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DAS STEUERSYSTEM FÜTTERT, WAS ES BESTRAFEN SOLLTE

4. Juli 2026 — — — Doc Brenner, irgendwo im Staub

Die Zahlen liegen offen auf dem Tisch, seit Jahren, und niemand will sie umdrehen. Deutschland pumpt jährlich über 48 Milliarden Euro in fossile Brennstoffe — in eine Industrie, deren Ende in den geologischen Archiven bereits datiert steht. Was hier subventioniert wird, ist genau das, was uns die Tiefe als Warnung heraufgibt: ein Sterben auf Raten.

Man muss kein Bohrkern-Leser sein, um die Mechanik zu erkennen. Das Steuer- und Abgabensystem ist noch immer so konstruiert, als wäre die Mitte des 19. Jahrhunderts die Gegenwart. Fossile Energie wird entlastet, gefördert, gepflegt. Die Konsequenzen — Zertifikatskäufe, Klimaschäden, Gesundheitskosten — wandern in die Spalte, in der wir nicht hinsehen. Die Rechnung kommt trotzdem. Sie kommt immer, mit dem Geruch von verbrannter Erde und dem Staub von Kohlehalden.

Nun verschiebt die sogenannte Stop-the-Clock-Richtlinie den Berichtsbeginn für viele Unternehmen um zwei Jahre. Die erste Welle muss weiterhin 2026 berichten. Das klingt nach Aufschub, und Aufschub ist die älteste Sprache der Industrie, die wir hier beobachten. Es ist eine Bühne, auf der das alte System zwei zusätzliche Jahre Spielraum erhält. Spielraum für Investitionen — aber in welche Richtung?

Die EU und ihre Mitgliedstaaten investieren weiter in Unternehmen, die fossile Brennstoffe fördern — und das, während die internationalen Klimaziele längst unterschrieben in den Akten liegen. Eine Unterschrift, die nichts mehr wert ist, ist eine Lüge auf feinem Papier.

Der Internationale Währungsfonds hat die globalen Subventionen für fossile Brennstoffe beziffert. Andere große Volkswirtschaften führen das Feld an — ein orchestriertes Weiter-so, das den Himmel füllt, als gäbe es keinen Preis dafür. Es gibt einen Preis. Wir atmen ihn.

Gleichzeitig formiert sich ein starkes Bündnis, das den Ausstieg aus fossilen Subventionen fordert und alternative Investitionen in soziale und klimafreundliche Projekte verlangt. Sie kämpfen gegen eine Architektur, die seit Jahrzehnten weiß, was sie tut. Die Struktur schützt sich selbst: durch Komplexität, durch Aufschub, durch das Versprechen, es werde irgendwann.

Die Änderungsrichtlinie 2026/470 ist seit dem 18. März 2026 in Kraft. Sie ist ein Vertrag — aber ein Vertrag in einem Haus, dessen Fundament auf der falschen Schicht ruht. Wer fossile Subventionen streicht und CO2-Steuern einführt, könnte die CO2-Emissionen bis 2030 um 43 Prozent reduzieren. 43 Prozent. Eine Zahl, die für sich spricht, wenn man sie lässt. Sie kommt nicht allein: Weniger Luftverschmutzung bedeutet weniger Gesundheitsrisiken — weniger Husten bei Kindern, weniger Atemnot in den Vierteln entlang der Schornsteine, weniger Kliniken, gefüllt mit dem, was die Subventionsrechnung nicht bezahlt.

Wer profitiert? Die fossile Industrie, klar benannt. Sie bekommt, was sie bekommt, weil die Systeme, die sie füttert, ihre eigenen Hände sind. Wer verschweigt? Die Klimaziele, die nur in Sonntagsreden vorkommen, nicht in Steuerbescheiden. Welche Struktur trägt das alles? Eine, die das Verbrennen belohnt, das Atmen besteuert und die Rechnung dorthin schiebt, wo am wenigsten Anwälte sitzen — und dort die soziale Schieflage zementiert.

Unklar bleibt, wie viele der 48 Milliarden in den kommenden Haushalten tatsächlich umgeschichtet werden. Unklar bleibt, wer den Aufschub der Stop-the-Clock-Richtlinie politisch durchgesetzt hat und wessen Bilanzen die zwei zusätzlichen Jahre schreiben sollen. Diese offenen Fragen sind der Stoff, aus dem die nächsten Berichte gemacht sein werden.

Die Erde trägt keine Krawatte. Sie trägt Schichten. Wir graben sie auf, verbrennen sie und schicken die Quittung nach oben — in eine Atmosphäre, die unsere eigenen Lungen füllt. Die Geologie führt keine Buchhaltung, die uns gehört. Sie führt nur ihre eigene.

Steine vergessen nicht.

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