← Zurück zur Titelseite Technologie

Manila zählt nach — Übungen, Beben, korrigierte Zahlen

2. Juli 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Die Drähte summen. Manila zuerst, dann Palu. Die Apparate überschlagen sich mit Zahlen, die sich nicht entscheiden wollen — 46 Tote, später 65, Verschwundene mal 38, mal 36. Das philippinische Amt für Zivilschutz verkündet, die Zahlen seien "nach mehrfacher Überprüfung deutlich gesenkt" worden. Wenige Tage später hebt die nationale Katastrophenbehörde die Bilanz auf 65 Tote. Wer zählt hier eigentlich? Und für wen?

Ein Beben der Stärke 7,8 reißt am achten Juni die See vor der Provinz Sarangani auf — eines der stärksten im Archipel seit einem halben Jahrhundert. 688 Verletzte, mehr als 45.000 Vertriebene, etwa die Hälfte davon noch in Notunterkünften, über 12.600 Häuser beschädigt. Es schlägt 7:37 Uhr morgens — Minuten, bevor Klassen und Arbeit in den Gebäuden beginnen. Das ist nicht Glück. Das ist Mechanik.

Auf dem Schulhof der Mahayahay-Grundschule in der Küstengemeinde Malita, Provinz Davao Occidental, sitzen Grundschulkinder. Die Erde schwankt sichtbar. Ein Blechdach stürzt mit lautem Knall zu Boden. Die Kinder bleiben. Die Lehrer ordnen an. Niemand rennt in die Trümmer. Keine Verletzten. Das Video geht viral, Millionen Aufrufe auf Facebook. Es sieht aus wie Magie. Es ist Wiederholung. Jahr für Jahr, Beben für Beben.

Die Schule selbst schreibt in einer Erklärung: "Dieser Vorfall erinnert an die Bedeutung von Erdbebenbereitschaft und den Wert regelmäßiger Katastrophenübungen." Ein Satz wie ein Siegel auf einer Akte. Teresito Bacolcol, Direktor des philippinischen Instituts für Vulkanologie und Seismologie, sagt es offener: "Es ist gut, dass unsere Bemühungen, die Menschen aufzuklären, sich irgendwie ausgezahlt haben." Hinter dem Wort "Bemühungen" stehen Programme, Budgets, Beamte, Lehrpläne. Wer bezahlt das? Wer kontrolliert es? Wessen Pfründe sichert es?

Präsident Ferdinand Marcos Jr. besucht am zehnten Juni eine beschädigte Schule in General Santos. Händeschütteln, Fototermin, das Übliche. Im Hintergrund: eine Gesellschaft, die gelernt hat, sich zu ducken, ohne sich zu beugen.

Das Gestein hat ein Gedächtnis. Im Oktober hatten zwei Beben der Stärken 7,4 und 6,7 den Osten Mindanaos erschüttert, mindestens acht Tote. Im selben Bogen, in derselben Verwerfung. Bacolcol äußert sich besorgt über die Kollapse — der Satz bricht in den Depeschen ab, die ich höre. Unklar bleibt, welche Sorge er meint. Die Gebäude? Die Übung? Die Statistik?

Am fünfzehnten Juni bebt es erneut vor Mindanao. Stärke 6,2, 112 Kilometer tief, keine Tsunami-Warnung. Kaiser Cadiz vom Katastrophenamt der Provinz Davao Oriental beobachtet die Küste auf zurückweichendes Wasser — ein altes Warnsignal. Es weicht nicht zurück.

Einen Tag später, am sechzehnten Juni, wandert das Signal nach Indonesien. Stärke 6,7, 46 Kilometer ostsüdöstlich von Palu, Hauptstadt von Zentralsulawesi, 400.000 Einwohner. Zehn Kilometer tief — flach, gefährlich. Das Beben dauert über eine Minute. Krankenhäuser evakuieren Patienten nach draußen, manche mit Tropf im Arm. Nachbeben von 5,2, 5,0 und 4,9 folgen. Verstreute Schäden.

Im Januar 2021 hatte ein Beben der Stärke 6,2 nahe Mamuju auf Sulawesi mindestens hundert Menschen getötet, Tausende tagelang im Freien schlafen lassen. Dieselbe Insel. Dasselbe Grollen.

Die Philippinen liegen am pazifischen Ring of Fire — einem Bogen seismischer Aktivität, der sich über Südostasien und den Pazifischen Ozean zieht. Hier bebt die Erde fast täglich. Nicht als Ereignis. Als Alltag. Und der Alltag wird zur Übung.

Unklar bleibt, wer im Archipel bestimmt, wann ein Beben "abgeschlossen" ist. Unklar bleibt, welche Infrastruktur jenseits der Schulhöfe trainiert wird. Die 12.600 beschädigten Häuser waren nicht alle Klassenzimmer. Wer übt für die Nachtschicht in den Fischereihäfen? Wer für die Märkte, die Fabriken, die Ambulanzen? Der Beobachter hört das Lob der Übung. Er hört nicht, wer sie bezahlt.

Was bleibt: eine Übung, die wirkt. Eine Behörde, die erst senkt und dann hebt. Ein Schulhof, der nicht nachgibt. Ein Präsident, der Hände schüttelt. Ein Archipel, das weiter bebt, weiter zählt, weiter übt.

Die Drähte summen. Ich übersetze.

✦ Ende des Artikels ✦
← Zurück zur Titelseite