Die Inszenierung der Einigkeit — und was Volkswagen darüber verrät
Eine Woche, meine Damen und Herren. Sieben Tage dauerte die Feier. Sieben Tage, in denen die Staats- und Regierungschefs der siebenundzwanzig sich wechselseitig auf die Schulter klopften und das Wort „Einigkeit" in die Mikrofone sprachen, als handle es sich um ein erneuertes Gelübde.
Dann kam Volkswagen.
Hunderttausend Stellen, so heißt es. Hunderttausend Arbeiter, deren Schicksal plötzlich wie ein nasses Tuch über die Bühne von Brüssel geworfen wurde — ausgerechnet dort, wo man wenige Tage zuvor noch verkündet hatte, man werde der chinesischen Welle mit vereinter Kraft begegnen. Natürlich begegnen. Was denn sonst.
Es ist ein altes Spiel, das ich wiedererkenne. Ich habe es in Genf gesehen, an Tischen, an denen Verträge unterzeichnet wurden, die niemand halten würde. Männer lächelten, während sie logen — und ich lächelte zurück, denn Diplomatie ist die Kunst, das Lächeln zu erwidern, das man durchschaut hat. Was Brüssel diese Woche geliefert hat, war kein Strategiewechsel. Es war das Ritual der Beschwichtigung, das wir alle kennen: die Inszenierung der Geschlossenheit, gefolgt von der nüchternen Erkenntnis, dass Geschlossenheit allein noch keinen einzigen chinesischen E-Auto-Hersteller davon abhält, einen europäischen Marktanteil nach dem anderen zu erobern.
Die Sätze, die man sich merken muss, stehen nicht in den Kommuniqués. Sie stehen in den Gängen, in den Fahrstühlen, in den abgeschirmten Räumen. „Wir müssen der Realität ins Auge sehen", sagte ein hochrangiger europäischer Beamter, „Chinas Wirtschaftsmodell, das von Überkapazität getrieben wird, wird sich nicht ändern. Wir müssen damit leben — und uns selbst ändern." Damit leben. Das ist die Sprache der Macht, wenn sie sich eingerichtet hat. Sie sagt: Wir werden nicht gewinnen. Wir werden verhandeln. Wir werden Plattformen gründen.
Eine neue Handels- und Investitionskonsultationsplattform, gestiftet diesmal von Maros Šefčovič, der in dieser Woche den chinesischen Handelsminister Wang Wentao empfängt. Plattformen sind das Lieblingsspielzeug der Gescheiterten. Man gründet sie, wenn man nichts mehr zu sagen hat, und nennt es Dialog. Und während der Dialog beginnt, schreibt ein deutscher Konzern Abschiedsbriefe an seine Belegschaft. Natürlich ist das nicht die Schuld der Kommission. Natürlich ist es der Markt. Natürlich sind es Subventionen, Wechselkurse, Yuan-Bewertungen — lauter Erklärungen, die so klingen, als schwebten sie über uns wie eine unpersönliche Gezeitenkraft. Aber Gezeiten haben keine Aktionäre, meine Damen und Herren. Gezeiten werden nicht in Aufsichtsräten beschlossen.
Die Kommission soll ihre Anstrengungen beschleunigen, heißt es im Auftrag des Europäischen Rates. Gegen die schädigende Flut chinesischer Lieferungen. Gleichzeitig soll sie die Zusammenarbeit mit Peking ausbauen. Beschleunigen und ausbauen. Abwehren und einladen. Alles gleichzeitig, alles im selben Absatz, alles mit demselben ernsten Gesicht.
Ich habe Verträge gesehen, die dieses Muster trugen. Sie hatten Anhänge, die sich widersprachen. Sie hatten Klauseln, deren Zweck es war, nicht gelesen zu werden. Und sie hatten Unterschriften — viele, sauber, entschlossen. Am Ende zählten die Unterschriften nicht. Es zählte, was die Männer taten, nachdem sie den Raum verlassen hatten.
Der Empfang Wang Wentaos in Brüssel ist ein solcher Raum. Šefčovič wird lächeln. Wang Wentao wird lächeln. Man wird eine Plattform unterzeichnen oder zumindest ihre Errichtung verkünden. Man wird von „ausgewogenen Beziehungen" sprechen, von „gegenseitigem Nutzen", von „fairen Wettbewerbsbedingungen". Man wird all die Vokabeln benutzen, die in solchen Salons benutzt werden, in denen Männer, die lächeln, Dinge vereinbaren, die nie eintreffen.
Was uns bleibt, ist die Übersetzung. Vom Bühnenjargon in das, was tatsächlich geschieht. Was geschieht, ist die schleichende Selbstauflösung einer Industrie, die einmal das Rückgrat des europäischen Wohlstands war — und sie geschieht nicht im Verborgenen, sondern im hellsten Licht der Öffentlichkeit. Wir sehen die Pressekonferenzen. Wir lesen die Erklärungen. Und wir sehen Volkswagen. Und wir tun so, als sei das ein Zufall.
Ganz Brüssel wisse, heißt es aus gut unterrichteten Quellen, dass die Erwartungen an einen großen Handel gering seien. Man werde keinen Grand Bargain erreichen. Sie sagen es, als sei das Eingeständnis begrenzter Erwartungen eine Form der Stärke. Es ist die Stärke der Resignierten, die gelernt haben, ihre Niederlage als Reife zu verkaufen.
Ich trage Handschuhe beim Schreiben — nicht der Eleganz wegen, sondern um mir die Hände nicht schmutzig zu machen an dieser gut gepflegten Fassade. Wer Brüssel heute beobachtet, sollte Handschuhe tragen.
Wolfsburg blutet. Peking lächelt. Brüssel einigt sich. Und die Plattform wird, so heißt es, frühestens in Jahresfrist erste Ergebnisse vorlegen.
Erste Ergebnisse. Man darf gespannt sein.