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F-35 nach Riad: Eine Billion Dollar und kein Garantieschein

3. Juli 2026 — — — Hagen, Oberstleutnant a.D.

1937. Jemand bestellt Stahl. Das bedeutet immer dasselbe.

Heute, 2025. Jemand bestellt die F-35. Waffen für Saudi-Arabien — womöglich der größte US-Rüstungsvertrag, der je auf dem Tisch lag. Und wieder bedeutet es dasselbe.

Hören Sie zu. Rechnen Sie mit.

Die Zahlen, die hier liegen, sind keine Zahlen. Sie sind Gewichte. Eine Billion US-Dollar hat Riad als Investitionsversprechen in die USA gelegt. Zwölf Nullen. Eine Zahl, die so groß ist, dass sie aufhört, real zu sein. Und sie ist es wahrscheinlich auch nicht. Experten bezweifeln die Realisierung. Zu Recht. Wer eine Billion zusagt, hat entweder Ölquellen, die ewig sprudeln, oder einen Kassenwart, der noch nie eine Bilanz gelesen hat. Beides hat Riad nicht in ausreichendem Maß.

Aber lassen wir die Billion beiseite. Kommen wir zum Flugzeug.

Das Joint Strike Fighter-Programm ist das teuerste Rüstungsprojekt der Geschichte. Die USA haben Partnerländer über Jahrzehnte daran gebunden — Israel, Großbritannien, Italien, Japan, Südkorea. Diese Partner haben technologische Vorteile eingefordert, um ihre Verpflichtungen aufrechtzuerhalten. Mitverhandelt, mitbezahlt, mitgebaut. Und jetzt soll Saudi-Arabien einsteigen. Einfach so. Ein Major Non-NATO Ally, klar. Ein wichtiger Partner in der Region, klar. Aber ein Land, dessen Beziehung zu Washington seit Jahrzehnten ein Schachspiel ist, dessen Regeln niemand vollständig kennt.

Und hier wird es eng. Richtig eng.

Die Integration von israelischen elektronischen Kriegsführungssystemen und Waffen in die F-35 — das ist kein Feature. Das ist ein strategischer Fakt. Israel hat eigene Systeme in die Plattform eingebaut. Systeme, die Amerika nicht ohne Weiteres weitergibt. Systeme, die über Sieg und Niederlage im Nahen Osten mitentscheiden. Und jetzt sollen diese Flugzeuge an einen Nachbarn geliefert werden, der dieselbe Luftkarte liest.

Halten Sie hier einen Moment inne. Was passiert, wenn eine F-35 mit israelischer Elektronik in Riad landet? Man wartet. Man vermisst. Man lernt. Und dann teilt man — mit wem, das weiß man in Tel Aviv. Das weiß man in Washington. Und trotzdem wird verhandelt. Das ist die Frage, die hinter den Memos steht: Wer schützt hier wen?

Die Korruptionsrisiken sind enorm. Komplexität und Umfang des Deals verstärken sie. Das ist die Standardformulierung aus jedem Compliance-Bericht. Sie bedeutet: Hier verschwindet Geld. Hier verschwinden Technologien. Hier verschwinden Verträge, die niemand gelesen hat. Die Liste der Mittelsmänner, der Briefkastenfirmen in Delaware und auf den Cayman Islands, der Berater, die zwischen Riad und Washington pendeln — sie ist lang. Und mit diesem Deal wird sie länger.

Spionage. Sagen wir es offen. Wer die F-35 bekommt, bekommt mehr als ein Flugzeug. Er bekommt die Baupläne der nächsten Generation — nicht auf Papier, aber als Wissen, als Training, als Zugang zu Lieferketten. Unklar bleibt, welche Komponenten Saudi-Arabien tatsächlich erhält. Unklar bleibt, welche Schutzmaßnahmen für die sensiblen Technologien greifen. Unklar bleibt, wer die Qualitative Militärische Überlegenheit Israels garantiert, wenn ein arabischer Nachbar dieselbe Plattform fliegt. Das sind die offenen Fragen. Sie stehen nicht in den Pressemitteilungen.

Was steht in den Pressemitteilungen? Dass die Genehmigung die strategischen Beziehungen stärkt. Dass die US-Wirtschaft durch zusätzliche Exporte profitiert. Dass europäische Kampfflugzeughersteller — Rafale, Typhoon, Gripen — das Nachsehen haben werden. Das stimmt. Aber zu welchem Preis?

Eine F-35 kostet achtzig Millionen Dollar. Eine Flotte von Hundert: acht Milliarden. Die Wartung: nochmal so viel. Die politischen Kosten lassen sich nicht beziffern. Oder doch. Wenn Riad die F-35 bekommt, verändert sich die Luftbalance in der Region. Wenn Israel reagiert — und es wird reagieren — bekommen wir eine Spirale. Wenn der Iran reagiert — und er wird reagieren — bekommen wir noch eine.

Was ich nicht sagen kann: Welche Seite in Washington diesen Deal vorangetrieben hat. Welche Beraterfirma den Vertragsentwurf geschrieben hat. Welche Senatoren in der Loge sitzen, wenn der nächste Meilenstein verkündet wird. Das sind die offenen Fragen. Die Antworten liegen in Akten, die ich nicht öffnen kann.

Was ich sagen kann: Stahl wird bestellt. Flugzeuge werden gebaut. Verträge werden unterschrieben. Und irgendwo zwischen Washington und Riad fließt Geld, von dem niemand weiß, wohin es geht.

Das ist der Deal, wie er auf dem Tisch liegt. Zählen Sie die Nullen. Stellen Sie die richtigen Fragen. Und vergessen Sie nie: Wer Waffen baut, wer sie kauft, wer damit stirbt — das sind nie dieselben Leute.

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