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Andhra Pradesh: Die Quittung kommt aus dem Pazifik

28. Juni 2026 — — — E. Wolff

Ich rauche meine Pfeife und lese Zahlen. Die Zahlen, die das Indische Meteorologische Département am 29. Mai auf den Tisch legte, lesen sich wie der Quartalsbericht einer Bank kurz vor dem Konkurs. 90 Prozent der Long Period Average. Modellfehler: plus oder minus vier Prozentpunkte. Eine Zahl, die aussieht wie ein Versprechen. Eine Zahl, die lügt.

Aber hier, an dieser Küste von Andhra Pradesh, lügt niemand außer dem Himmel. Der Monsun, dieser alljährliche Buchhalter der indischen Landwirtschaft, hat seine Bücher noch nicht einmal aufgeschlagen. Er sollte am 26. Mai über Kerala eintreffen, mit einer Toleranz von vier Tagen. Das normale Datum: der 1. Juni. Er verpasste beide Marken. Er traf am 4. Juni ein. Acht Tage zu spät. Für einen Bauern, der auf Regen wartet, um zu säen, sind acht Tage ein Urteil.

Bharati Sabade, Wissenschaftlerin am Zyklon-Warnzentrum in Visakhapatnam, sagt das, was jeder Meteorologe weiß, aber keiner gern ausspricht: Die beobachteten Meerestemperaturen über dem äquatorialen Pazifik liegen über der 0,5-Grad-Schwelle. Das ist die Signatur von El Niño. Das ist der Fachbegriff für eine bestimmte Art von Buchführung, bei der die Natur sich weigert, die Rechnung zu begleichen.

Schauen wir in die Bilanz. Küsten-Andhra Pradesh: weniger als 91 Prozent der LPA. Konkret 547,4 Millimeter gegen ein Soll von 601,3 Millimetern. Ein Fehlbetrag von knapp 54 Millimetern auf der gesamten Saison. Klingt nicht dramatisch. Ist es auch nicht, wenn man in einem klimatisierten Büro in Pune sitzt und sich Sorgen um die Modellgenauigkeit macht.

Rayalaseema, der trockenere Hinterhof des Staates: unter 88 Prozent der LPA. 358,0 Millimeter statt 408,5. Hier redet man nicht mehr von Spielraum. Hier redet man von Ernteausfall. Hier redet man von Menschen, die im Juni ihre Wasserzisternen füllen müssen, weil der Juni selbst der schwächste Monat sein wird: unter 79 Prozent der LPA, 86,9 Millimeter gegen 94,1, begleitet von überdurchschnittlichen Höchst- und Tiefsttemperaturen in fast allen Teilen des Staates.

O.P. Sreejith, Leiter der Climate Monitoring and Prediction Group am IMD in Pune, präsentiert die Wahrscheinlichkeiten wie ein Bankier seine Risikobewertung: Die kombinierte Chance für unzureichenden oder unterdurchschnittlichen Niederschlag liegt landesweit bei 84 Prozent. Achtundachtzig Prozent von hundert. Das ist keine Vorhersage. Das ist ein Schuldspruch.

Und über diesem Schuldspruch liegt die zweite Schicht, die selten einer ausspricht: die globale Erwärmung. Sie bringt nicht einfach mehr Hitze. Sie bringt mehr trockene Tage und mehr sintflutartige Tage, beides zur selben Zeit, beides zur Unbrauchbarkeit. Der Boden, der langen, gleichmäßigen Regen bräuchte, bekommt entweder gar nichts oder eine Sturzflut, die ihn fortspült. Was die Erde nicht aufnehmen kann, rinnt ins Meer.

Die Mechanik ist bekannt und wird doch nie beim Namen genannt: Der äquatoriale Pazifik verschiebt sich von neutralen Bedingungen hin zu El Niño. Die Modelle zeigen, dass das Phänomen sich entwickeln und über die Saison hinaus anhalten wird. Das bedeutet nicht nur einen schlechten Monsun. Das bedeutet eine Kette. Weniger Regen, weniger Aussaat, weniger Ernte, höhere Preise, weniger zu essen. Diese Kette ist nicht neu. Sie ist so alt wie die Buchführung der Kolonialzeit. Die Überschrift hat sich geändert. Die Mechanik nicht.

Sechsundachtzig Millimeter gegen vierundneunzig im Juni. Fünfhundertsiebenundvierzig Komma vier gegen sechshunderteins Komma drei in der Saison. Das sind die Zahlen, die ich weitergebe. Das sind die Zahlen, die im Büro des Premierministers in Delhi zwischen Akten und Pressemitteilungen liegen werden, sorgfältig relativiert, im Kontext eines globalen Phänomens, das niemand kontrollieren kann, aber alle erklären müssen.

Ich habe 1929 zugesehen, wie die Bücher frisiert wurden. Ich habe die Männer in Nadelstreifen gehört, die erklärten, warum der Gürtel enger muss. Heute höre ich Wissenschaftler mit akademischen Titeln, die erklären, warum 84 Prozent Wahrscheinlichkeit eine akzeptable Marge sind. Der Mechanismus hat sich geändert. Die Konsequenz für die Menschen, die am unteren Ende der Bilanz stehen, ist dieselbe.

Andhra Pradesh ist nicht arm an Wasser. Andhra Pradesh ist arm an der Möglichkeit, sich gegen das zu versichern, was aus dem Pazifik kommt. Die Versicherung, die hier fehlt, heißt nicht Klimaschutz in Sonntagsreden. Sie heißt: ein Dach über dem Kopf, das nicht aus Wellblech ist. Ein Brunnen, der tiefer ist als die kommende Trockenheit. Eine Verwaltung, die nicht nur Wahrscheinlichkeiten veröffentlicht, sondern Wasser liefert.

Der Monsun hat seine Bilanz noch nicht vorgelegt. Aber wer lesen kann, sieht die Zahl bereits in den Modellen von Pune. Wer lesen kann, sieht, dass die Schulden bereits gemacht sind. Bezahlt werden sie, wie immer, von denen, die am unteren Rand des Kontos stehen.

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