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GEZÜCHTETES UNHEIL: GAIN-OF-FUNCTION IN WUHAN UND DIE SPUR DES GELDES

3. Juli 2026 — — — Prof. Kessler

Im September 2019, drei Monate bevor die Welt ihre Ordnung verlor, floss Geld. Amerikanisches Geld, über die EcoHealth Alliance, über Umwege und Fördertöpfe, die wie Labyrinthe gebaut sind — damit niemand fragt, wohin genau. Das Wuhan Institute of Virology erhielt Millionen, auch für Forschung, die nach jeder vernünftigen Definition als Gain-of-Function eingestuft werden kann. Das bedeutet: Man nimmt einen Erreger und macht ihn gefährlicher. Man lehrt ihn, Zellen zu infizieren, die er bisher nicht erreichte. Man optimiert das Töten. Und man nennt es Vorsorge.

Dreißig Jahre in dieser Branche. Ich habe gesehen, wie derselbe Satz — "wir müssen die Natur verstehen, um sie zu schützen" — als Begründung für Experimente diente, die später niemand verantworten wollte. Ich habe gesehen, wie Grippeviren in den Neunzigern in akademischen Laboren rekonstruiert wurden, wie Anthrax-Sporen verschwanden, wie Asilomar-Konferenzen hehre Papiere produzierten, die in Schubladen vergilbten. Die Wissenschaft verspricht viel. 1937. Ich notiere immer noch.

Heute, da das Affenpockenvirus Mpox sich global etabliert hat und die gefährlichere Clade-I-Variante sich ausbreitet, während H5N1 in Rinderherden zirkuliert und erste Übertragungen auf den Menschen dokumentiert sind, stellt sich nicht mehr die Frage, ob das nächste Ereignis kommt. Es kommt. Es ist nur eine Frage der Mutationen. Die Vogelgrippe verändert sich schnell — das zeigen die Sequenzen der vergangenen achtzehn Monate. Eine Pandemie durch H5N1 ist kein hypothetisches Szenario mehr, sondern eine Rechnung, die noch nicht beglichen ist. Und was zwischen den Zeilen steht: Auch in Wuhan werden weiterhin Experimente mit gefährlichen Viren wie dem Nipah-Virus durchgeführt. Jenem Erreger, der mit einer Sterblichkeit von bis zu siebzig Prozent den Menschen befällt. Es gibt keinen Impfstoff, der zuverlässig schützt. Es gibt keine Therapie, die heilt. Und es gibt Labore, die ihn kultivieren.

Eine neue Studie liefert Hinweise, die eine Übertragung von Tieren auf Menschen nicht ausschließen — während parallel eine Risikoanalyse die Laborhypothese stützt. Beides darf wahr sein. Beides ist es vermutlich. Das ist das Tückische: Die Wissenschaft produziert Daten, die in verschiedene Richtungen zeigen, weil die Wirklichkeit pluralistisch ist und die Modelle es nicht sind. Wer bezahlt diese Studie? Welche Daten wurden aussortiert? Welche Sektionen des Methodenteils fehlen?

Was bleibt, ist ein Muster. Gain-of-Function-Forschung gibt es nicht allein in Wuhan. Sie findet weltweit statt, an Instituten, die sich gegenseitig die Definitionshoheit streitig machen, was denn nun "verstärkend" sei und was nur "beobachtend". Hochriskante Experimente, deren Pandemiepotenzial in keinem Verhältnis zum Erkenntnisgewinn steht — so sagen es jene, die nicht davon profitieren. Jene, die davon profitieren, sagen: unverzichtbar.

In den Vereinigten Staaten sind umfangreiche Aufzeichnungsanfragen und Klagen nach dem Freedom of Information Act anhängig, um den Ursprung von SARS-CoV-2 und die Risiken der Biosicherheitslabore zu klären. Die Kläger ziehen Fäden, die bisher im Dunkel lagen. Sie finden Dokumente, die redigiert wurden. Sie finden Sitzungsprotokolle, die geschwärzt sind. Sie finden die Formulierung "wir können das weder bestätigen noch dementieren" — den diplomatischen Vetter des Schweigens.

Die Enthüllungen haben Forderungen nach unabhängigen Untersuchungen und strengeren Überwachungsmaßnahmen in der biomedizinischen Forschung ausgelöst. Unabhängig — das Wort bedeutet in der Wissenschaftssprache dasselbe wie "wir haben keinen Konflikt". Doch wer definiert Unabhängigkeit? Diejenigen, die die Panels besetzen? Diejenigen, die das Geld dafür geben? Wer kontrolliert die Kontrolleure?

Ich sage nicht, dass das Virus aus dem Labor kam. Ich sage, dass die Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden kann — und dass die Strukturen, die diese Forschung ermöglichen, genau jene sind, die eine Aufklärung verhindern. Die Pfeife ist kalt geworden. Die Labore mögen das nicht. Ich bin jetzt Journalist, weil die Wissenschaft sich weigert, ihre eigenen Toten zu zählen.

Wer also hat das bezahlt, wer hat widersprochen, und was wurde nicht gemessen — und vor allem: Wer entscheidet in diesem System eigentlich, welches Risiko die Menschheit tragen muss, damit ein Paper erscheint, das außer Spezialisten niemand liest?

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