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Zwei Wochen Schweigen, ein Besuch, die offene Frage

2. Juli 2026 — — — Kastner

Sie war dreizehn Tage lang nicht zu sehen. Dreizehn Tage, in denen die Bühne leer blieb, auf der Elvira Nabiullina sonst steht wie eine Frau, die weiß, dass Geld ein politisches Instrument ist — und dass man es trotzdem so behandeln muss, als wäre es keines.

Am 15. Juni dann eine Meldung der Bank of Russia: Die Vorsitzende werde am 19. Juni vor die Presse treten, nach einer Sitzung des Direktoriums zur Geldpolitik. Vier Tage Vorlauf für eine Pressekonferenz, die normalerweise mit einem Tag angekündigt wird. Dreizehn Tage Abwesenheit, offiziell erklärt als Krankheit. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagt, das sei kein Stoff für Verschwörungstheorien, Menschen würden eben krank, nichts Ungewöhnliches.

Aber ungewöhnlich ist vieles an dieser Pause. Nabiullina verpasste das St. Petersburger Internationale Wirtschaftsforum am 4. Juni. Sie verpasste die Konferenz des Nationalen Verbands der Wertpapiermarktteilnehmer am 9. Juni. Sie verpasste am 10. Juni ein Treffen mit Wladimir Putin, bei dem — so heißt es — Inflation und Leitzins erörtert wurden. Wer also sprach mit dem Präsidenten über Inflation und Leitzins, wenn die Chefin der Zentralbank im Krankenstand lag? Welcher Stellvertreter setzte sich an diesen Tisch, und was wurde dort tatsächlich verhandelt? Der Kreml schweigt dazu mit der Eleganz eines Mannes, der genau weiß, dass Schweigen auch eine Antwort ist.

Nun gut. Eine Frau ist krank. Nehmen wir das beim Wort. Nehmen wir auch beim Wort, dass ihre Amtszeit im Juni 2027 endet, dass dies ihr dritter — und nach dem Gesetz letzter — Turnus ist, und dass in einem System, in dem Gesetze biegsam sind wie Weidenzweige, gerade diese Rigidität auffällt. Wer bereitet sich vor, wer wird abgelöst, wer wartet schon im Vorzimmer?

In dieselben dreizehn Tage fällt eine andere Bewegung, über die das halboffizielle Fars News berichtet und die gerade deshalb aufschlussreich ist: Eine iranische Delegation unter Central-Bank-Gouverneur Abdolnaser Hemmati reist nach Moskau zu Gesprächen über „monetäre und Bankbeziehungen zwischen Iran und Russland". Man wolle den monetären Austausch erleichtern, die Kooperation beider Zentralbanken stärken, neue Mechanismen entwickeln, um die wirtschaftlichen Bande insgesamt zu erweitern. Iran, das Land unter westlichen Sanktionen, trifft Russland, das Land unter westlichen Sanktionen, und beide reden über Geld.

Das Timing ist kein Zufall. Es ist ein Telegraph ohne Draht.

Denn in Évian-les-Bains, am Rande des G7, sagt Donald Trump auf eine Frage nach den wirtschaftlichen Möglichkeiten für den Iran, diese seien „gut". Er sagt es mit dem Lächeln eines Mannes, der gerade dabei ist, eine Tür zu öffnen, ohne zu verraten, wie weit sie aufgehen wird. Er sagt, die Iraner müssten sich „erst beweisen". Er sagt, sie dürften keine Atomwaffe haben. Er nennt das JCPOA den dümmsten Deal, den er je gesehen habe, „außer vielleicht NAFTA", und erinnert an die B-2-Bomber, an „nuclear dust", an einen Berg, der auf das Material gestürzt sei, an Kameras, die beobachteten, was darunter liege, und an den Satz: „Psychologisch wollen wir es haben."

Der Emir von Katar, Tamim bin Hamad bin Khalifa Al Thani, sitzt neben ihm und spricht positiv über die wirtschaftliche Zukunft Irans. Katar ist, wer einmal in Genf an einem Verhandlungstisch saß, der Türsteher des Persischen Golfs. Wer durch Doha geht, geht durch ein wohlwollendes Nicken.

Was also wird gerade gebaut? Eine Architektur aus zwei Bewegungen, die sich im Stillen treffen. Auf der einen Seite: Moskau empfängt Teheran, um über Geld zu reden, während die Zentralbankchefin krankgeschrieben ist und die Frage offen bleibt, wer in dieser Zeit die russische Geldpolitik tatsächlich verhandelt hat — und mit wem. Auf der anderen Seite: Trump signalisiert in Évian, dass die Tür einen Spalt breit offen steht, wenn die Iraner sich „beweisen". Was das heißt, definiert er nicht. Er definiert es nie. Er lässt es schweben wie ein Messer über einer Tischdecke.

Die Mechanismen sind alt. Sanktionen schaffen Korridore. Korridore schaffen Bedarf an alternativem Geld. Alternatives Geld braucht Zentralbanken, die bereit sind, jenseits von SWIFT, jenseits des Dollars, jenseits der Bühne zu operieren. Wenn Hemmati in Moskau sitzt, dann sitzt er nicht zu Gesprächen über ein Bilateral. Dann sitzt er zu Gesprächen über eine Architektur — eine, in der Rubel und Rial Wege zueinander finden, in der Settlements nicht mehr über New York laufen, in der zwei Staaten, die der Westen aus seinem Zahlungsverkehr verdrängt hat, einander die Hände reichen, damit der eine etwas verkaufen und der andere etwas kaufen kann.

Was Nabiullinas Abwesenheit damit zu tun hat, bleibt die offene Frage. Möglich, dass sie gar nichts damit zu tun hat. Möglich, dass eine Frau, die zwölf Jahre lang einen Laden geführt hat, der zwischen Politik und Währung balanciert wie ein Seiltänzer ohne Netz, einfach erschöpft ist. Möglich auch, dass die russische Führung entschieden hat, dass Verhandlungen mit Teheran über die Architektur eines sanktionsresistenten Finanzsystems besser ohne die Frau stattfinden, die dieses System bisher mit einer gewissen Integrität geführt hat. Integrität ist, an dieser Stelle, ein Risiko.

Was bleibt: zwei Telegramme, die zur selben Stunde gesendet wurden. Eines aus Moskau, leise, in der Sprache der Zentralbanker, die wissen, dass Geld ein Geheimnis ist, solange es eines bleiben muss. Eines aus Évian, laut, in der Sprache eines Mannes, der Kameras auf einen Berg richtet und dann sagt, psychologisch wolle man es haben. Beide Telegramme handeln vom Iran. Beide handeln vom Geld. Und beide handeln, genau besehen, von der Frage, wer das Sagen hat, wenn die alten Schaltstellen ausgehebelt werden.

Ich trage Handschuhe beim Schreiben. Man weiß nie, was an den Tischen klebt.

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