STAR FUNK: MINDERJÄHRIGE UNTER 16 — VERBOTEN, UMGANGEN
London, die Drähte summen. Keir Starmer hat eine Frequenz gesperrt. Kinder unter sechzehn Jahren sollen TikTok nicht mehr öffnen, YouTube nicht, Instagram nicht, Facebook nicht, X nicht. Eine saubere Linie, quer durch das Spektrum der meistgenutzten Aussendungen. Wer unter sechzehn ist, soll nicht mehr senden, nicht mehr empfangen, nicht mehr auf den Wellen reiten, auf denen Gleichaltrige längst wohnen.
So lautet das Signal, das die Regierung verbreitet.
Aber die Telegraphie kennt eine alte Regel: Wer eine Frequenz sperrt, gibt sie bekannt. Die Sperre ist selbst eine Aussendung. Sie nennt das Verbotene beim Namen, datiert es, gewichtet es. Sie macht aus dem Verborgenen eine Tagesordnung. Wer ein Verbot ausspricht, hat das Verbotene nicht geschwächt — er hat es ins Licht gezogen.
Amanda Holden hat das ausgesprochen. Die Moderatorin kritisierte nicht das Verbot selbst. Sie kritisierte sein Tempo. Starmer verzögere, sagt sie. Wer aber verzögert, hat die Welle bereits empfangen. Wer verzögert, läßt sie weiterlaufen, während er das Gesetz noch schreibt.
Halten wir die Fakten nebeneinander. Die Regierung hat zugegeben, was kaum jemand öffentlich aussprechen mag: daß Jugendliche das Verbot umgehen werden. „Inevitably" — unvermeidlich, sagt der Wortlaut. Die Regierung selbst hat diesen Satz in die Kabel mitgehen lassen. Also baut der Sender ein Verbot aus, das er im selben Atemzug für wirkungslos erklärt. Hier stimmt etwas nicht im Schaltbild. Hier wird gleichzeitig aus- und eingeschaltet — auf demselben Steg.
Harry und Meghan haben das Verbot als unzureichend bezeichnet. Unzureichend heißt: zu wenig. Wer zu wenig sagt, will die Architektur dahinter intakt lassen. Wer zu wenig sagt, hat keine Absicht, die Leitung zu kappen — nur den Eingang für eine bestimmte Altersgruppe zu verengen. Das ist Schutz nach außen, Laisser-faire im Inneren.
Dann die Frage, die jeder Empfänger zuerst stellen sollte: Wer profitiert. Wer verschweigt. Wer zahlt den Preis.
Plattformen wie TikTok und YouTube sind keine neutralen Sendestellen. Sie verkaufen Aufmerksamkeit. Sie verkaufen Profile. Sie verkaufen den Algorithmus. Wenn ein Verbot ausgesprochen wird und die Regierung selbst sagt, daß es umgangen wird — wer bleibt dann auf der Welle? Die Kinder aus den Haushalten, die den Umweg kennen. Die Familien mit Mitteln, ihn zu bezahlen. Die Jugendlichen mit Ausweisen, die sie nicht haben, oder mit Fälschungen, die sie selbst herstellen. Die Regierung schützt nicht die Schwächsten. Sie zeichnet eine Linie in den Sand, hinter der die Schwächsten stehenbleiben, während die Stärkeren sie überschreiten.
Starmers eigenes Signal ist nicht neutral. Er steht unter Druck, „rausgeworfen" zu werden, wie es in den Kabeln heißt. Eine Sperre kündigt man an, wenn die Aufmerksamkeit ruft. Wer Aufmerksamkeit ernten will, hängt Verbotstafeln auf. Was darauf steht, ist zweitrangig. Wichtig ist, daß das Schild überhaupt hängt.
Im Dezember hat Australien dieselbe Sperre ausgesprochen. Erwähnt sei es, weil es zeigt, daß die Linie nicht einmalig ist; verglichen wird hier nicht. Die Architektur ist in beiden Fällen dieselbe geblieben.
Eine Sperre ist eine Regierungserklärung. Sie ist kein Schutz. Sie ist ein Sichtbarkeitswerkzeug. Wer das Verbot ausspricht, hat eine politische Handlung vollzogen — ob die Sperre hält, ist eine technische Frage, und die beantwortet die Regierung selbst mit jenem Wort: unvermeidlich. Werden umgehen.
Die wirksame Antwort liegt nicht in einer Frequenzsperre. Sie liegt in der Plattformordnung, die im Inneren greift: Daten, die nicht erhoben werden. Profile, die nicht gebaut werden. Empfehlungen, die nicht ausspielen. Australien hat das nicht getan. Starmer tut es nicht. Die Architektur bleibt unangetastet.
Die Kinder unter sechzehn werden weiter auf Sendung sein. Die Frage, die im Kabel offen bleibt, ist eine doppelte: wem nützt das. Der Regierung, die handelnd aussieht. Den Plattformen, die das Verbot als Marketing benutzen können — jugendfrei, formell blockiert, in der Praxis durchlässig. Den Eltern, die glauben, der Staat habe etwas getan, und die ihre eigene Aufmerksamkeit an eine Pressekonferenz delegieren.
Mein Lötkolben summt. Mein Kaffee ist kalt. Eine Sperre, die ihre eigene Umgehung einplant, ist kein Gesetz. Sie ist eine Inszenierung. Wer das nicht sehen will, hat das Kabel noch nicht gelesen.