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Yorks stille Tresore

30. Juni 2026 — — — E. Wolff

1929 war das Spektakel. 1937 war die Architektur, die das Spektakel überdauerte. Damals, in den Konkursakten der Handelskammer, lernte man sehr schnell und sehr gründlich, dass Vermögen zweierlei ist — das, was auf dem Papier steht, und das, was in Stiftungen, Treuhanden und Konstrukten verborgen liegt, die kein Zeitungsleser jemals zu Gesicht bekommt. Die Verlierer von 1929 hatten Bilanzen. Die Gewinner hatten Stiftungen. Beatrice und Eugenie von York, die Töchter des Andrew Mountbatten-Windsor und der Sarah Ferguson — eines Mannes, dessen Haus für immer befleckt ist durch die Verbindung zum verstorbenen pädophilen Finanzier Jeffrey Epstein —, diese Töchter besitzen beides. Und sie werden es behalten.

Norman Baker, Autor des Werks „And What Do You Do? What the Royal Family Don't Want You to Know", einer harten Analyse der Kronfinanzen aus dem Jahr 2019, hat es dieser Tage der Tagespresse noch einmal erklärt. „Anyone worried that the York daughters may end up short of cash, given the shenanigans of their parents, need not worry", sagt der Mann. Es klingt wie Trost. Es ist ein Urteil. Dreiundzwanzig Wörter, jeder einzelne ein Alibi.

Hören wir die Zahlen, denn Zahlen sind das Einzige, was die Bilanz nicht frisiert. Beatrice besitzt mit ihrem Ehemann Edoardo, Multimillionär, ein Sechs-Schlafzimmer-Bauernhaus in den Cotswolds. Mit Tennisplätzen. Mit Swimmingpool. Sogar mit Gästehaus. Drei Komma fünf Millionen Pfund. Wer sich das auf der Straße vorstellt: Das ist ein Haus für sechsundzwanzig Familien in einem Londoner Arbeiterviertel. Beatrice ist eine „non-working royal". Sie arbeitet nicht. Sie braucht es nicht. Dazu, mietfrei, eine Zwei-Schlafzimmer-Wohnung im St James's Palace. Mietfrei. Sechs Wörter, in denen die Sprache der Banken sich selbst verrät.

Eugenie, ebenfalls „non-working royal", mit Ehemann Jack, ebenfalls Multimillionär, ein Haus in Portugal. Dazu mietfrei das Ivy Cottage im besten Winkel von Kensington.

Man könnte hier aufhören und glauben, man habe verstanden. Sollte man nicht. Denn das Entscheidende steht weiter unten, in einer Reihe, die keine Schlagzeile trägt. Die Töchter profitieren von Treuhandfonds, die von der Queen Mother in den neunziger Jahren eingerichtet und von der verstorbenen Königin Elizabeth II. später aufgestockt wurden. Treuhandfonds. Trust Funds. Sie sind eingerichtet worden, bevor Beatrice fünf war. Bevor Eugenie überhaupt geboren wurde. Sie sind eine Art, Geld in eine Kapsel zu legen und die Kapsel so fest zu verschnüren, dass weder die Zeit noch die Reputation der Eltern etwas daran ändern können.

Drei Wörter muss man sich merken: Stiftung, Treuhand, Verschlusssache. Sie sind das Alphabet dieser Maschinerie. Was die Stiftung bewahrt, das bewahrt sie gegen den Schrei der Straße. Was die Treuhand hält, das hält sie gegen jede Schlagzeile. Was als Verschlusssache gilt, das gilt als Verschlusssache gegen jeden Namen, der je in einem Gerichtssaal fällt.

Die Eltern fallen. Die Stiftung steht. Andrew Mountbatten-Windsor ist im Exil, Sarah Ferguson trägt ihren schalen Beigeschmack mit sich. Die Kameras schreiben ihre Namen als Beweisstücke. Die Trusts schreiben nichts.

Welche Summe in den Trusts liegt? Norman Baker sagt es nicht. Niemand sagt es. Die Stiftungsdokumente der Royals sind nicht öffentlich. Sie sind nicht öffentlich, weil sie niemals öffentlich sein sollten. Sie sind das Innere einer Maschine, die von außen wie ein Märchen aussehen muss. Das ist der Preis des Märchens: Es funktioniert nur, solange niemand das Innere sieht.

Man kann es so zusammenfassen, wie ein Bankier es zusammenfassen würde, wenn ein Bankier jemals ehrlich wäre. Zwei Schwestern. Kein offizielles Einkommen. Trusts, eingerichtet in einer anderen Generation. Wohnungen, mietfrei in Palästen, deren Unterhalt der Steuerzahler trägt. Ehemänner mit eigenem Vermögen, das nicht erarbeitet werden musste, weil das Erarbeiten durch Geburt ersetzt wurde. Eine Farm für drei Komma fünf Millionen Pfund, in der keine zweiundzwanzig Familien wohnen, weil eine Familie in ihr wohnt, die nichts gearbeitet hat, um dort zu sein.

Das ist keine Verleumdung. Das ist Bilanz. Und wer das nächste Mal einen Artikel über das Ende der Yorks liest — über den Verfall der Reputation, über das schleichende Vergessen —, der schlage die Bilanz auf. Dann wird er sehen: Es gibt kein Ende. Es gibt nur Stiftungen. Es gibt nur Trusts. Es gibt nur mietfreie Apartments in Palästen und Treuhänder, die ihre Pflicht tun, während die Akten wachsen und die Kameras blitzen und die nächste Generation schon wartet.

Die Bücher sind nicht ausgeglichen. Sie waren nie ausgeglichen. Sie müssen nicht ausgeglichen sein.

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