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Hähne zu, Hähne auf: Die Rechnung zahlt die Zapfsäule

3. Juli 2026 — — — Hollis

Brüssel hat den Hebel gezogen. Wieder einmal. Die EU weitet ihre Sanktionen gegen Russland aus. Neue Verbote, neue Ausnahmen, neue Listen mit Namen von Personen und Organisationen, denen jetzt Geschäfte verboten werden. Der Bankensektor wird weiter abgeschnürt. Die Nord Stream bleibt tot. Klingt nach Entschlossenheit. Riecht nach Bürokratie.

Ich hab das schon gesehen. Nicht in Brüssel. In Texas. Da kommen die Konzerne, pumpen, und wenn das Loch trocken ist, ziehen sie weiter. Zurück bleiben die Männer mit dem schwarzen Zeug unter den Fingernägeln.

Die EU hat sich über die Jahre verändert. Mal größer, mal kleiner, immer in Bewegung, immer reagierend auf das, was die Geopolitik ihr vorsetzt. Das aktuelle Paket ist wieder eine Anpassung. Neue Verbote für Technologie, neue Ausnahmen für Dinge, die man nicht ganz verbieten kann, ohne sich selbst zu schaden. Erweiterte Maßnahmen gegen russische Banken. Individuelle Sanktionen gegen Namen, die in den Zeitungen stehen, und gegen Namen, die nie in den Zeitungen standen.

Soweit die sichtbare Seite. Die schöne Seite. Die Pressekonferenz-Seite.

Jetzt die andere Seite.

Denn während Brüssel den einen Hahn zudreht, passiert woanders etwas. OPEC+ hat eine Erhöhung der Fördermenge beschlossen. Ein paar hunderttausend Barrel mehr pro Tag, heißt es. Symbolisch, sagen die Insider. Symbolisch! Als ob Öl ein Symbol wäre. Als ob an meiner Zapfsäule eine Flagge statt Benzin fließt. Ich trink Bier, nicht Bourbon — aus Prinzip. Aber selbst ich merke, wenn der Preis wieder klettert.

Die Erhöhung soll die Preise stabilisieren. Aber stabilisieren wovon? Vom Iran-Krieg. Von der Blockade der Straße von Hormus. Das ist kein kleines Problem. Das ist eine Ader des Planeten, die gerade zugedreht wird. Wenn die Straße von Hormus zu ist, nützt mir keine OPEC+-Erhöhung, die nur auf dem Papier steht.

Und hier beginnt das Spiel, das Brüssel nicht sehen will.

Sanktionen senken das Volumen, das Russland verkaufen kann. Kriege im Persischen Golf senken das globale Angebot. Beides zusammen — und der Preis steigt. Nicht für Russland allein. Für alle. Für uns. Für die Tankstelle an der Ecke. Für die Spedition, die das Brot in den Supermarkt fährt. Für die Heizung im Mietshaus.

Das ist die Rechnung, die niemand ausspricht: Je härter die Sanktionen, je lauter die Kriege, desto teurer wird das Öl. Und wer sitzt zwischen Produzent und Verbraucher? Die Trader. Die Konzerne. Die Banken, die gestern noch als Bösewichte galten und heute die Preissicherung als Dienstleistung verkaufen.

Die Nord Stream ist tot. Ja. Aber tot heißt nicht weg. Das Gas, das dort floss, fehlt jetzt. Muss anderswo gekauft werden. Teurer. Auf dem Weltmarkt. Bei Händlern, die auch russisches Öl bewegen — nur mit Aufschlag. So fließt das Geld immer dorthin, wo die Schlauesten sitzen. Nicht dorthin, wo die Hähne zugedreht werden.

OPEC+ nennt ihren Schritt einen flexiblen Ansatz. Anpassung an Marktbedingungen. Schön formuliert. Aber die Produktionsanpassung ist kaum umsetzbar. Die geopolitische Lage, die Blockade — alles spricht dagegen. Die Erhöhung bleibt ein Lippenbekenntnis. Ein Versprechen, das die Konzerne in ihren Quartalsberichten schön rechnen können.

Was bleibt am Ende?

Die EU hat ihre Liste erweitert. Namen draufgesetzt. Verbote verschärft. Das ist Arbeit. Das ist die sichtbare Maschine.

Die unsichtbare Maschine ist die, die mich interessiert. Wer sitzt in den Boardrooms, die gerade Kasse machen? Welche Struktur trägt das? Welche Pipeline verläuft da, die nicht auf den Karten steht? Welche Reedereien fahren unter welcher Flagge, während die Häfen voll sind?

Unklar bleibt, wer in den Handelshäusern den Preis macht, während Brüssel seine Listen pflegt. Unklar bleibt, welche Versicherungen, welche Banken, welche Zwischenhändler den Fluss umlenken — legal, illegal, irgendwo dazwischen. Die Ermittlung läuft.

Was ich weiß: An meiner Zapfsäule hat heute jemand mehr bezahlt als gestern. Nicht weil das Öl knapper wurde. Sondern weil irgendwo ein Hebel gezogen wurde, und irgendwo ein anderer Hebel nicht.

Die EU will Russland treffen. Sie trifft die Pendlerin im Vorort, die mit dem Auto zur Arbeit fährt. Sie trifft den kleinen Spediteur, der seine Flotte nicht mehr voll tanken kann. Sie trifft die Frau im dritten Stock, die im Winter zwischen Heizung und Miete wählen muss.

Die Hähne werden auf- und zugedreht. 1937 war das nicht anders. Damals haben andere davon profitiert. Heute profitieren andere.

Nur die Namen sind neu.

✦ Ende des Artikels ✦
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