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3,8 Millionen Dollar für eine Maschine die ihren Rektor nicht kennt

2. Juli 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

East Los Angeles. Eine Maschine soll Antworten geben. Sie weiß nicht einmal, wer ihr Chef ist. Der Chatbot des East Los Angeles College kannte den eigenen Präsidenten nicht beim Namen.

Kaliforniens Community Colleges — neunundneunzig Bezirke, Hunderttausende Studierende, überwiegend diejenigen, die sich keine private Hochschule leisten können — haben in den letzten Jahren Millionen ausgegeben für Blechhelfer mit künstlicher Intelligenz. Die Helfer sollen bei Zulassung helfen, bei Finanzhilfe, bei Wegbeschreibungen zum Campus. Was sie liefern: oft nichts.

The Markup und CalMatters haben getestet. Allgemeine Fragen — die kriegt die Maschine hin. Aber spezifische? Da versagt sie. Pablo Aguirre, Informatikstudent am East Los Angeles College, hat es aufgegeben. Er tippte etwas über Finanzhilfe ein. Die Maschine fragte zurück. Immer weiter. Aguirre ging zu Google. Zu Reddit. Auf die inoffiziellen Kanäle, wo Studierende sich gegenseitig helfen, weil die offizielle Maschine nicht hilft.

Die Verträge sind lang und teuer. Gravyty. Gecko. Drei Bezirke, die geantwortet haben, zahlen zwischen 151.000 Dollar und fast einer halben Million im Jahr. Der Los Angeles Community College District, das größte System des Staates, hat seit 2021 Verträge und Nachträge über etwa 3,8 Millionen Dollar genehmigt — laufend bis 2029. Wer profitiert? Nicht die Studierenden, die weiterhin auf 404-Fehlerseiten stoßen und auf Foren ausweichen.

Wie funktioniert das? Manche dieser Bots greifen auf manuell gepflegte Bibliotheken häufiger Fragen zurück. Auf Campus-Webseiten. Was passiert, wenn die Information veraltet ist oder die Frage außerhalb der Datenbank liegt? Die Maschine rät. Oder sie fragt weiter. Oder sie gibt falsche Antworten. Das System Santa Monica ist auf ChatGPT umgestiegen — die Maschine schabt jetzt die eigene Webseite und baut Antworten daraus. Funktioniert besser, sagen die Verantwortlichen. Im Los Angeles-Bezirk plant man eine Umstellung, möglicherweise schon im späten Frühjahr.

Soviel zur Besserung. Die Frage dahinter ist die alte: Wer kontrolliert das Werkzeug? Wer zahlt den Preis?

Die Colleges zahlen. Die Studierenden zahlen — mit Zeit, mit Nerven, mit dem Vertrauen, dass eine Behörde funktioniert. Die Anbieter kassieren. Gravyty, Gecko — Firmen, die ihren Sitz nicht in East Los Angeles haben und deren Quartalsberichte nicht in den Schlafsälen der Studierenden hängen. Wenn die Maschine die falsche Antwort gibt, geht der Studierende nicht zu Gravyty. Er geht zur Beraterin im zweiten Stock. Wenn überhaupt. Meistens geht er nach Hause und fragt Reddit.

Wer hat das genehmigt? Bezirksschulräte. Aufsichtsgremien, deren Protokolle die Maschine vermutlich auch nicht kennt. Die Logik ist alt: Digitalisierung spart Personal. Wenn die Maschine tausend Gespräche im Monat führt, viele davon außerhalb der Bürozeiten, dann muss keine Person nachts ans Telefon. Stimmt. Nur muss die Person tagsüber die Fehler ausbügeln, die die Maschine nachts produziert hat.

Was bleibt? Eine Ausgabe von 3,8 Millionen Dollar über acht Jahre für ein Werkzeug, das seinen eigenen Präsidenten nicht kennt. Verträge, die laufen, während die Maschine veraltet. Bezirke, die versprechen, das System zu verbessern — im Frühjahr, vielleicht, wenn nichts dazwischenkommt.

Unklar bleibt, wie viele Studierende die falschen Antworten bekommen haben und nie davon berichtet wurde. Unklar bleibt, ob die Verträge Leistungsklauseln enthalten — oder ob einfach gezahlt wird, solange die Maschine überhaupt antwortet. Und unklar bleibt, wer bei Gravyty und Gecko eigentlich entscheidet, was die Maschine weiß und was nicht.

Die Drähte summen. Aber diesmal sind es keine Morsezeichen. Es ist das Geräusch einer Maschine, die so tut, als wüsste sie Bescheid.

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