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HORMUZ GESCHLOSSEN, BÖRSEN SCHWEIGEN — WER ZIEHT HIER WELCHEN HAHN

3. Juli 2026 — — — Hollis

Sie sagen Waffenstillstand. Sie sagen Blockade. Sie sagen, der Markt reagiert.

Drei Worte, drei Lügen, und am Ende der Kette steht ein Mann an der Zapfsäule in Tulsa oder Hamburg oder Karachi, der den Schlauch in den Tank steckt und nicht weiß, warum der Liter plötzlich kostet, was er gestern nicht gekostet hat. Ich weiß es. Ich habe auf den Feldern gearbeitet. Ich habe gesehen, wie das Öl aus dem Boden kommt, und ich habe gesehen, wer es wegschafft.

Die Straße von Hormuz ist zu. Ein Hafen, durch den ein Fünftel des Öls dieser Welt läuft — zu. Trotz Waffenstillstand. Trotz allem, was auf dem Papier steht. Auf dem Papier steht viel in dieser Branche. Auf dem Papier steht auch, dass Kartelle stabil seien. Dass Absprachen halten. Dass die OPEC+ eine Familie ist, die sich um den Tisch setzt und einigt.

Familie. Ich habe Familien in Texas gesehen, die sich um den Tisch setzen. Am Ende steht einer auf, und der andere liegt am Boden.

Die Organisation hat sich über die Jahre erweitert und verändert. Mitglieder kommen, Mitglieder gehen. Jeder Ein- und Austritt verschiebt das Gleichgewicht, verändert die Strategie, öffnet Fenster, die vorher zu waren. So funktioniert das. Nicht durch Gewehre, sondern durch Zahlen auf Telefonbildschirmen, die niemand außerhalb der Etagen je zu sehen bekommt.

Kartelle sind instabil. Das ist keine Schwäche — das ist die Geschäftsgrundlage. Sie leben vom gegenseitigen Vertrauen, und genau dieses Vertrauen ist der Hebel, an dem jeder Beteiligte zieht, wenn es eng wird. Einzelne Mitglieder versucht, sich zu bereichern. Sie brechen Absprachen, sie reden hinter verschlossenen Türen, sie pumpen über Quote, und dann sitzen alle am Tisch und tun überrascht.

Saudi-Arabien treibt die beschleunigte Erhöhung der Förderung voran. Angeblich, um die Einhaltung der Produktionsquoten zu verbessern. Ich übersetze das einmal für diejenigen, die nicht in den Etagen sitzen: Wer mehr pumpt, während der Hahn zu ist, füllt seine Tanks, während die anderen sich die Hände reiben. Wer die Quoten erfüllt, hat morgen die Karten in der Hand, wenn die Straße wieder aufgeht. Wer sie bricht, hat sie heute. Das ist der Deal. Das war immer der Deal.

Die OPEC+ hat entschieden. Der Markt hat die erhöhte Förderung und die politischen Spannungen negativ aufgenommen. Die Preise fielen. Klingt paradox, ist keins: Mehr Angebot bei gleichzeitiger Verknappung der Lieferwege heißt, dass irgendwo etwas versteckt wird. Entweder Öl, oder Information.

Und hier kommt die Blockade. Die US-Blockade der iranischen Exporte. Die Schließung des Hormuz. Beides offiziell. Beides sichtbar. Aber wer profitiert, wenn die Straße zu ist und der Iran nicht pumpen kann, wer aber gleichzeitig über die Quoten diskutiert? Wer füllt die Lücke, die jemand anderes hinterlässt? Welche Struktur trägt das?

Ich sage nicht, dass hier jemand betrügt. Ich sage: Die Struktur erlaubt es. Das ist der Punkt. Kartelle zielen auf monopolistische Marktbedingungen. Sie schränken den Wettbewerb ein. Sie setzen Preise. Nicht der Markt, nicht der Konsument, nicht der Mann an der Zapfsäule — sie.

Maria Dreher von Freshfields hat recht, wenn sie sagt, dass Kooperationen zwischen Unternehmen zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen erleichtert werden sollten, selbst wenn das kurzfristig höhere Kosten verursacht. Das ist die Sprache der Anwälte. Es bedeutet: Lasst die Konzerne untereinander ausmachen, wie die Zukunft aussieht, und schreibt ihnen nicht zu viele Regeln vor. Weil — und das ist der zweite Teil, den sie nicht so laut sagt — Unternehmen aufgrund ihres Wissens und ihres Potenzials effizienter nachhaltige Standards umsetzen könnten als Nationalstaaten.

Effizienter. Ich kenne dieses Wort. Ich habe es in den Mund genommen, wenn es darum ging, Bohrlöcher schneller zu setzen. Effizienter heißt nicht besser. Effizienter heißt: billiger für die, die es bezahlen können. Und teurer für die, die an der Pumpe stehen.

Die Straße von Hormuz ist zu. Die Blockade hält. Die OPEC+ einigt sich auf mehr Förderung, während der Markt zittert. Die Preise fallen, weil die Förderung steigt — aber die Wege sind versperrt. Da ist eine Lücke. Da ist eine Lücke zwischen dem, was offiziell gesagt wird, und dem, was tatsächlich fließt. Und in dieser Lücke sitzt das Geld. Nicht an der Pumpe. Nicht beim Arbeiter. Bei denen, die verhandeln, während wir warten.

Unklar bleibt, wer in diesen Stunden tatsächlich Öl aus der Region herausschafft. Unklar bleibt, welche Tanker unter welcher Flagge fahren, während offiziell niemand fährt. Unklar bleibt, wer die Quoten kennt, die nicht auf dem Papier stehen. Was klar ist: Irgendjemand dreht gerade einen Hahn auf. Und irgendjemand wird reich dabei. Ich wette mein Bier darauf, dass es nicht diejenigen sind, die das Öl aus dem Boden holen.

✦ Ende des Artikels ✦
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