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Die Tanksäulen-Emigranten von Bury

2. Juli 2026 — — — E. Wolff

Zwei Brüder aus Lancashire haben im Jahr 2001 eine Tankstelle gekauft. Eine einzige. In Bury, Greater Manchester. Heute, fünfundzwanzig Jahre später, ist diese Tankstelle ein Imperium wert — 6,85 Milliarden Pfund, sagt der Prospekt, der vergangene Woche bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht wurde. 760 Millionen davon sollen im Spätsommer in New York eingesammelt werden. Bei der SEC. Nicht in London.

Man darf das nicht übersehen. Man darf es nicht klein reden.

EG Group, gegründet von Mohsin und Zuber Issa, wechselt den Briefkasten. Die globale Zentrale steht inzwischen in Charlotte, North Carolina. In England besitzt EG keine einzige Tankstelle mehr. Sie wurden verkauft — an Asda. Asda gehört TDR Capital. TDR Capital besitzt fünfzig Prozent von EG.

Man halte diese Schleife einen Moment aus.

Die Issa-Brüder teilen sich die andere Hälfte, jeder ein Viertel. TDR Capital besitzt Asda. Asda hat die britischen Tankstellen der Issas gekauft. Die Issas haben mit dem Erlös den Sprung über den Atlantik finanziert. So entstehen Imperien im dreißigsten Jahr nach dem Schwarzen Freitag: nicht durch Wagemut, sondern durch Architektur. Der Architekt heißt TDR.

Man kann es auch Bilanzkosmetik nennen. Man kann es auch Inlandssubstitution nennen. Man kann es, wenn man höflich bleiben will, Restrukturierung sagen.

Was bleibt, ist nüchtern. 760 Millionen Pfund in New York. Eine Bewertung von 6,85 Milliarden. Listing möglicherweise unter dem Namen Cumberland Farms — jener amerikanischen Kette von 1.500 Convenience-Stores und Tankstellen, die inzwischen das eigentliche Rückgrat des Ganzen ist. Eine britische Erfolgsgeschichte — gegründet von zwei Söhnen eines Lastwagenfahrers — und sie geht an die Wall Street. Weil London nicht mehr liefert, was London einst versprochen hat.

London liefert wenig. Das ist die eigentliche Geschichte.

Doncasters, 1778 in Sheffield gegründet, Zulieferer für Turbinen und Triebwerke, hat in der Woche zuvor ebenfalls in New York eingereicht. 567,5 Millionen Pfund sollen dort aufgenommen werden. Zwei britische Unternehmen. Zwei Listings. Beide in Amerika. Im gleichen Monat.

Indes fliegt das Kapital nicht nur über den Atlantik hinweg. Es wird auch von der anderen Seite hereingeholt. Schroders, Beazley, Intertek — in den vergangenen Wochen allesamt von ausländischen Konsortien geschluckt. EasyJet hat diese Woche ein Angebot aus Amerika abgewiesen. Vorerst. Die Übernahme-Frenzy ist da. Die Frage ist nur, wer sie am Ende bezahlt.

Lale Akoner, Global Market Strategist bei Etoro, sagte es höflich: „Unternehmen werden strategischer, wo sie notieren, statt einfach in London zu listen.“ Eine freundliche Umschreibung. Eine sehr höfliche Art zu sagen, dass der Londoner Kapitalmarkt für aufstrebende Emigranten uninteressant geworden ist.

Was nicht gesagt wird — und das ist die offene Frage, die diese Geschichte trägt: Wer zeichnet die 760 Millionen in New York? Welche Banken strukturieren den Börsengang? Welche Namen stehen im Prospekt, die nicht in der Sonntagszeitung stehen? Klar ist: TDR Capital bekommt einen Ausstieg. Die Private-Equity-Firma, die seit 2015 in EG investiert ist, kann mit einem US-Listing einen Return realisieren, den London nicht hergibt.

Die Issa-Brüder behalten eine Beteiligung. Sie wechseln den Briefkasten. Aus Lancashire wird North Carolina. Aus Pfund wird Dollar.

Das ist der Deal. Schnell erzählt.

Was offen bleibt: Warum ein britisches Unternehmen, gegründet in Bury, finanziert über britische Banken, aufgebaut auf britischen Tankstellen, nun amerikanische Investoren braucht, um britische Geschichte zu schreiben. Die Antwort liegt vermutlich in jenen Räumen, in denen die Zinssätze festgelegt werden. In jenen Sitzungen, in denen ein Mann in Nadelstreifen einem anderen Mann in Nadelstreifen erklärt, warum der Gürtel enger muss. Warum kleine Sparer ihre Löhne an Märkte tragen, die sie nicht lesen können, während TDR Capital Ausstiegsklauseln liest wie Frühstückszeitungen.

Die Bücher sind nicht ausgeglichen. Das war nie ein Versehen.

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