LEERES RESERVOIR, BRENNENDES BÜRO: PRATT NENNT ES BRANDSTIFTUNG
Die Drähte summen. Aus Los Angeles kommt ein Signal, das nach Schweigen riecht.
Spencer Pratt, einst Fernsehgesicht aus MTVs „The Hills", heute Kristallhändler und gescheiterter Bürgermeisterkandidat, spricht offen von Brandstiftung. Sein Büro im Pacific Palisades — Highlands Circle, 1515 Palisades Drive — fing am Donnerstagnachmittag Feuer. Die Arson Unit der Feuerwehr von Los Angeles ist eingeschaltet. Der Brand ist gelöscht. Die Ursache offen.
Ich übersetze: Ein Mann, der zugeschaut hat, wie sein Haus abbrennt, schaut nun zu, wie sein Büro brennt — und redet nicht mehr von Zufall.
Das Timing ist die Nachricht. Das Feuer kam nach der Wahl. Pratt wurde Dritter. Karen Bass, Amtsinhaberin, blieb im Sessel. Nithya Raman, Stadträtin, auf Platz zwei. Pratt sprach von Manipulation, von „election tomfoolery", kündigte Enthüllungen an. Dann brennt sein Arbeitsplatz.
Das Gebäude überstand das Palisades-Feuer vom 7. Januar 2025 — jenes Feuer, das Pratt das Haus kostete. Es wurde gerade renoviert. Früher beherbergte es das beliebte Restaurant Cosa Nostra. Der Name ist schon ein Kapitel. Keine Verletzungen diesmal. Nur Asche.
Pratt sagt es selbst: „Dieses Feuer war kein Unfall. Und es würde mich nicht im Geringsten überraschen, wenn das eine Vergeltung wäre für meine Arbeit gegen Karen Bass und Nithya Raman — und für die Frechheit, als Bürger meine staatsbürgerliche Pflicht zu tun." Er spricht von „unscrupulous people", die jeden zum Schweigen bringen, der Korruption aufdecke.
Frage in die Leitung: Wer profitiert? Wer schweigt?
Dann die Technik. Und hier wird es auch für den Mann in der Suppenküche interessant.
Pratts Klage gegen die Stadt Los Angeles und das Los Angeles Department of Water and Power, eingereicht am 21. Januar 2025, dreht sich um eine Zahl: 117 Millionen Gallonen. So viel fasste das Santa Ynez Reservoir. Es war seit Anfang 2024 außer Betrieb. Leer. Wegen Reparaturen, sagt die Stadt — wegen Trinkwasservorschriften. Pratt sagt: aus Kostengründen. Eine bewusste Entscheidung, das System „cost-saving" mit geleertem Reservoir zu betreiben, während die Waldbrandsaison näher rückte.
Hundertsiebzehn Millionen Gallonen, die nicht flossen, als Hydranten versagten. Kein Naturgesetz, sagt Pratt. Ein Schalter, den jemand umlegte.
Zwölf Menschen starben. Tausende Häuser brannten. Pratt verlor sein Heim. Heidi Montag, seine Frau, verlor ihres. Beide klagen.
Die Stadt entgegnet: extreme Winde, extreme Bedingungen — jede kommunale Wasserversorgung hätte versagt. Der Fall ist noch in der Beweisaufnahme.
Nun der zweite Schlag. Kenneth Bass, 78 Jahre alt, Bruder der Bürgermeisterin. Sein Malibu-Haus: Totalbrand. Rauchvergiftung, emotionale Schäden, der ganze Katalog menschlichen Verlusts. Am 18. Mai 2026 tritt er einer Sammelklage bei — gegen die Stadt, gegen DWP, gegen den Staat Kalifornien, gegen das California Department of Parks and Recreation, gegen Southern California Edison. Achtzehn Angeklagte insgesamt. Tausende Kläger. Dieselbe Anklage: das Reservoir war leer, als es voll hätte sein müssen.
Und Pratt twittert: „Ich bin stolz darauf, mich mit Karen Bass' Bruder zusammenzutun, um seine Schwauer zu verklagen wegen rücksichtsloser Fahrlässigkeit. Ich hoffe, ihr Thanksgiving-Essen wird nicht zu awks. Unseres ist es seit letztem Jahr nicht mehr."
Ein Bruder verklagt seine Schwester, die Stadt regiert. Thanksgiving wird still in diesem Haus.
Die Architektur hinter der Schlagzeile: Eine Bürgermeisterin, deren Verwaltung das Wasser hortet, statt es fließen zu lassen. Ein Fernsehstar, der das öffentlich macht — und dafür brennt sein Büro. Ein Bruder, der zwischen Blut und Existenz wählt. Achtzehn Angeklagte, tausend Kläger, ein Reservoir, das leise blieb, während Häuser schrien.
Wer zahlt den Preis? Die zwölf Toten können nicht mehr zahlen. Die Tausenden ohne Dach zahlen täglich. Die Familien zahlen an Feiertagen.
Und wer kontrolliert das Wasser? Wer kontrolliert das Feuer?
Die Arsoneinheit ermittelt. Pratt wartet. Ich auch — am Draht.
Ada Voss, Terminal Tribune. Eine Frau an den Drähten, an denen Frauen nichts verloren haben sollen. Man hört trotzdem zu.