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DIE NAMEN AUF DEN KARTEN, DAS WASSER IN DEN EIMERN

2. Juli 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Zwei Meldungen auf den Drähten. Die eine handelt von Worten. Die andere von Wasser. Beide reden über dasselbe Land.

Alabama. Chicago. Michigan. Wyoming. Yosemite. Fünf Silben, fünf Völker, die vor den Kolonisten hier lebten. Alibamu, ein Wort aus dem Choctaw für jene, die das Land bestellten. Yohhe'meti, wie die Miwok sagen, wenn sie den Granitfels meinen, den wir heute als Nationalpark führen.

Die Vereinigten Staaten feiern zweihundertfünfzig Jahre Unabhängigkeitserklärung. Eine runde Zahl, gemütlich zum Feiern. Während sie feiern, spricht Dr. Crystal Cavalier-Keck vom Occaneechi-Stamm der Saponi-Nation darüber, daß der Haw River nach den Sissipahaw benannt ist, daß Hyco Creek in ihrer Sprache Truthahn bedeutet. Die Namen stehen auf den Karten. Die Leute stehen vor verschlossenen Türen.

Volkszählung 2020: 3,7 Millionen Menschen identifizieren sich als American Indian oder Alaska Native. Mit Mischlingen wird die Zahl 9,7 Millionen. Knapp drei Prozent der Bevölkerung dieses Landes. Und der Stamm von Frau Cavalier-Keck kämpft seit Jahrhunderten um die föderale Anerkennung, die der Staat North Carolina längst ausgesprochen hat.

Das ist das Muster. Anerkennung auf dem Papier. Anerkennung im Museum. Anerkennung auf der Landkarte. Anerkennung in der Wasserversorgung? Da wird es still auf den Drähten. Still heißt hier: vier Bundesstaaten halten den Daumen auf dem Ventil.

Die Oberlaufstaaten — Colorado, New Mexico, Utah, Wyoming — haben im März einen Brief an den Senatsausschuß für Indianische Angelegenheiten geschrieben. Signiert von Unterhändlern aus Utah und Wyoming, mit Kopien aus New Mexico und Colorado. Wir haben ernsthafte ungelöste Bedenken, heißt es darin, gegen die Gesetzgebung, die unsere Rechte und Interessen am Colorado-River-Wasser berühren könnte.

Der Colorado. Lebensader für vierzig Millionen Menschen. Seit hundertachtzehn Jahren hat der Oberste Gerichtshof festgestellt, daß die föderale Regierung den Stämmen Wasser schuldet. Hundertachtzehn Jahre. Drei Generationen. Länger als manche Dynastie.

Der Deal, der auf dem Tisch liegt, wäre die größte Wasserrechtsregelung in der Geschichte der Vereinigten Staaten zugunsten indianischer Stämme — Navajo, Hopi, San Juan Southern Paiute. Verhandelt über Jahrzehnte. Nun blockiert. Von vier Staaten, die ihr eigenes Wasser nicht teilen wollen, weil der Vertrag den Stämmen erlaubt, Wasser außerhalb ihrer Reservationen zu verpachten.

Wer profitiert? Wer zahlt?

Marilyn Tewa zahlt. Dreiundachtzig Jahre alt, Mitglied im Stammesrat der Hopi. Ihr Dorf Mishongnovi im nördlichen Arizona hat keine Inneninstallation. Kein Wasserhahn in der Küche, wo ihre Tochter den Teig fürs Abendessen knetet. Gerahmt hängt eine amerikanische Flagge an der Wand. Daneben ein Bild eines Katsina, einer Figur mit spiritueller Bedeutung im Glauben der Hopi. Daneben tragbare Toiletten zwischen den Häusern.

Alle zwei Tage lädt Frau Tewa Fünf-Gallonen-Eimer in ihren Pickup. Fährt fünf Meilen zu einem Windrad, das ursprünglich für Vieh gebaut wurde. Zieht unbehandeltes Wasser aus dem Boden. Das hält sie am Leben, sagt sie und tippt auf den Hahn.

Während die Kongressabgeordneten Briefe schreiben. Während das Smithsonian 2004 das National Museum of the American Indian auf der National Mall eröffnet und Lumbee-Tänzer auf dem Rasen ihre Tänze zeigen — geht im nördlichen Arizona eine alte Frau jeden zweiten Tag zum Brunnen.

Es war ein großer Tag damals. Ein Tag der Anerkennung. Anerkennung wovon? Daß es sie gibt. Daß die Namen echt sind. Daß die Lieder echt sind. Daß die Alibamu das Land bestellt haben, lange bevor Washington eine Adresse war.

Aber Wasser ist ein anderes Register. Wasser ist Infrastruktur. Wasser ist Lobbyarbeit. Wasser ist, welche Bundesstaaten ihre Rechte vor die Rechte von Stämmen setzen dürfen.

Ich frage mich, wer in jenen Brief an den Senat diktiert hat. Welcher Anwalt aus den Hauptstädten der Oberlaufstaaten die Worte aufgesetzt hat, die nun zwischen Marilyn Tewa und ihrem Wasserhahn stehen. Welcher Lobbyist in Washington die Strippen zieht, damit der Kongreß unter beiden Parteien sich weigert, den Deal zu kodifizieren, bevor alle Seiten sich einigen. Unklar bleibt, welche konkreten wirtschaftlichen Interessen jenseits des Verpachtungsrechts noch im Spiel sind.

Vierzig Millionen Menschen hängen am Colorado. Drei Stämme kämpfen um Wasser, das ihnen seit über einem Jahrhundert zusteht. Eine alte Frau fährt mit Eimern zum Brunnen. Vier Bundesstaaten schreiben Bedenken.

Die Drähte summen. Ich übersetze.

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