Abschied mit Auflage: Wenn der Kranke die Kamera nicht loslässt
Bill Ritter, 76, hat sich am Freitagabend vor seinem Publikum verabschiedet. Nicht so, wie Nachrichtensprecher sich verabschieden, wenn sie in Pension gehen oder zu einem anderen Sender wechseln. Ritter hat seinen Abschied an die Diagnose geknüpft: Frühstadium Alzheimer. „Es gibt keine Garantie", sagte er, „weil es noch keine Heilung gibt." Es werde, „es sei denn, jemand findet eine wunderbare Heilung, und bald", seine letzte Nachrichtensendung sein.
Die Worte waren aufrichtig. Wer dreißig Jahre lang Wissenschaftsjournalismus betrieben hat, lernt eines: Sobald die medizinische Bühne betreten wird, lohnt der Blick hinter den Vorhang. Was sagt ein Sender, was sagt er nicht, was sagt er beiläufig?
Ritters Vater starb an Alzheimer. Fast beiläufig erwähnt, in jedem Bericht. Es ist das Erbe, das die Forschung seit Jahrzehnten kennt – und das die Industrie seit Jahrzehnten als Argument benutzt, um Forschungsgelder, Aufmerksamkeit und moralische Lizenzen zu sichern. Frühstadium. Behandlungen, die es „in Schach halten". Für jetzt. Worte, die so gewählt sind, dass sie Hoffnung transportieren, ohne sie juristisch zu versprechen. Wer heilt, kann irren. Wer behandelt, kann ewig behandeln.
Was diese Behandlungen sind, sagte Ritter nicht. Sein Sender sagt es auch nicht. Sie „halten es in Schach", mehr nicht. Das reicht, um das Publikum zu beruhigen. Das reicht nicht, um zu verstehen, wer an dieser Formulierung mitverdient.
Ritters Schlussworte waren: „Ich wünsche Ihnen Gesundheit und Frieden, und lasst uns aufeinander achtgeben." Eine rührende Wendung. Auch eine, die strukturell entlastet. Individuelle Wachsamkeit ersetzt kollektive Verantwortung. Passt.
WABCs Geschäftsführerin Marilu Galvez sprach von „exceptional insight, integrity, and, most of all – heart". Eine Formulierung, die in jeder Pressemitteilung jedes Senders stehen könnte. Die Substanz liegt anderswo.
Der Sender kündigte an, künftig „tiefer zu graben" zu Alzheimer und ähnlichen Erkrankungen, inklusive der Kosten für Behandlung und Pflege, die „schlicht unbezahlbar" seien. Ritter wird Teil dieses Programms bleiben. Als Berichterstatter über jene Krankheit, die er selbst trägt. Drei Kinder hat er. Ein Enkel ist unterwegs. Er wird Zeit mit ihnen verbringen wollen.
Das Modell ist bemerkenswert. Es ist redaktionell heikel – der Reporter ist das Thema. Es ist journalistisch heikel – der Sender berichtet über eine Krankheit, die sein bekanntestes Gesicht betrifft. Es ist ökonomisch brillant. Das Leid eines vertrauten Gesichts erhöht die Zuschauerbindung, verteuert die Werbezeiten, macht den Sender zur ersten Adresse, wenn über Pflegekosten, Forschungsbudgets oder neue Therapien berichtet wird.
Es ist auch menschlich verständlich. Ein Mann, der seinen Vater an dieser Krankheit verlor, will weiterarbeiten, weiterreden, weiterkämpfen. Das ist kein Vorwurf an Ritter. Es ist eine Frage an die Struktur, die ihn hält – und an die Millionen, die ohne Bühne, ohne Vertrag, ohne Kamera mit derselben Diagnose leben.
Was wurde nicht gemessen? Wer zählt die Pflegenden, die selbst erkranken, während sie pflegen? Wer zählt die Familien, die ihr Vermögen aufbrauchen, weil die Pflege unbezahlbar ist und die Pflegegrade nicht reichen? Wer misst die Zahl jener, die nach der Diagnose ihren Arbeitsplatz verlieren, ohne je eine Pressekonferenz gehalten zu haben? Galvez erwähnte die Unbezahlbarkeit. Sie erwähnte nicht, wer daran verdient.
Dreißig Jahre habe ich Forschungen begleitet, die als Revolution verkauft wurden. Einige hielten. Viele hielten nicht. Die Versprechen wurden leiser, die Preise lauter. Wer sich an jeden „Durchbruch" der letzten Dekaden erinnert, weiß: Die nächste Schlagzeile ist meist die Gegenschlagzeile.
Ritter sagte: „Wunderbare Heilung. Bald." Zwei Worte, die zwischen Hoffnung und Geschäft pendeln.
Meine Pfeife ist aus. Die Labore mögen das nicht. Die Fragen, die sie nicht beantworten, mag ich noch weniger.
Wer bezahlt die künftige Berichterstattung über Alzheimer auf WABC – und wer bezahlt jene Geschichten, die nicht erzählt werden?