GESICHTER ZUM FRESSEN GERN — WIE CLEARVIEW AI UNSER SPIEGELBILD ZUR WAFFE MACHT
Es gibt Frequenzen, die hört niemand. Es gibt Frequenzen, die will niemand hören. Was ich auf den Drähten finde, wenn ich Clearview AI anrufe, ist Stille, gefolgt von einem kurzen, glatten Statement. Dann nichts. Das Schweigen selbst ist die Aussage.
Milliarden von Fotos. So sagt man. Eine Zahl, die so groß ist, dass sie aufhört, eine Zahl zu sein. Clearview AI hat sie gesammelt — durch Scraping-Software, also durch Programme, die das Netz abgrasen wie ein Bauer seine Stoppeln nach dem Frost. Jedes öffentlich zugängliche Profil, jede Galerie, jede Familienfeier-Schnappschuss-Sammlung: eingesogen, indiziert, in eine Datenbank gespeichert, die ein Gesicht in Sekundenbruchteilen einem Namen zuordnet. Was heißt das? Es heißt: Wer auch immer ein Foto von dir ins Netz stellt — Freund, Feind, Fremder mit Smartphone — gehört dir. Nicht dir gehört, sondern dir zugeordnet. Die Souveränität über dein eigenes Antlitz liegt bei einer Firma, deren Sitz kein europäischer Richter ist, deren Geschäftsmodell kein europäisches Parlament gebilligt hat.
Die niederländische Datenschutzbehörde hat klargemacht: Das ist Verstoß gegen die DSGVO. Österreich hat nachgezogen. Eine europaweite Offensive, die nicht von Aktivisten getragen wird, sondern von Aufsichtsbehörden mit Aktenkoffern und Aktenzeichen. Clearview AI wurde zur Kasse gebeten. Hohe Geldbußen. Rechtliche Schritte. Die übliche Sprache, mit der ein Kontinent einem Unternehmen sagt: Wir haben dich gesehen.
Der Clou — und hier beginnt die Arbeit des Ermittlers — liegt im Marktortprinzip. Die DSGVO gilt nicht nur für Firmen mit Briefkasten in Berlin oder Brüssel. Sie gilt für jeden, der auf dem europäischen Markt Waren oder Dienste anbietet. Clearview AI mag in Manhattan sitzen. Es bedient europäische Polizeibehörden, europäische Sicherheitsdienste, und es speichert Gesichter europäischer Bürger. Damit ist es Adressat. Damit ist es greifbar.
Nun fragt man sich: Wer profitiert? Die Antwort ist nicht schwer. Die Polizeibehörden, die Zugang kaufen. Die Investoren, die bewerten. Die Architekten, die eine Welt bauen, in der jeder öffentliche Raum eine Kontrollinstanz ist und jede Kamera ein Kreuzverhör. Was verschwiegen wird? Wer entscheidet, wann ein Abgleich stattfindet. Wer kontrolliert die Trefferquote. Wer kontrolliert die Fehltreffer — und was mit den Menschen geschieht, die auf einer Liste landen, weil ein Algorithmus sie für einen anderen hält.
Es kommt noch dichter. Meta, der große Bruder aller sozialen Netzwerke, wurde mit einer Rekordstrafe belegt. Weshalb? Weil Meta die Schrems