Indiens halbe Verbeugung vor dem Ayatollah
Man hat mich gefragt, was ich von Indiens Delegation zur Beisetzung des Ayatollah Ali Khamenei halte. Ich habe gelächelt. Man lächelt, wenn man eine Antwort geben soll, die man bereits kennt, seit man zum ersten Mal die Gesichter von Männern studiert hat, die Verträge unterzeichnen, die sie nicht lesen werden.
Am 28. Februar starb Khamenei in den Eröffnungsschlägen der gemeinsamen amerikanisch-israelischen Operation gegen Iran. Vier Monate lag sein Leichnam aufgebahrt — der Krieg, der Waffenstillstand, die Verhandlungen hatten ihre eigene Ordnung verlangt. Nun also die Trauer. Sechs Tage, fünf Städte in Iran und im Irak, beginnend am Samstag. In Teheran öffnet die Mosalla, das große Gebetsgelände, ihre Tore. Am Montag führt der Trauerzug über zehn Kilometer vom Imam-Hossein-Platz zum Azadi-Platz — jenem Ort, an dem schon 1979 die Geschichte kippte und in den vergangenen Jahren wieder kippte, in eine andere Richtung diesmal. Der Bürgermeister spricht von zwanzig Millionen Menschen. Man darf das für Pathos halten. Man sollte es für Präzision halten.
Die Zeremonie wandert weiter nach Qom, dem Zentrum schiitischer Gelehrsamkeit, und endet in Maschhad, der Pilgerstadt im Nordosten, in der Khamenei 1939 geboren wurde und in der er nun begraben sein wird. Die symbolische Geographie dieses Landes lässt sich nicht erfinden. Man muss sie nur zu lesen wissen.
Präsident Masoud Pezeshkian hatte Modi eingeladen, persönlich, mit dem vollen Bewusstsein, dass dieses Begräbnis das größte werden würde, das die Islamische Republik je gesehen hat. Modi sagte ab. Frühere Verpflichtungen, Indonesien, Australien, Neuseeland, eine Reise vom 6. bis 11. Juli. Man darf die Daten prüfen. Man darf auch die Frage stellen, warum ein Premier, der in vier Jahrzehnten jedem iranischen Staatsoberhaupt und jedem Ayatollah begegnet ist — Modi selbst im Mai 2016 in Teheran —, warum ausgerechnet dieser Mann bei diesem Toten verhindert sein soll.
Die Antwort, die Delhi schickt, ist ein Gouverneur aus Bihar und ein Staatsminister im Außenministerium. Generalleutnant Syed Ata Hasnain im Ruhestand, ein Mann mit ordentlichem Lebenslauf und keinem diplomatischen Gewicht im Räderwerk einer Region, die gerade neu kalibriert wird. Pabitra Margherita, Minister of State. Das ist die Delegation. Mehr nicht.
Talmiz Ahmad, ehemaliger Botschafter Indiens in Saudi-Arabien, ein Mann, der die Feinheiten des Protokolls kennt und sie nur bricht, wenn es notwendig ist, sagt, er sei „zutiefst enttäuscht". In der Sprache der Veteranen ist das ein Urteil. Andere Kommentatoren nennen die Trauerfeier in Teheran eine „große Gelegenheit", die indische Westasien-Politik neu zu justieren, und sagen zugleich, die Wahl der Delegation zeige, dass Delhi die Bedeutung des Ereignisses nicht erkannt habe.
Ich sitze in einem anderen Raum. Ich sehe die Mechanik hinter dem Lächeln.
Denn natürlich geht es nicht um Höflichkeit. Es geht um Kalibrierung. Iran liegt zwischen Verhandlungstischen über Hormus, über das Nuklearprogramm, über Sanktionen. Die Gespräche laufen, fragil. Teheran wünscht sich eine Zeremonie ohne Störung vor internationalem Publikum. Wer aus Delhi anreist, reist nicht als Trauernder an. Er reist als Botschaft. Und die Botschaft, die Indien sendet, indem es weder den Premier noch den Vizepräsidenten schickt — Jagdeep Dhankhar war es noch bei Präsident Ebrahim Raisi —, sondern einen Gouverneur und einen Minister zweiten Ranges, ist eindeutig, auch wenn man sie in Delhi niemals aussprechen wird: Wir kommen. Aber nicht weit genug, um uns zu binden.
Man nennt das in Genf, wo ich zwischen zu vielen Verhandlungssälen gealtert bin, eine „vorbehaltliche Anwesenheit". Man ist da, damit man nicht gefehlt hat. Man ist nicht da, damit man nicht zu viel gesagt hat.
Es gibt eine andere Lesart, und sie ist die, die Delhi vermutlich selbst pflegt: Man wolle die Beziehungen nicht überfrachten. Man wolle weder in die eine noch in die andere Richtung ein Signal senden, das man später nicht halten kann. Man wolle in der Schwebe bleiben zwischen den Fronten einer Region, die seit dem 28. Februar nicht wiederzuerkennen ist. Das ist eine kluge Position. Es ist auch die Position eines Landes, das sich seine Optionen erhalten möchte, während ringsum die Karten neu gemischt werden.
Doch eine solche Position lässt sich nur dann glaubwürdig wahren, wenn man gleichzeitig auf dem Niveau anwesend ist, das der andere erwartet. Die unausgesprochene Regel der Trauerdiplomatie lautet: Wer nicht selbst kommen kann, schickt den höchsten Verfügbaren. Wer nur das Zweite schickt, hat bereits eine Aussage gemacht.
Khamenei hat 37 Jahre als Ayatollah gedient. Er hat jede indische Regierung empfangen, die ihm begegnet ist. Sein Tod ist nicht nur das Ende eines Mannes. Er ist das Ende einer Konfiguration — der Konfiguration, in der Indien zwischen den Hauptstädten dieser Region balancierte wie auf einer gespannten Schnur. Was Delhi bei diesem Begräbnis versäumt, ist nicht ein Foto. Es ist ein Händedruck in den Korridoren von Teheran, ein Gespräch am Rande der Mosalla, ein Blick in die Augen jener Männer, die die nächste Formation prägen werden.
Man kann diese Dinge delegieren. Man sollte es nicht.
Die Kommentatoren haben recht. Es ist eine große Gelegenheit. Delhi hat sie an einen Gouverneur aus Bihar delegiert. Ich ziehe die Handschuhe an und schließe für heute die Tür.