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DIE FELDER HÖREN NICHT MEHR – UND BRÜSSEL TUT DOCH WAS

3. Juli 2026 — — — Ida Feuerbach

Brüssel schreibt den Acker um. Das Europäische Parlament hat abgestimmt, und was dort auf dem Tisch lag, war mehr als ein Papier: Es war ein Versprechen an den Boden. Eine Agrarwende, die den Pestizidverzicht zum Maßstab nimmt und die ökologische Landwirtschaft nicht länger als Nischenprogramm führt, sondern als Richtschnur. Wer die Reihen in den Brüsseler Sälen kennt, weiß: Solche Worte fallen dort selten. Wer sie ausspricht, muss wissen, was auf dem Spiel steht.

Die Grünen im Europäischen Parlament haben sich für ein umfassendes Verbot von Neonikotinoiden eingesetzt, weil die Zahlen keinen Aufschub dulden. Die Insektenpopulationen sind dramatisch zurückgegangen. Das ist keine Stimmungsmache, das ist gemessen. Wer einmal im Sommer über eine Wiese gegangen ist und das Brummen vermisst, das sein Großvater noch kannte, der braucht keine Grafik. Aber die Grafiken lügen nicht, und die Felder lügen auch nicht. Die Bienen tragen den Preis. Eine umfassende Strategie zur Verbesserung der Bienengesundheit und zur Förderung einer nachhaltigeren Landwirtschaft wurde deshalb gefordert, und die Forderung wurde mehrheitlich angenommen.

Die EU-Abgeordneten fordern eine drastische Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln und ein Verbot jener Stoffe, die das Nervensystem der Insekten zerstören. Neonikotinoide stehen seit Jahren auf der Anklagebank. Sie wirken, keine Frage. Sie töten, keine Frage. Sie töten mehr als die Schädlinge, gegen die sie gerichtet sind. Die Frage, die Brüssel jetzt beantwortet, ist eine alte, bäuerliche: Wie viel Gift verträgt ein Boden, der uns ernähren soll?

Gleichzeitig wird gefordert, dass die Notfallzulassungen für diese Insektizide beendet werden. Hier sitzt der Haken, und hier beginnt die Ermittlung. Notfallzulassungen für diese Wirkstoffe sind in einigen EU-Ländern weiterhin möglich, was die Komplexität der landwirtschaftlichen Praktiken unterstreicht – so liest man es in den Erklärungen. Wer genauer hinsieht, sieht etwas anderes: Schlupflöcher. Sie haben eine Adresse. Sie haben ein Verfahren. Sie haben ein Unternehmen, das sie nutzt.

Die Bayer AG befindet sich in einem Rechtsstreit mit der EU-Kommission. Es geht um die Zukunft der Neonikotinoide, und es geht um Geld, um sehr viel Geld. Bayer hat Berufung eingelegt. Der Europäische Gerichtshof hat das Verbot bestätigt, trotz dieser Berufung. Das Urteil steht. Es steht für den Umweltschutz, ja, aber es steht auch für etwas, das in den Pressemitteilungen selten so deutlich gesagt wird: dass Konzerne vor Gericht verlieren können, auch wenn sie gewinnen wollen.

Und genau hier liegt das Bild, das Ida Feuerbach aus ihren Mappen zieht. Wer profitiert? Nicht die Biene. Nicht der Boden. Nicht der Bauer, der seine Aussaat mit der Hand in die Erde drückt. Profitiert, wer die Notfallzulassung weiterhin als Hintertür nutzt, solange sie offen steht. Wer verschweigt? Die nationalen Agrarministerien, die sich hinter dem Wort Komplexität verstecken, wenn sie den heimischen Industriestandort schützen. Welche Struktur trägt es? Eine, in der ein Konzern klagen kann und die Notfallgenehmigung trotzdem weiterläuft, Land um Land, Jahr um Jahr.

Die Abstimmung im EU-Parlament ist ein Schritt. Sie ist kein Pflug, der das Feld umbricht. Sie ist eine Linie, gezogen auf einer Karte, die noch immer viele Türen enthält. Aber die Linie ist ehrlich, und das ist seltener geworden.

Was bleibt, ist der Boden. Er wartet nicht auf Brüssel.

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