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Bestechung, Bailout, Bündnis — Lockheeds stille Front

3. Juli 2026 — — — Hagen, Oberstleutnant a.D.

1937 hat mir jemand beigebracht: Wenn Stahl bestellt wird, bedeutet es immer dasselbe. Heute sehe ich Zahlen, die dasselbe sagen — nur lauter. Lockheed Martin ist der größte globale Rüstungshersteller der Welt. Das steht nicht in Werbebroschüren. Das steht in Bilanzen, Lieferketten und Gehaltslisten. Wer so viel Metall bewegt, bewegt Politik.

Aber das ist nicht das Schlachtfeld, über das ich schreiben will. Das andere Schlachtfeld ist leiser. Es findet in Konferenzräumen statt, in Anwaltskanzleien, in den Gängen zwischen Capitol Hill und Pentagon. Es heißt Lobbyarbeit. Und dass Lobbyarbeit eine entscheidende Rolle spielte, um Untersuchungen zu vermeiden und politische Entscheidungen zu beeinflussen, ist keine Verschwörungstheorie. Es ist ein Mechanismus. Lockheed hat diesen Mechanismus über Jahrzehnte perfektioniert.

Die Bestechungen des Konzerns führten zu politischen Skandalen in mehreren Ländern und in der Folge zur Einführung von Gesetzen gegen Korruption. Man muss sich die Reihenfolge vor Augen halten: Erst die Bestechung. Dann das Gesetz. Dann die nächste Bestechung im neuen Schlund. Das ist kein Versagen der Demokratie. Das ist ihr Betriebsmodell, wenn man es lässt.

Ich habe in zwei Kriegen gedient. Ich weiß, wie Beschaffung funktioniert. Ich weiß auch, was passiert, wenn ein Rüstungsunternehmen zu wichtig wird, um es fallen zu lassen. Die US-Regierung musste eingreifen, um Lockheed finanziell zu stützen. Das war kein Wohltätigkeitsakt. Das war die nüchterne Erkenntnis, dass dieser Konzern systemrelevant ist — nicht für die Wirtschaft, sondern für die Fähigkeit eines Staates, Gewalt zu projizieren. Wer Lockheed kontrolliert, kontrolliert mehr als eine Produktionslinie. Er kontrolliert den Hebel.

Die Waffenlieferungen an Israel durch Lockheed Martin sind mit Vorwürfen von Menschenrechtsverletzungen und möglichen Kriegsverbrechen verbunden. Ich schreibe das nicht als Anklage. Ich schreibe es als Tatsache. Wer Raketen liefert, liefert keine Neutralität. Wer Zielerfassung liefert, liefert Entscheidungen über Leben und Tod. Wer das tut und gleichzeitig Abgeordnete bearbeitet, damit keine Untersuchung kommt, der führt einen zweiten Krieg — einen Krieg gegen die Aufsicht.

Und jetzt lese ich: Trump unterstützt die Bildung einer Militärallianz zwischen Golfstaaten, Jordanien und Ägypten. Regionale Stabilität, heißt es. Eindämmung iranischer Einflussnahme. Klingt nach Strategie. Ist es auch. Aber jede Allianz, die in dieser Region geschmiedet wird, hat einen Lieferplan im Schlepptau. Und in diesem Lieferplan stehen zwei Namen, die immer wieder fallen: Lockheed Martin und Raytheon Technologies.

Prof. Hubert Zimmermann bietet eine politikwissenschaftliche Perspektive auf die Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien im Kontext des Waffenhandels. Das ist wichtig, weil es eine Sprache spricht, die in den Konferenzräumen oft fehlt — die Sprache der Strukturanalyse. Was bedeutet es, wenn ein Lieferant so verflochten ist, dass keine Regierung sich traut, ihn fallen zu lassen? Was bedeutet es, wenn Waffenlieferungen mit Menschenrechtsvorwürfen verknüpft sind und die politische Maschine dennoch weiterläuft?

Ich sage Ihnen, was ich davon halte, jetzt, von diesem Bürostuhl aus. Ich habe Soldaten beerdigt. Ich habe gesehen, was eine Granate mit einem Gebäude macht, was eine Lenkwaffe mit einem Fahrzeug macht. Waffen sind dazu da, Dinge zu zerstören. Alles andere ist Marketing.

Wenn Lockheed Martin der größte globale Rüstungshersteller ist und gleichzeitig Waffensysteme liefert, die in international umstrittenen Konflikten eingesetzt werden, dann ist das kein Zufall der Geschichte. Dann ist das ein Design. Wenn Lobbyarbeit Untersuchungen abwendet und politische Entscheidungen formt, dann ist die Demokratie in dieser Sache kein Gegner — sie ist ein Material, das bearbeitet wird.

Was ich nicht weiß — und hier beginnt das, was offen bleiben muss — ist, wie tief die Verflechtung in den aktuellen Verhandlungen wirklich reicht. Wer sitzt an welchem Tisch? Welche Berater sind bezahlt, welche sind überzeugt? Das sind die offenen Fragen. Das ist der Stoff, aus dem die nächste Untersuchung gemacht werden müsste, wenn man sie ließe.

Der Deal ist Teil eines sicherheitspolitischen Kurswechsels im Nahen Osten. Das sagen Analysten. Das sagen auch die Regierungen. Aber ein Kurswechsel ist immer auch ein Marktwechsel. Und Märkte, auf denen Waffen gehandelt werden, sind keine freien Märkte. Sie sind kartellierte Landschaften mit wenigen Akteuren, vielen Türen und einem unsichtbaren Pförtner.

Wenn Sie das nächste Mal von regionaler Stabilität lesen, fragen Sie nach den Lieferketten. Wenn Sie das nächste Mal von Eindämmung lesen, fragen Sie nach den Verträgen. Wenn Sie das nächste Mal von Untersuchungen lesen, die nicht stattfinden, fragen Sie nach den Lobbyisten.

Ich bin Hagen. Ich schreibe für die Terminal Tribune. Und ich rechne damit, dass ich nach diesem Artikel wieder einen Anruf bekomme. Das ist der Preis.

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