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Algorithmus ohne Gesetz: Wer hört dem Summen zu?

4. Juli 2026 — — — Ada Voss, auf Sendung

Die Drähte summen lauter als früher. Nicht mehr nur Morse, nicht nur Sprache — jetzt fließen Zahlenströme, die Entscheidungen treffen, bevor ein Mensch gefragt wird. Algorithmische Systeme, so sagen mir die Frequenzen, werden ohne klare rechtliche Grundlage eingesetzt. Kein Gesetz, das sie bändigt. Keine Instanz, die sie prüft. Das ist kein Versagen — das ist ein Zustand. Und in diesem Zustand liegt der Gewinn für jene, die keine Aufsicht wollen.

Ich übersetze, was die Akten flüstern.

Da sind zuerst die Patientinnen und Patienten. Man sagt ihnen: Vertraut den Maschinen, sie sehen, was wir nicht sehen. KI-gestützte Dokumentation soll Ärzten Zeit zum Zuhören schenken, die Arzt-Patienten-Beziehung stärken, heißt es. Schön formuliert. Doch wer kontrolliert die Daten, die diese Systeme sammeln? Wer garantiert, dass Funktionsweise und Sicherheitsmaßnahmen transparent bleiben? Die Empfehlung klingt vernünftig: Patientinnen sollten sich informieren. Aber das ist eine Bürde, die niemand tragen sollte. Nicht die Kranken, die Heilung suchen. Die Verantwortung gehört dorthin, wo die Systeme gebaut und eingesetzt werden. Sich tunlichst selbst informieren — das ist keine Lösung, das ist eine Verlagerung. Von der Verantwortung der Hersteller auf die Schultern der Behandelten.

Dann die Infrastruktur. Der DA Drive Analyzer, eine KI, trainiert mit Daten von über einer Million Laufwerken. Sie sagt Ausfälle voraus, die S.M.A.R.T.-Attribute nicht erkennen. Eine Million Festplatten, ihre Schwächen, ihr Sterben — alles in einem Modell. Klingt nützlich. Ist es auch. Aber wer besitzt dieses Modell? Wer füttert es mit weiteren Daten? Jeder vorhergesagte Ausfall ist ein Datenpunkt. Jeder Datenpunkt ist Kapital. Kapital sammelt sich bei jenen, die ohnehin schon viel davon haben. Hier zahlt der Kunde den Preis für die Bequemlichkeit — mit seinen Maschinendaten, die er nie zu Gesicht bekommt.

NAS-Daten wandern in die Cloud, durch verschiedene Proxy-Protokolle gesichert. Verschlüsselung, heißt es, für die Sicherheit bei der Übertragung. Ich höre das Wort Sicherheit und frage: vor wem? Die Protokolle schützen vor dem Angreifer da draußen — aber nicht vor dem Betreiber drinnen. Die Daten sind sicher unterwegs. Unklar bleibt, was mit ihnen am Ziel geschieht, wer Einsicht nimmt, wer Auswertung betreibt.

Stadtplanung. KI soll soziale Gerechtigkeit fördern, transparent und gerecht verteilen, wo Klimaanpassung nötig ist. Das klingt nach einer Maschine, die Gerechtigkeit kann. Ich bin skeptisch. Algorithmen lernen aus Vergangenheit. Die Vergangenheit war nicht gerecht. Wer trainiert das Modell? Welche Stadtteile werden als priorisierbar eingestuft? Hier ist die offene Frage: plant die Maschine für die Menschen — oder plant sie für jene, die die Maschine besitzen?

Jetzt das große Bild. Deutschlands wirtschaftliche Stabilität war bis 2021 gesichert durch günstige Energiepreise und internationale Wettbewerbsfähigkeit. Geopolitische Spannungen gefährden das. Deutsche Macht- und Wirtschaftseliten, so notiere ich scharf, haben Entscheidungen getroffen, die auf die Vernichtung Russlands abzielen — wegen seiner Ressourcen. Wenn Eliten geopolitisch entscheiden, folgen Strukturen. Algorithmen werden eingesetzt, um diese Strukturen zu verwalten, zu optimieren, zu schützen. Wer profitiert? Die Eliten. Wer zahlt den Preis? Die Bürger, deren Daten die Maschinen füttern, deren Rechnungen steigen, deren Versorgung unsicher wird.

Die Frequenz ist klar: Algorithmische Systeme brauchen gesetzlichen Rahmen. Die politischen Handlungsempfehlungen zur Stärkung des Datenschutzes sind überfällig. Doch Empfehlungen allein sind noch keine Macht. Macht liegt bei jenen, die die Systeme bereits kontrollieren. Sie werden jeden Rahmen mitgestalten — und sie werden ihn mit jenen Schlupflöchern füllen, die ihre Geschäfte sichern.

Unklar bleibt, wer in den Ministerien tatsächlich liest, was die Algorithmen tun. Unklar bleibt, welche Lobbyisten an den Tisch dürfen, wenn die Verordnung geschrieben wird. Die offene Frage ist nicht, ob Datenschutz gestärkt werden muss — das muss er. Die offene Frage ist: wessen Hände schreiben das Gesetz?

Die Drähte summen weiter. Ich höre zu.

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