Hilfe gegen Daten — Washingtons neues Pfand in Afrika
Man schreibt mir aus Uganda, und der Brief riecht nach Chlor und nach der Angst von Männern, die zu lange verhandelt haben. Ein Anwalt, Frank Ssekamwa, hat den Satz geprägt, den man sich merken sollte, weil er die Mechanik der ganzen Übung in zwei Hälften bricht wie ein Skalpell: „If you take the deal, you're going to be exploited. If you don't take it, you're going to die." Es ist die Logik des Räubers, der dem Opfer die Pistole auf die Brust setzt und ihm gleichzeitig die Brieftasche anbietet — gegen eine kleine Gegenleistung, versteht sich. Ssekamwa nennt es, ohne zu zittern, beim Namen: digitalen Kolonialismus. Das Wort ist nicht zu hart. Es ist zu spät.
Denn was in diesen Wochen zwischen Washington und mehr als dreißig afrikanischen Hauptstädten verhandelt wird, ist kein Hilfspaket im alten Sinne. Es ist ein Tauschgeschäft, bei dem die eine Seite das Leben selbst als Währung führt und die andere den Zugang zu den intimsten Daten der Körper, die zu retten sie vorgibt. Die amerikanische Regierung, getrieben von einer Strategie, die sie selbst „America First Global Health Strategy" nennt — ein Name, der so bescheiden ist wie ein Pfandleiher, der seinen Laden „Heilsarmee" tauft —, hat verfügt: Entwicklungshilfe wird fortan nur noch gewährt „in a way that directly benefits the American people and directly promotes our national interest". So sprach Außenminister Marco Rubio im September. Man höre die Verben: benefits, promotes. Es sind die Verben eines Buchhalters, nicht eines Arztes. Es sind die Verben eines Mannes, der gelernt hat, dass Mitgefühl ein Hebel ist, wenn man es nur richtig ansetzt.
Die Verträge, die in geschlossenen Sitzungen ausgehandelt werden — das State Department weigert sich, sie zu veröffentlichen, als wären es Militärgeheimnisse und nicht Seuchenschutzabkommen —, sehen vor, dass die Empfängerländer den Vereinigten Staaten Zugang zu den Gesundheitsdaten von Millionen ihrer Bürger gewähren. Nicht summarisch, nicht anonym in dem Sinne, in dem Anonymität noch Schutz wäre. Sondern in einer Tiefe, die Fachleute, die solche Verträge zu lesen verstehen, als vage bezeichnen — und wer in der Diplomatie einmal erlebt hat, wie ein „vager" Passus sich nach der Unterzeichnung in eine Schublade voller Hebel verwandelt, der weiß, dass Unbestimmtheit keine Schwäche des Textes ist. Sie ist sein Zweck. Es fehle, so die Experten, an Standardklauseln zum Schutz personenbezogener Daten, an Garantien gegen Missbrauch und Kommerzialisierung, an Zustimmungsmechanismen, an allem, was zwischen einer Blutprobe und einem verwertbaren Datensatz steht.
Uganda hat unterschrieben. Am zehnten Dezember, nach Marathonsitzungen, in denen die Alternative hieß: mehr als eine Milliarde Dollar verlieren, während Ebola, HIV, Malaria und Tuberkulose ihre Rechnungen weiterstellen. Sambia, Simbabwe und Ghana — man darf sich die Namen merken, sie sind die ersten, die nein sagten, und es wird die Liste derer sein, die man später als undankbar bezeichnen wird, sollte das Geschäft kippen. Die Redaktion von ProPublica hat neun dieser Verträge analysiert und dabei auch ein bisher unveröffentlichtes Übereinkommen mit Uganda, eine Datenvereinbarung mit Kenia sowie sechs Abkommen über die Weitergabe von Erregern gesichtet, die Pandemien auslösen können. Es ist ein Mosaik, und das Muster ist überall dasselbe: die Hilfe kommt als Klingelton einer Kasse, und die Daten gehen heraus wie Blut in eine Schale.
Man soll sich nichts vormachen. Die USAID, die einstmals Milliarden mit wenigen Bedingungen vergab, ist abgewickelt worden — ein Name, der verschwindet, während die Klauseln bleiben, die ihn ersetzen sollen. Wer das alte System kannte und das neue liest, sieht die Differenz: dort Hilfe, die kam; hier Hilfe, die sich bezahlt macht, indem sie den Körper des Empfängers in eine Akte verwandelt. Es ist keine neue Gier. Es ist eine sehr alte Mechanik in neuen Handschuhen.
Heute sitzt ein Mann in Washington, der die Sprache der Barmherzigkeit benutzt wie andere die Sprache des Rechts, und er verlangt, dass Länder, deren Bürger noch nie von einer elektronischen Patientenakte gehört haben, ihre intimsten biologischen Informationen in ein System einspeisen, dessen Schutzmechanismen er nicht offenlegt. Es ist eine Geste, die in der Geschichte ihresgleichen sucht — nicht an Grausamkeit, denn Grausamkeit wäre ehrlich, sondern an Heuchelei, die sich als Philanthropie verkleidet. Der Arzt, der die Diagnose erst stellt, nachdem er die Krankenakte verkauft hat, ist keine Erfindung. Er sitzt in einem Büro mit Eichenholzvertäfelung und spricht von „national interest".
Ich bin Diplomatin gewesen, und ich habe in Genf Verträge gelesen, die nie eingehalten wurden. Ich habe Männern in die Augen geschaut, die lächelten, während sie logen. Aber ich habe nie erlebt, dass eine Regierung das Recht auf Leben so offen als Verhandlungsmasse auf den Tisch legt wie diese. Die Handschuhe, die ich bei solchen Gelegenheiten trage, sind nicht aus Lackleder. Sie sind aus der Erinnerung an jeden Patienten, der zwischen den Zeilen einer solchen Klausel verschwindet. Man kann einen Menschen heilen, ohne seine Daten zu verkaufen. Man kann einen Menschen heilen, ohne seine Würde zu verpfänden. Wer das Gegenteil behauptet, ist kein Arzt. Er ist ein Händler, der die Operationssaalbeleuchtung als Ladenschild missbraucht.
Wenn die Geschichte dieses Jahrzehnts eines Tages geschrieben wird — und sie wird geschrieben, mit oder ohne unsere Zustimmung —, dann wird dieses Kapitel nicht unter „Entwicklungshilfe" stehen. Es wird unter einem anderen Wort stehen. Es wird „Konditionierung" heißen, oder, in der älteren Sprache, „Tribut". Es hat immer Tribut geheißen. Nur die Uniform wechselt.