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Die Kunst der rechtzeitigen Kontrolle

29. Juni 2026 — — — Kastner

Es gibt Tage, an denen eine Stadt ihre Tugenden vorgeführt bekommt wie ein Schüler seine ordentlich gebundenen Hefte — und alle applaudieren, weil das Heft gebunden ist, nicht weil etwas gelernt wurde.

Vijayawada, Donnerstag, der elfte Juni 2026. Die Schulferien enden. Und pünktlich wie der Monsun — der in derselben Nacht Gunadala mit 102 Millimetern heimsuchte, Nunna mit 90,25, den Osten der Stadt mit 88,25 und den K.L.-Rao-Park mit 69,25 — erscheint die Verkehrspolizei, um zu tun, was sie immer tut, wenn Kinder wieder in die Schulbusse steigen: sie inspiziert. Deputy Commissioner of Police (Traffic) Shareen Begum, begleitet von ihren ACPs und Inspektoren, schreitet durch die Reihen der haltenden Fahrzeuge. Sie prüft Dokumente. Fitness, Lizenz, Versicherung. Sie bittet die Fahrer, die Fahrzeuge fit zu halten. Sie bittet — hören Sie dieses Wort — sie bittet.

Managements, so teilt sie mit, sollten "School Bus" deutlich auf die Fahrzeuge schreiben. Bremsen, Scheinwerfer, Blinker — arbeitend. Erste-Hilfe-Kästen, Feuerlöscher, Notausgänge. Und einen Reiniger pro Bus, eigens für die Sicherheit der Schüler. Hinter ihr steht Police Commissioner S. V. Rajashekar Babu, der seinerseits warnt: Trunkenheit am Steuer, rücksichtsloses Fahren, Überladung — Konsequenzen für Fahrer wie für Institutionen gleichermaßen. Man ermahnt die Eltern, vor der Anmeldung selbst den Bus zu prüfen, das Verhalten des Fahrers, das Verhalten des Reinigungspersonals. Die Sonderaktion wird fortgesetzt.

So lautet das Drehbuch. Es wird seit Jahren aufgeführt. Die Darsteller wechseln, die Kulissen bleiben, der Applaus ist garantiert, denn wer möchte schon etwas sagen gegen eine Polizistin, die Schulbuschecks leitet? Wer möchte schon etwas sagen gegen einen Commissioner, der vor Überladung warnt? G.N. Rao hat den Auslöser gedrückt, The Hindu hat den Tweet gesetzt — Shareen Begum mit konzentriertem Blick über die Motorhaube, das Dokument in der behandschuhten Hand.

Sagen wir es, da wir Handschuhe tragen: Die Inszenierung ist die Sache selbst. Man prüft Dokumente, nicht Karossen. Man kontrolliert Lizenzen, nicht Bremswege. Man verlangt Schilder, nicht Sicherheit. Die Schilder kann man anbringen. Die Sicherheit ist ein Anspruch, der bei der nächsten Monsunflut davongespült wird — buchstäblich.

Denn während Shareen Begum am Donnerstag die Schulbusse inspiziert, steht Vijayawada unter Wasser. Zwischen vier und sechs Uhr morgens hat der Himmel seine Schleusen geöffnet, und am Morgen liegen NTR Circle, der Pandit-Nehrue-Busbahnhof, das Collectorate-Gelände, die Mangomarktroute unter einer Decke aus Wasser. Die städtischen Behörden werden aktiv. Sie erklären, 75 Prozent der Überschwemmung seien bis elf Uhr vormittags beseitigt. Das klingt nach Tatkraft. Es klingt nach der schönen Fassade eines Gebäudes, in dem seit langem die Rohre verstopft sind. Eine Bananeplantage in Tadigadapa ist beschädigt, der Wind hat ganze Büschel geknickt.

District Collector G. Lakshmisha ist auf den Beinen, gibt Anweisungen, zitiert das India Meteorological Department und die Andhra Pradesh State Disaster Management Authority. Er rät der Bevölkerung, nicht unter Bäumen Zuflucht zu suchen, nicht neben Strommasten. Wer Hilfe braucht, darf die Kommandozentrale anrufen: 9154970454. Acht Ziffern, die mehr Infrastruktur sein sollen als ein ganzes Kanalsystem.

Sehen Sie, was hier wirklich stattfindet: eine öffentlich-rechtliche Versicherung gegen das Chaos. Wenn der Schulbus morgen verunglückt, wird man zeigen können, dass man kontrolliert hat. Man wird die Listen vorlegen, die Fotos, die Tweets. Man wird sagen können, die Behörden hätten gewarnt. Die Eltern seien aufgefordert worden, selbst zu prüfen. Die Managements hätten manövrieren müssen. Es ist die perfekte Verteilung der Verantwortung nach unten, mit der Polizei als oberstem Notar — und der Notar verschickt keine Rechnungen, er heftet nur Akten.

Was nicht stattfindet, ist eine einzige Frage nach dem Warum. Warum müssen Schulbusse in einer Stadt verkehren, deren Straßen bei 102 Millimetern Regen unter Wasser stehen? Warum werden Inspektionen nicht vor den Ferien durchgeführt, sondern nach ihnen, wenn die Uhr tickt und die Listen gefüllt werden müssen? Warum vertraut man der elterlichen Verantwortung das an, was die städtische Infrastruktur schuldig bleibt?

Die Antwort kennen wir aus Genf, aus Verhandlungsräumen, in denen Männer lächelnd Protokolle unterzeichnen, die nie eingehalten werden: Es geht nicht um Schutz. Es geht um Sichtbarkeit. Es geht darum, dass morgen in der Zeitung steht, man habe gehandelt. Nicht dass das Problem gelöst sei — dass es benannt worden sei. Das Benennen ist die Handlung. Die Handlung ist der Schutz.

Über Vijayawada hängt der Monsun 2026 mit all seinen Vorzeichen. Das IMD bestätigt: El Niño ist zurück, die äquatorialen Oberflächentemperaturen des Pazifiks erwärmen sich weiter, die Atmosphäre hat reagiert, das gekoppelte System zeigt Charakteristika, die konsistent sind mit El-Niño-Bedingungen, erwartet wird eine weitere Verstärkung während des Südwestmonsuns. 2023 war das letzte Mal. 2015, 2009, 2002 — die Namen stehen in den Akten wie alte Schulden. Die Erinnerung an 1876, an die große Hungersnot, an 55 Lakh Leben, steht im Raum wie ein Schatten, den niemand erwähnt, während man Schulbusetiketten klebt.

Man kann eine Stadt nicht kontrollieren, indem man ihre Fahrzeuge etikettiert. Aber man kann eine Stadt regieren, indem man sie glauben lässt, sie werde kontrolliert. In dieser Kunst ist Vijayawada nicht allein — es ist eine Kunst, die in jedem Büro dieser Welt gepflegt wird, mit Listen, mit Tweets, mit besorgten Gesichtern vor Kameras.

Wir notieren die Übung. Wir tragen Handschuhe. Wir warten auf den nächsten Donnerstag.

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