst George Deek. Diplomat. Sechs Jahre lang Israels Mann in Aserbaidschan, nun der erste Gesandte des Landes für die christliche Welt überhaupt. Die Ernennung kam im April, verkündet vom Außenministerium, Premier Netanyahu höchstselbst legte Hand an. Man wolle eine "vollständigere Geschichte" erzählen, sagt Deek im Interview in Jerusalem — eine, die in den gängigen Narrativen fehle.

Schauen wir auf die Zahlen. 1948: 34.000 Christen in Israel. Heute: 184.200. Das entspricht 1,9 Prozent der Gesamtbevölkerung, gewachsen um 0,7 Prozent im vergangenen Jahr. 300 Kirchen im Land — doppelt so viele wie bei Staatsgründung. Klingt nach Erfolgsmeldung. Ist auch eine.

Aber Deek liefert die Gegenrechnung gleich mit. Die Christen des Nahen Ostens seien "ethnisch gesäubert" worden, sagt er — von zwanzig Prozent der regionalen Bevölkerung auf weniger als zwei Prozent. Das ist eine Anklage, die Israel nicht direkt ausspricht, weil sie benennt, was die Christen in den Nachbarstaaten erwartet, wenn sie nicht in Israel Zuflucht finden.

Die Mechanik: Ein Staat braucht Verbündete, und die christlichen Gemeinschaften dieser Welt sind ein Reservoir, das bislang ungenutzt dalag. Deeks drei Begründungen — besondere Verbindung zum Heiligen Land, geteilte biblische Werte, Respekt vor allen Konfessionen — lesen sich wie eine diplomatische Landkarte. Man öffnet Kanäle zu Pfingstgemeinden in Atlanta, zu koptischen Bischöfen in Kairo, zu evangelikalen Netzwerken in Brasilien. Das sind Stimmen, die in Washington mitschreiben, wenn Washington über Nahost debattiert.

Dann ist da Mike Huckabee. US-Botschafter in Israel. Baptistenprediger im Ruhestand.

Auf der Bühne des JNS Policy Summit in Jerusalem am 21. Juni macht er seinen Witz. Er habe heute Morgen Trumps Truth Social gecheckt, "um sicherzugehen, dass das nicht meine letzte Rede in Israel war." Er lächelt. Das Publikum lacht. Botschafter scherzt über Präsident. Soll Normalität suggerieren.

Was nicht normal ist: Huckabee pfeift auf die Marschroute seines eigenen Präsidenten. Donald Trump hat ein Memorandum of Understanding mit Iran unterzeichnet. Sechzig Tage Friedensverhandlungen. Die Bedingung: "sofortige und dauerhafte Beendigung militärischer Operationen auf allen Fronten, einschließlich im Libanon." Trump und Vizepräsident Vance haben den israelischen Premier und die IDF öffentlich kritisiert — schärfer als jeder US-Präsident oder Vize in den letzten achtzig Jahren. Vance hat es ins Mikrofon gesagt: "Man kann nicht jeden nationalen Sicherheitskonflikt durch Töten lösen."

Huckabee hört das. Antwortet das Gegenteil. Er nennt die IDF-Operation im Südlibanon "Verteidigung" der Grenze gegen die Hisbollah. Er twittert von der "unzerbrechlichen Bindung." Auf einer Konferenz am 22. Juni sagt er: "Ohne Israel gäbe es die Vereinigten Staaten nicht. Wir verdanken unsere Existenz dem, was in diesem Land geschah." Die westliche Zivilisation, gegründet auf jüdischen und judeo-christlichen Prinzipien.

Das ist kein Lapsus. Das ist offene Befehlsverweigerung mit Trommelwirbel.

Zwei Frequenzen also. Die eine baut Brücken — Deek spricht Christen als künftige Verbündete an, höflich, strategisch, mit Zahlen unterfüttert. Die andere reißt Mauern ein — Huckabee spricht für ein Amerika, das es in Trumps Außenpolitik offiziell gar nicht mehr gibt.

Wer profitiert? Innenpolitisch in Israel: diejenigen, die den Krieg im Libanon fortsetzen wollen, haben einen US-Botschafter, der ihre Linie offen mitvertritt, während Washington die Bremse zieht. Wer zahlt den Preis? Die Zivilbevölkerung im Südlibanon, deren Häuser Vance abreißen sehen will und Huckabee abreißen lässt.

Die Technik ist simpel. Zwei Mikrofone, zwei Geschichten. Deek erzählt Israel den Christen. Huckabee erzählt Israel Amerika. Beide senden aus der Heiligen Stadt, aber auf Bändern, die sich gegenseitig stören. In meinem alten Funkraum hätte ich gesagt: einer von beiden sitzt auf der falschen Frequenz.

Die Frage ist nur, welcher.

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