Aerosol, Antikörper, Akten: Eine Ermittlung in Wuhan
Ich notiere: zwei Theorien, eine Pfeife, die schmeckt wie die Luft in einer schlecht belüfteten Versuchskammer. Die Geschichte beginnt, wie die meisten Geschichten dieser Tage beginnen — mit einer Gegenüberstellung.
Auf der einen Seite steht die natürliche Übertragung. Ein Virus, das irgendwo in der Dunkelheit eines Marktes oder im Atem einer Fledermaus auf den Sprung wartete. Auf der anderen Seite steht das Laborleck, verstärkt durch jene Forschung, die amerikanische Fördergelder in die Kassen des Wuhaner Instituts für Virologie spülten. Beide Hypothesen werden seit Monaten so behandelt, als seien sie gleichwertige Geschwister. Ich sage: Sie sind es nicht. Die eine ist eine Vermutung über die Biologie der Natur. Die andere ist eine Vermutung über die Biologie der Wissenschaft — und darüber, wer sie bezahlt.
Das Institut in Wuhan nutzt fortschrittliche Aerosoltechnologie. Das klingt nach Hochglanzbroschüre, ist aber ein konkreter Apparat: feinste Tröpfchen, kontrollierte Luftströme, eine Anlage, in der sich die Wirksamkeit von Impfstoffen und Behandlungen prüfen lässt wie in kaum einem anderen Labor der Stadt. Solche Kammern sind kein Spielzeug. Sie sind das Skalpell der modernen Virologie — und das Skalpell schneidet, wie jedermann weiß, in beide Richtungen.
In einer solchen Anlage also wurde ein Antikörper entwickelt, der Hamster vor COVID-19-Symptomen schützte. Die Viruslast in den Lungen ging erheblich zurück. Das ist die Veröffentlichung. Das ist die Schlagzeile. Was sie nicht sagt: Welche Viren wurden in derselben Kammer gehandhabt? Welche genetischen Sequenzen lagen zwei Türen weiter in den Tiefkühlschränken? Welche Protokolle wurden ausgefüllt, welche nicht?
Die Varianten lesen sich wie das griechische Alphabet einer unvollendeten Tragödie. Alpha, Beta, Gamma, Delta, Omicron. Dass gerade Omicron und Delta als Varianten von besonderer Bedeutung gelten, ist keine epidemiologische Banalität. Wenn ein Virus derart wandelbar ist, dann ist entweder die Natur außerordentlich erfinderisch — oder die Ausgangsbasis war von Anfang an breiter, als die Papiere vermuten lassen. Ich notiere auch das.
Hier wird es politisch. Es gibt Hinweise, dass mehrere Bundesbehörden von Forschungsprojekten wussten, die darauf abzielten, ein Virus zu entwickeln, das dem SARS-CoV-2 ähnlich ist. Mehrere Bundesbehörden. Das ist keine Fußnote, das ist ein Chor. Welche Behörde? Welches Projekt? Welche Aufsicht? Die Akten, die Judicial Watch derzeit verfolgt, deuten auf ein Netzwerk aus Zuarbeit, Wissen und Wegsehen. Gain-of-Function-Forschung — jene Methodik, die Viren gefährlicher macht, um sie besser zu verstehen — steht im Zentrum dieser Ermittlung. Wer hat bezahlt? Wer hat geschwiegen? Wer hat das Versprechen, „verantwortungsvoll" zu forschen, in eine Quittung verwandelt?
Die WHO erklärte die Pandemie am 11. März 2020. Lockdowns, Impfkampagnen, das ganze Repertoire eines modernen Staates gegen eine moderne Seuche. All das geschah im Schatten einer Frage, die niemand beantworten wollte: Wo kommt das her?
Ich habe dreißig Jahre in Laboren verbracht. Ich habe gesehen, wie eine Entdeckung den Weg in die Schlagzeile fand, bevor sie den Weg in das Protokoll fand. Ich habe gesehen, wie ein Ergebnis gebügelt wurde, bevor es gemessen war. Und ich habe gelernt: Die Wahrheit steht selten dort, wo die Kameras stehen. Sie liegt in den Anhängen der Förderanträge, in den E-Mails, die niemand zitieren will, in den Sitzungsprotokollen, die als „vertraulich" markiert sind und dann verschwinden.
Zwei Theorien also. Eine über Fledermäuse. Eine über Menschen. Beide sind plausibel. Beide sind unvollständig. Und die Lücke zwischen ihnen — jener Raum, in dem die Aerosolkammer steht, in der die Antikörper getestet werden, in der die Varianten gezählt werden — diese Lücke ist der eigentliche Ort der Ermittlung.
Wer also hat gewusst, dass dort geforscht wird? Wer hat gewusst, woran geforscht wird? Und wer, verflixt nochmal, hat das nicht wissen wollen?