← Zurück zur Titelseite Vermischtes

VERBOTEN UND DOCH GEPUMPT: RUSSLANDS LNG FINDET IMMER NOCH WEG

4. Juli 2026 — — — Hollis

Die EU hat den Hahn zugedreht. Russisches LNG — verboten. Auf dem Papier steht es schwarz auf weiß.

Aber das Papier wird nicht warm davon. Das Gas schon.

Ich habe Hafenumschlagspläne gewälzt, Frachtbriefe studiert, mit Hafenmeistern gesprochen, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen. Was rauskommt: Das Zeug kommt trotzdem. Über Terminals in Belgien, den Niederlanden, Spanien. Mal als „LNG aus Drittstaaten" deklariert, mal über Mittelsmänner mit so vielen Firmenmänteln wie ich Unterhemden.

Gazprombank sitzt mittendrin — wer mit ihr Geschäfte macht, bewegt Geld in einem System, das westliche Aufseher längst hätten zerlegen müssen. Stattdessen: Vermögen eingefroren. Lukoil, Evraz, AvtoVAZ — die Liste wächst. Die Briten schließen Häfen für Schiffe der Schattenflotte. Raffinerieprodukte aus russischem Rohöl — verboten. Krypto-Plattformen gleich mit. Das klingt nach Entschlossenheit. Nach Konzernanwälten, die nachts nicht schlafen.

Aber erzähl mir nicht, das reicht.

Denn wer zahlt? Nicht die Konzerne. Die haben Bilanzen, Berater, Briefkastenfirmen. Die haben Cryogas und Kooperationen, die sauber klingen und es nicht sind. Die haben Zeit.

Wer zahlt, ist der Mann an der Zapfsäule. In Bukarest, Warschau, Budapest. Der hat keine Gazprombank. Der hat einen Wagen und einen Lohnzettel.

Die Pipeline-Exporte sinken — das stimmt. Sanktionen wirken, ein bisschen. Aber LNG ist das Hintertürchen, das offen steht. Nicht weil es niemand sieht. Sondern weil zu viele wegschauen, die es sehen müssten.

Unklar bleibt, wie tief die Gazprombank-Verbindung wirklich reicht. Welche Banken, Versicherer, Reeder mitmachen. Welche Taschen voller werden. Und unklar bleibt, ob das Versprechen stabilerer Preise mehr ist als das, was Konzerne immer versprechen, wenn sie gerade etwas verloren haben.

Internationale Kooperation wird gefordert. Schön. Aber Kooperation wovon — von Verboten, die an Terminals sauber umgangen werden?

Ich trinke Bier. Aus Prinzip. Bourbon wäre das Getränk derer, die mit der anderen Seite Geschäfte machen — und es sich schmecken lassen.

Solange das so ist, steht der Hahn nicht zu. Er steht auf Durchfluss. Mit Genehmigung.

✦ Ende des Artikels ✦
← Zurück zur Titelseite