App-Zwang als Vorwand — Tempelbehörde drangsalierte Pilgerfahrer in Tirumala
Tirumala — Auf den Drähten kommt eine Meldung an, die nach alten Mustern riecht. Nur das Werkzeug ist neuer. Die Pilgerfahrer von Tirumala, jene Männer, die täglich Tausende Gläubige den Berg hinauf und wieder hinunter befördern, stehen vor den Toren der Tempelverwaltung und protestieren gegen ein System, das ihnen den Lebensfaden abschneidet — unter dem Deckmantel einer App.
Rajesh Yadav, Gewerkschaftsführer, hat es laut ausgesprochen: Die Mitarbeiter des Tirumala Tirupati Devasthanams, kurz TTD, schikanieren die Fahrer unter dem Vorwand, sie hätten bestimmte Daten oder Anwendungen nicht heruntergeladen. Das untergrabe ihre Existenz und bedrohe ihre Einnahmequelle. Wer nicht pariert, wird ausgehungert. Wer nicht funkt, wird aussortiert. So der Tenor der Kundgebung am Samstag, dem 21. Juni, vor dem Verwaltungsgebäude der TTD in Tirupati.
Ich übersetze das in eine Sprache, die ich aus den Drähten kenne: Das ist kein technisches Problem. Das ist ein Disziplinarproblem. Eine App, ein Datensatz, ein Häkchen — und du darfst dein Brot verdienen. Oder du darfst es nicht. Wer den Schalter bedient, bedient das ganze Gewerbe. Und wer den Schalter kontrolliert, kontrolliert die Menschen, die davon leben.
Die Fahrer trugen das Porträt von Lord Venkateswara vor sich her, übergossen es mit Milch im sogenannten Palabhishekam-Ritus und riefen Slogans wie „Govinda, du allein sollst uns schützen." Wenn die Götter um Schutz angerufen werden müssen, ist die irdische Bürokratie längst über ihre Verhältnisse hinausgewachsen. Achtzehn verschiedene Gewerkschaften standen auf dem Platz. Balamuralikrishna, Vasu, Jana, Swami, Venkat Reddy, Ravi Reddy — Namen, die für Tausende Fahrer stehen, die täglich ihre Runden drehen.
Die TTD verwaltet einen der reichsten Tempel der Welt. Millionen Pilger jährlich. Eine Wirtschaftsmaschine, die ohne die Fahrer nicht läuft. Ohne sie stehen die Gläubigen auf der Straße. Ohne sie rollt nichts den Berg hinauf. Und doch sitzt die Verwaltung am längeren Hebel — denn wer den Zugang zum Tempel kontrolliert, kontrolliert auch den Zugang zum Verdienst.
Die offizielle Sprache wird sein: Sicherheitsmaßnahme, Modernisierung, digitale Aufrüstung. Die Wahrheit, die in den Protestrufen mitschwingt, ist eine andere: Hier wird ein Hebel der Kontrolle verlegt. Weg von der Straße, hin zum Bildschirm. Wer nicht installiert, was installiert werden soll, wer seine Daten nicht hergibt, wer nicht spurtt — der wird aussortiert. Systematisch, leise, bürokratisch.
Ich kenne diese Frequenz. Es ist die Frequenz der Kontrolle durch neue Schalter. Wer den Schalter nicht bedient, fällt raus. Der Mechanismus ist immer derselbe: Eine neue Hürde wird eingezogen, die alibihalber als technische Notwendigkeit verkauft wird. Die Hürde ist dabei nie das eigentliche Ziel. Sie ist das Mittel.
Die Fahrer haben einen Nerv getroffen, der tiefer liegt als jede technische Forderung. Sie sagen: Ihr nehmt uns die Arbeit, indem ihr uns den Zugang sperrt. In einer Zeit, in der jeder Handschlag digital dokumentiert werden soll, wird der Arbeiter zum Datensatz. Wer den Datensatz verweigert, wird unsichtbar — und damit überflüssig. Was hier in Tirumala auf dem Platz vor der TTD-Verwaltung geschieht, ist die Vorlage für eine neue Form der Disziplinierung: nicht durch den Knüppel, sondern durch die Installation. Nicht durch die Ausweisung, sondern durch die Aussperrung.
Wer kontrolliert die App? Wer sieht die Daten, die dort eingegeben werden? Wer entscheidet, welcher Fahrer auf den Berg darf und welcher nicht? Diese Fragen stehen im Raum, und sie bleiben unbeantwortet. Die TTD hat bislang geschwiegen — zumindest in den Drähten, die ich höre.
Die Fahrer stehen mit einem Götterbild in der Hand vor dem Tor ihrer Vorgesetzten und hoffen auf Schutz von oben. Ob der Schutz kommt, ist eine andere Frequenz. Die Drähte summen weiter. Ich höre weiter hin.