Zwischen Krönung und Geständnis: Die Donaldson-Akte
Newry, Nordirland. Die Drähte haben geliefert, was die Kameras nicht zeigen: ein Mann in marineblauem Anzug und rosa Krawatte, reglos sitzend, während ein Geschworenengericht ihm vorlas, was er über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg angetan hatte. Jeffrey Donaldson, 63. Einst Chef der Democratic Unionist Party. Ritter im Dienst Ihrer Majestät. Längstdienender Abgeordneter des britischen Parlaments aus Nordirland. Für schuldig befunden. Eine Vergewaltigung. Dreizehn Fälle unzüchtiger Handlung. Vier Fälle grober Unsittlichkeit. Zwei Klägerinnen, die als Kinder missbraucht wurden. Die Taten erstrecken sich über die Jahre 1985 bis 2008.
Vier Wochen Beweisaufnahme am Newry Crown Court. Richter Paul Ramsey kündigte eine "längere Gefängnisstrafe" an. Die nächste Anhörung: Mitte September.
Hören wir die Frequenz richtig.
Hier ist kein gewöhnlicher Straftäter. Hier ist ein Architekt. Donaldson war Nordirlands Mann für die großen Kompromisse. Zwei Monate vor seiner Verhaftung im März 2024 handelte er den Post-Brexit-Handelsdeal aus, der seine Partei aus dem Boykott der nordirischen Machtteilungsregierung holte. Eine Schlüsselfigur im Schatten dreier Jahrzehnte konfessioneller Gewalt, aufgewachsen im Stall von Ian Paisleys Prediger-Bewegung. Der Mann, der Nordirland stabilisieren sollte, führte daneben seinen eigenen privaten Krieg.
Gekrönt 2016 von der verstorbenen Königin Elizabeth für "politische Verdienste." Die Insignien tragen jetzt den Geruch der Zelle.
Und die Frau an seiner Seite? Eleanor Donaldson. Mitangeklagt. Für nicht verhandlungsfähig erklärt wegen psychischer Probleme — daher keine strafrechtliche Verurteilung. Aber ein paralleler Tatsachenprozess, in dem die Geschworenen prüften, ob sie die Taten begangen hat. Die Antwort: Sie hat mitgewirkt. Die Machtteilung endet nicht an der Schlafzimmertür.
Die Verteidigung argumentierte: keine forensischen Spuren, keine medizinischen Beweise, keine Zeugen. Der Fall stehe und falle mit dem Wort der Klägerinnen gegen das Wort Donaldsons. Eine alte Strategie — wer nichts bezeugen kann, hat nichts getan. Wer jahrzehntelang schweigt, lügt vielleicht.
Die Staatsanwältin Rosemary Walsh hielt dagegen: gesunder Menschenverstand bei Vorfällen, die bis zu einundvierzig Jahre zurückliegen. Erinnerungen, die weder vollständig noch klar sind. Aber zwei Frauen, die ihre Gefühle jahrelang eingesperrt hielten und schließlich ihre Köpfe aus dem Wasser hoben — welchen Grund hätten sie zu lügen?
Donaldson selbst sagte zwei Tage lang aus. Ein Brief, den er einer der Klägerinnen geschrieben hatte, wurde vor Gericht verlesen. "Schmerz, Pein und Qual" bedauerte er darin. Aber keine Entschuldigung für die Taten. Ein Wortspiel. Die Anwälte kennen den Unterschied zwischen Bedauern und Reue. Die Geschworenen auch.
Die DUP verlor ihren Anführer über Nacht. Gegründet im Blut der Troubles, geläutert durch das Karfreitagsabkommen von 1998, stand sie plötzlich ohne ihren Mann da. Erstmals ins Parlament gewählt 1997. Dreißig Jahre auf der Bank. Und niemand sah es — oder wollte es nicht sehen.
Die Klägerinnen bleiben anonym. Das Gesetz schützt sie. Die Geschichte nicht automatisch vor dem, was als Nächstes kommt — der parteipolitischen Vereinnahmung, dem Vergessen.
Ein Ritter. Ein Verbrecher. Ein Architekt des Friedens, der seinen eigenen Krieg führte. Die Drähte summen weiter. Ich notiere: Donaldson hat zugehört. Vielleicht zu lange.