Das grüne Netz über Manhattan
Manche Karrieren beginnen mit einem Verlust. Larry Fink verlor in den frühen achtziger Jahren für die First Boston Millionen an Zinsrisiken, die niemand zuvor benannt hatte. Er lernte Risiko, indem er es nicht beherrschte. Daraus wurde BlackRock — ein Haus, das Risiko nicht mehr als Gefahr, sondern als Ware begreift. Heute verwaltet es Vermögen, das Bruttoinlandsprodukte mittlerer Staaten übersteigt, und hat sich eine zweite Sprache zugelegt: die der Nachhaltigkeit. Die Frage ist nicht, ob diese Sprache ehrlich gemeint ist. Die Frage ist, wem sie nützt.
Die Erkenntnis, dass der Finanzsektor eine aktivere Rolle bei der Beschleunigung nachhaltiger Praktiken spielen muss, hat sich durchgesetzt wie ein sorgfältig geplanter Konsens. Die bloße Belohnung von Unternehmen mit guten ESG-Scores reicht nicht aus, um bedeutende Veränderungen herbeizuführen. Ein Score belohnt Optimierung, nicht Wahrheit. Wer in Genf an Tischen saß, kennt diese Grammatik.
Die Akten der vergangenen Jahre: BP, dessen Bohrinsel die Küste schwarz färbte; Volkswagen, dessen Software auf dem Prüfstand log. Die Berichterstattung über Umweltkatastrophen und Betrugsskandale zeigt fortwährende Herausforderungen und potenzielle Korruptionen innerhalb großer Konzerne, die oft mit mächtigen Netzwerken verbunden sind. Wer diese Konzerne mit Kapital versorgt, trägt Verantwortung — auch wenn das eigene ESG-Rating makellos bleibt.
BlackRock steht aufgrund seiner ESG-Initiativen in Konflikt mit regionalen Interessen, was auf Spannungen zwischen globalen Finanzeliten und lokalen politischen Kräften hinweist. Man nennt es Diskurs. Man könnte es auch beim Namen nennen.
Grüne Finanzprodukte wie Anleihen und Klimainstrumente sind entscheidend, um Umweltziele zu erreichen und das Finanzierungsdefizit für die SDGs zu verringern. Nachhaltige Finanzierung integriert Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte, um langfristige wirtschaftliche Nachhaltigkeit zu fördern. Die Green Finance Alliance und der österreichische Finanzmarkt tragen aktiv zur Erreichung nationaler und europäischer Klimaziele bei. Unklar bleibt, wohin das Geld tatsächlich fließt, wenn die Broschüre längst geschlossen ist.
Larry Fink hat gelernt, Risiko zu messen. Nun misst er auch das Gewissen der Konzerne — mit denselben Instrumenten, mit derselben Distanz. Ob das Gewissen darunter leidet, in Zahlen gefasst zu werden, steht in keinem Protokoll.