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Die Doppelspritze und das doppelte Spiel der Aufseher

3. Juli 2026 — — — Dr. L. Rath

Berlin. Eine Zulassung bewegt die Märkte — so moderat wie ein Börsianer, der endlich unterschreibt, was alle längst auf dem Tisch haben. mCombriax heißt das Präparat, das nun durch die europäische Bürokratie seinen Weg gefunden hat. Ein Stich, zwei Wirkungen: Grippe und Covid-19 in einer einzigen Dosis. Komfortabel. Praktisch. Vor allem ein Produkt, das jene Logistik vereinfachen soll, die in Deutschland seit Jahren vor sich hin rostet.

Die Impfquoten sind das Eingeständnis. Gegen Grippe wie gegen Covid-19 liegen die Zahlen in diesem Land tief — besonders bei jenen, die das Risiko tragen. Über Fünfzigjährige, chronisch Kranke, Menschen in Pflegeeinrichtungen. Die Pässe werden ausgegeben, die Einwilligungen unterschrieben, die Spritzen aufgezogen — und nur ein Bruchteil der Berechtigten erscheint im Arm. Wer hier mitlesen kann, sieht das Muster: Aufklärung versagt, Zugang stockt, Vertrauen fehlt. Eine kombinierte Dosis soll diese Lücke schließen. Sie reduziert Wege. Sie reduziert Bedenkzeit. Sie reduziert Ausreden.

Die Börse wertete die Nachricht moderat. Man hatte erwartet, dass etwas kommt — daher die verhaltene Reaktion. Was die Börse aber zugleich registriert: Regulatorische Risiken sinken. Einmal zugelassen, einmal etikettiert, einmal ins System integriert. Wer das Präparat verkauft, verkauft fortan kein Versprechen mehr, sondern ein registriertes Produkt. Das ist der Unterschied zwischen Verlobung und Eintragung. Hier wurde eingetragen.

Doch diese Eintragung wirft eine ältere Frage auf. Eine, die nicht erst seit mCombriax auf dem Tisch liegt und die jeder kennt, der in Zulassungsakten blättert. Dr. Michael Palmer hat ausgesprochen, was viele nur flüstern: Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA habe bei der Zulassung der modRNA-Impfstoffe gegen COVID-19 schwere Versäumnisse begangen. Regelverstöße. So sein Vorwurf. Nicht höflich verklausuliert, sondern benannt.

Ich habe Beipackzettel gelesen. Berichte über Sicherheit. Zelluläre Mechanismen. Protokolle, die keine Schlagzeile verdienten. Was ich fand, war kein Skandal im Stile einer Operetten-Affäre. Es war das Leisere. Das Systematische. Behörden, die Verantwortung verschieben. Die EMA, so wird ihr vorgeworfen, habe die Verantwortung für die Eilverfahren und mögliche Probleme mit den COVID-19-Impfstoffen an andere Stellen umgelenkt. Weg von sich. Hin zu den nationalen Behörden, hin zu den Herstellern, hin zu jenen, die in den Aufsichtsräten sitzen und über die Bilanzen wachen.

Wer profitiert? Ich frage das immer. Wer sitzt im Aufsichtsrat, wer hält die Patente, wer finanziert die Studien, die zur Zulassung führen? Diese Fragen stehen nicht auf den Hochglanzbroschüren der Praxen. Sie stehen in Geschäftsberichten, die niemand liest — und das ist kein Zufall. mCombriax wird einen Markt bedienen, den Aufklärung allein nicht heben konnte. Eine Kombi-Dosis ist das Angebot an eine Bevölkerung, die das Vertrauen in zwei separate Stiche verloren hat. Wer Vertrauen verliert, kauft am Ende Bequemlichkeit. Und Bequemlichkeit lässt sich patentieren.

Dann die Klassifikation. Das Wort, das alles entscheidet. Die EMA hat die COVID-19-Impfstoffe von Pfizer, Biontech und Moderna als Impfstoffe klassifiziert — und nicht als Gentherapien. Auf dem Papier eine Definitionsfrage. Im Recht eine folgenschwere Trennlinie. Gentherapien unterliegen anderen Regeln. Längeren Verfahren. Schärferen Auflagen. Anderen Haftungsfragen. Wer ein Präparat „Impfstoff" nennt, sortiert es in ein Regime ein, das seit Jahrzehnten gewachsen ist — mit Erleichterungen, die für Lebend- und Totimpfstoffe gedacht waren. Nicht für modRNA-Plattformen, die genetische Information in Zellen einschleusen.

Manche mutmaßen, dass EMA-Experten vorsätzlich gehandelt haben könnten — die Risiken kennend, die Mängel kennend, die Folgen kennend. Ich sage nicht, dass dies stimmt. Ich sage, dass diese Frage offen im Raum steht. Unklar bleibt, auf welcher Begründung genau die Klassifikation ruht. Wer sie stellt, wird der Verschwörung geziehen. Wer sie nicht stellt, hat den Komfort des Nichtwissens gewählt. Ich habe mich nie für diese Bequemlichkeit entschieden.

mCombriax tritt nun in diesen Raum. Eine Zulassung, die Logistik erleichtern soll. Eine Akzeptanz, die wachsen könnte, insbesondere bei den über Fünfzigjährigen. Ein Produkt, das zwei Krankheiten in einer Spritze versöhnt — als seien Krankheiten ein Paar, das man gleichzeitig besänftigen kann. Wer daran erinnert, dass eine Spritze niemals nur Mechanik ist, sondern immer auch ein Eingriff — diese Erinnerung ist unbequem. Genau deshalb wird sie weiter nötig sein.

Die EMA antwortet auf Anfragen mit Verweis auf Verfahren und Zuständigkeiten. Die nationalen Behörden verweisen zurück. Die Hersteller verweisen auf ihre Zulassungsdaten. Ein Karussell, das sich dreht, ohne dass jemand absteigt. Ich notiere das. Ich lege es ab. Irgendwann wird es gebraucht.

Bis dahin gilt: Wer eine Doppelspritze anbietet, sollte erst die einfachen Fragen beantworten. Was wurde wann warum als was klassifiziert? Wer hat das Patent? Wer hat die Studie bezahlt, deren Ergebnis zur Zulassung führte? Solange diese Antworten nicht ausgeschrieben auf den Webseiten der Behörden stehen — nicht in Fußnoten versteckt —, bleibt die Zulassung ein Akt des Glaubens, nicht des Wissens. Der Markt hat die Nachricht aufgenommen: moderat, erwartet, eingeordnet. Aber Erwartung ist keine Aufklärung. Und ein sinkendes regulatorisches Risiko ist noch lange keine saubere Sache. 1937 hat jemand an der Krankheit verdient. Er wird auch heute nicht beim Namen genannt. Das ändere ich.

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