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Saatgut unter Verschluss — wer das Korn besitzt, besitzt das Brot

3. Juli 2026 — — — Ida Feuerbach

Es gibt einen alten Satz auf den Höfen: Wer das Saatgut besitzt, besitzt das nächste Jahr. Heute gehört es nicht mehr dem Bauern. Heute trägt es einen Namen, eine Nummer, einen Eintrag in einem Register, das weiter weg liegt von jeder Furche, die je gezogen wurde.

Die Analyse liegt auf dem Tisch. Firmen wie Bayer, BASF und Rijk Zwaan halten zahlreiche Patente auf Pflanzensorten. Was das bedeutet, kann jeder verstehen, der einmal eine Handvoll Körner in die Erde gesteckt hat: Dieses Korn darf nicht mehr ohne Erlaubnis wachsen. Es darf nicht mehr ohne Erlaubnis weitergegeben werden. Es darf nicht mehr ohne Erlaubnis geerntet, getauscht, vermehrt werden. Das Leben einer Pflanze, eingetragen in eine Akte.

Zweitausendvierundzwanzig minus zweitausendzwanzig: Die Anzahl der Patente auf Pflanzensorten hat sich in vier Jahren verdoppelt. Das ist kein Zufall. Das ist ein Muster. Verdopplung in vier Jahren heißt: Jemand hat ein Geschäftsmodell gefunden, das keine Sättigung kennt. Organisationen wie NO PATENTS ON SEEDS! schlagen Alarm. Ob dieser Alarm in den Konzernzentralen gehört wird, ist eine andere Frage. Ich habe gelernt, auf das zu horchen, was nicht gesagt wird.

Hier das Verschwiegene: In der EU gibt es einen politischen Konsens gegen Patente auf konventionelles Saatgut. Das wurde beschlossen, verabschiedet, kommuniziert. Und trotzdem erteilt das Europäische Patentamt weiterhin solche Patente. Hier klafft eine Lücke zwischen dem, was die Politik sagt, und dem, was die Behörde tut. Wer füllt diese Lücke? Welche Anwälte, welche Prüfer, welche Lobbyisten sitzen in München, wenn dort ein Antrag durchgewunken wird? Unklar bleibt, warum ein Amt, das unter europäischem Recht steht, Beschlüsse der europäischen Politik so beharrlich überhört.

Doch die Patente sind nur die eine Seite. Die andere Seite ist die Erde, auf der sie stehen. Patente schränken den Zugang zu biologischer Vielfalt ein. Sie reduzieren die Agro-Biodiversität. Sie treiben den Acker in die Monokultur. Eine Monokultur lässt sich patentieren. Eine Vielfalt nicht. Also wird die Vielfalt stillgelegt. So geht das. Das Korn von einst, das vielleicht zwanzig Sorten in einer Scheune kannte, wird sortiert, gefiltert, vereinheitlicht, bis nur noch übrig bleibt, was sich gut eintragen lässt in die Spalten eines Antrags.

Und die Bauern? Die Bauern werden abhängig. Jedes Jahr müssen sie neu kaufen, was sie im Vorjahr geerntet haben. Das ist keine Erfindung. Das ist eine Mechanik. Wer einmal angefangen hat, patentiertes Saatgut zu verwenden, kann nicht mehr zurück, ohne die Ernte des nächsten Jahres zu riskieren. Das ist keine Natur. Das ist eine Kette.

Bayer steht vor zahlreichen rechtlichen Herausforderungen. PCB, Roundup. Die Akten sind lang, die Kläger sind krank. Und während draußen auf den Feldern die gleichen Spritzgeräte fahren wie seit Jahrzehnten, wird im Hintergrund an einer anderen Front verhandelt: um Patente, um Sorten, um die Zukunft des Saatguts. Roundup hat die Erde umgepflügt, jetzt kommt das Patent und schreibt vor, was auf dieser Erde wachsen darf.

Manche erinnern sich an die Séralini-Studie. Sie war die erste Langzeitstudie, die die Risiken einer GVO-Ernährung über die gesamte Lebensdauer von Ratten hinweg untersuchte. Sie zeigte, was GVO-Mais anrichtet. Das war keine Vermutung, keine Stimmungsmache. Das war eine Langzeitstudie. Und was geschah? Monsanto und andere GVO-Unternehmen versuchten, die Ergebnisse zu diskreditieren. Nicht zu widerlegen — zu diskreditieren. Das ist ein Unterschied. Widerlegen heißt: Fakten auf den Tisch. Diskreditieren heißt: denjenigen unglaubwürdig machen, der die Fakten gefunden hat. So sieht das aus, wenn ein Konzern seine eigenen Studien fürchtet.

Ich sitze nicht hier, um zu jammern. Ich sitze hier, um hinzusehen. Auf den Höfen meiner Kindheit gab es noch Weizen, der nach Weizen schmeckte. Heute gibt es Hochleistungssorten, die nach nichts schmecken, aber zwölf Tonnen pro Hektar liefern. Was dabei verloren geht, weiß nur, wer es einmal gekaut hat.

Die Wahrheit ist diese: Die Nahrungsmittelvielfalt ist nicht bedroht, weil das Klima verrückt spielt. Sie ist bedroht, weil eine Handvoll Firmen entscheidet, welche Sorten leben dürfen und welche in einem Tresor verschwinden. Und die Politik? Die Politik nickt in Brüssel und schweigt in München.

Was bleibt, ist die Furche.

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