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Spritze am 27. Dezember — die offenen Fragen der EMA

3. Juli 2026 — — — Dr. L. Rath

Es gibt zwei Sorten Geschwindigkeit. Die eine rettet Leben. Die andere füllt Aktendepots. Im Dezember 2020 treffen beide aufeinander, und niemand in den Pressekonferenzen nennt die zweite beim Namen.

Die Erzählung steht: Forscherinnen und Forscher haben den Impfstoff von Biontech und Pfizer in Rekordzeit entwickelt. Die deutsche Regierung habe das Ihre getan, damit aus Mainzer Laborarbeit ein Vakzin wird, das am 27. Dezember in Deutschland verfügbar sein soll. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA hat die Zulassung erteilt, die Europäische Kommission wird folgen. Die Impfungen in Europa können beginnen. Es sei, so die Worte aus Amsterdam, eine "historische wissenschaftliche Leistung". Eine bedingte Zulassung.

Man sollte an dieser Stelle langsamer lesen.

Die EMA hat den Impfstoff als historische Leistung bezeichnet und gleichzeitig eine bedingte Zulassung empfohlen. Bedingt heißt: Die Daten, die bis zum Stichtag vorlagen, reichten für eine Zulassung. Sie reichten nicht für eine vollständige. Was fehlt, steht in jenen Dokumenten, die Ärztinnen und Ärzte inzwischen aufmerksam lesen. Mit elektronenmikroskopischen Aufnahmen haben sie mögliche Verunreinigungen in mRNA-Impfstoffen identifiziert. Die EMA selbst hat in ihren eigenen Unterlagen Qualitätsprobleme und Verunreinigungen angesprochen. Nur: vollständig transparent gemacht wurden sie nicht.

Hier beginnt die Akte, die niemand führen will.

Wer hat das Patent? Biontech, gegründet in Mainz, gehalten von einer Investorenstruktur, deren Namen in jedem Geschäftsbericht stehen. Partner ist Pfizer — ein Konzern, der keine Belehrung über Preisdruck und Marktbeherrschung braucht. Wer hat die Studien bezahlt? Die deutsche Bundesregierung hat Fördermittel in das Unternehmen geleitet. Wer sitzt im Aufsichtsrat? Wer entscheidet, welche Daten wann veröffentlicht werden? Dies sind die Fragen, die in keiner Pressekonferenz gestellt werden, weil sie den Applaus stören würden.

In Washington unterdessen steht fest: Das Weiße Haus hat Druck auf die FDA ausgeübt, um eine schnelle Notfallzulassung zu erreichen. Leiterin der FDA-Impfstoffbehörde ist Marion Gruber, eine deutsche Wissenschaftlerin. Diese Konstellation verdient mehr als eine Randnotiz im Feuilleton. Eine Deutsche an der Spitze der US-Zulassungsbehörde, während in Europa die EMA unter Zeitdruck ihre Empfehlung abgibt — und während eine Bundesregierung sich als Geburtshelferin des Vakzins feiern lässt. Die Personalakte ist nicht die ganze Akte. Aber sie ist eine Seite, die aufgeschlagen werden muss.

Die EMA nennt es eine historische Leistung. Behandelnde Ärztinnen und Ärzte nennen es bedingt. Beide haben recht. Die Frage ist nur, was zwischen diesen beiden Worten steht.

Verunreinigungen, die unter dem Elektronenmikroskop sichtbar werden, sind kein Randthema für Pharmakologinnen. Sie sind ein Standardthema. Jede Charge, jedes Wirkstoff-Molekül, jede Lipidhülle der Nanopartikel kann zum Träger von etwas werden, das dort nicht hingehört. Wenn Aufsichtsbehörden davon wissen und es nicht vollständig offenlegen, ist das kein Schutz der Öffentlichkeit vor Panik. Es ist ein Schutz der Erzählung vor der Öffentlichkeit.

Unklar bleibt, welche Verunreinigungen in welcher Charge gefunden wurden, in welcher Konzentration, und welche Schwellenwerte die EMA tatsächlich angelegt hat. Unklar bleibt, wer die Studien zu Langzeitwirkungen finanziert und wer Zugriff auf die Rohdaten hat. Unklar bleibt, wie eine bedingte Zulassung mit der Impfpflicht-Diskussion vereinbar wäre, die in manchen Hauptstädten längst begonnen hat. Bedingt ist das eine Bedingung des Vertrauens.

Die Regierung feiert sich. Die Forscherinnen und Forscher haben gearbeitet — das sei unbestritten. Doch die Architektur dieses Erfolgs — Patentschutz, Studienfinanzierung, Aufsichtsgremien, politischer Termindruck — ist keine Wissenschaft. Sie ist Macht. Und Macht, so lehrt jede klinische Erfahrung, muss dosiert werden. Sonst wird sie zum Eigengift.

Am 27. Dezember beginnt eine Spritze. Was sie auslöst, entscheidet sich nicht in der Ampulle. Es entscheidet sich in den Akten, die noch geschrieben werden — und in denen, die bisher verschwiegen wurden.

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