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FATHERS OPTIONAL — WER SCHALTET AMERIKAS GRÜNDERVÄTER WIEDER EIN

30. Juni 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Zwei Meldungen auf einer Frequenz. Beide kommen aus dem Land, das sich gerade selbst auf die Schulter klopft, weil es seinen 250sten Geburtstag feiert. Beide handeln von Vätern. Und beide zeigen, wo das Geld sitzt.

Die erste Depesche stammt aus der Feder eines Mannes, der eine Stiftung namens Family First gegründet hat. Sein Programm heißt All Pro Dad. Man trifft sich monatlich in Schulen. Väter sitzen mit ihren Kindern, jemand steht auf, blickt das Kind an und sagt: Ich bin stolz auf dich. Klingt nach Kerzenlicht und Tischgebet. Ist es auch. Aber zugleich ist es Sponsoring durch die National Football League. PRO. All Pro. Die mächtigste Sportliga des Kontinents liefert das Wortzeichen für ein Erziehungsprogramm, das in öffentliche Schulen einzieht.

Die Frage, die niemand stellt: Wer braucht hier wen? Brauchen die Schulen das Sportlogo, oder braucht die Liga die Familien? Braucht Family First die Schultüren, oder brauchen die Schulen das Gebet?

Die Zahl, mit der Family First hausieren geht: Mehr als jedes vierte amerikanische Kind wachse ohne aktiven Vater auf. Eine runde Zahl. Eine bequeme Zahl. Eine Zahl, die man sich merkt und weiterträgt wie einen Werbespruch. Welche Methode dahinter steht, welche Erhebung, welcher Maßstab — Family First verlinkt keine Quelle. Man muss die Quote glauben. Die Methodik nicht.

Die zweite Depesche ist älter und größer. Sie kommt aus einem Buch mit dem Titel The 56. Sein Verfasser verbrachte ein volles Jahr "in 1776", wie er schreibt, und kehrte wieder mit der Botschaft: Die Gründerväter würden heute schreien, Amerika sei verloren. Die Feinde dieser Tage erhalten ihre Namen im Klartext: Alexandria Ocasio-Cortez, Zohran Mamdani, Katie Wilson, Graham Platner. Sozialisten. Kommunisten. Alles in einem Atemzug.

Die Mechanik dahinter ist nicht schwer zu lesen. Man nehme die Unterschriften unter der Unabhängigkeitserklärung, lege sie über jede aktuelle Haushaltsdebatte, und jede Position links der Mitte ist automatisch Landesverrat. Zum Beweis eine Zahl: Mehr als die Hälfte der Amerikaner unter 30 halte die Demokratie nicht für wesentlich. Eine Umfrage — welche, bleibt offen. Die Zahl wird zitiert. Sie wird nicht hinterfragt.

Und dazwischen, aus einem dritten Sender, ein alter Ton. John Adams, vor bald hundertfünfzig Jahren, gefragt, was die Revolution gewesen sei. Er antwortete: eine Veränderung in den Herzen, eine Veränderung der religiösen Empfindungen, der Pflichten. Und er fügte hinzu, was in der Jubel-Erzählung von heute fehlt: Die Kolonien seien sich in Sitten, Religion und Herkunft so unähnlich gewesen wie nirgendwo sonst auf Erden. Katholiken, Protestanten, Juden, Puritaner, Quäker — alle. Genau diese Vielfalt, nicht ihre Einebnung, war Adams' Argument.

In der heutigen Erzählung wird daraus ein einheitlicher christlicher Gründungsmythos. Adams hat das Gegenteil beschrieben.

Hier ist die Maschine, die ich auf den Drähten höre.

Drei Elemente, ein Signal. Erstens: ein religiös-patriarchalisches Familienprogramm, getragen von einer Sportliga und einer Stiftung ohne öffentliche Rechenschaft. Zweitens: ein Buchmarkt, der die toten Unterzeichner als Konsumware neu auflegt, pünktlich zum Jubeljahr. Drittens: eine politische Erzählung, die das Argument des John Adams so lange zurechtbiegt, bis alle Vielfalt der Kolonien wieder unter einer einzigen Fahne verschwindet.

Wer profitiert. Family First bekommt Schultüren und Stadionplakate gratis. Die NFL bekommt das Papier, auf dem steht, sie sei mehr als Unterhaltung — sie sei Familie. Der Buchmarkt bekommt einen Bestseller im Jubeljahr. Und jene politischen Kräfte, die sich selbst als Erbin der Gründerväter aufstellen, bekommen das saubere Narrativ geliefert: Wer nicht betet wie wir, nicht football spielt wie wir, nicht flaggt wie wir, gehört nicht dazu.

Wer zahlt den Preis. Die Kinder, deren Väter aus welchen Gründen auch immer fehlen — und die nun als Beweisstücke einer nationalen Krise herhalten müssen. Die Schulen, in denen eine Stiftung mit Sportlogo jene Erziehungsarbeit übernimmt, die der Staat schuldig bleibt. Die Demokratie, deren Unterstützung man zur Frage des Glaubens macht — und damit zur Frage des Ausschlusses.

Man muss nicht selbst an meiner Taste sitzen, um das zu hören. Man braucht nur ein Ohr auf der Leitung. In Washington war das schon immer ungern gehört. Kalter Kaffee. Lötlampe aus. Auf den Drähten summt es weiter.

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