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Die stille Zulassung: Was Brüssel auf unseren Äckern wachsen lässt

4. Juli 2026 — — — Ida Feuerbach

Die Tüten mit dem Saatgut sind schwerer als sie aussehen. Ich habe sie in die Hand genommen, damals, als ich noch wusste, wie ein Feld riecht, bevor es stirbt. Heute tragen sie kein Etikett mehr, das verrät, was in ihnen wohnt. Und das ist kein Zufall. Das ist Politik. Es ist die leise Art von Politik, die nicht in Reden passiert, sondern in Aktenvermerken, die niemand zu Ende liest.

Die EU-Kommission hat gentechnisch veränderte Pflanzen zugelassen — Pflanzen, die gegen Herbizide resistent sind und Insektengifte produzieren. Zwei Eigenschaften in einem Korn. Das klingt nach Fortschritt. Es klingt nach weniger Spritzen, weniger Schädlingen, mehr Ertrag. So wird es verkauft. So steht es in den Papieren, die niemand ganz liest.

Aber die Papiere, die ich gelesen habe, erzählen eine andere Geschichte.

Wissenschaftler und Organisationen haben Bedenken angemeldet. Es geht um Allergien, die vielleicht erst in der zweiten Generation sichtbar werden. Es geht um die Umwelt, um Bestäuber, um Böden, die ihren Charakter verlieren. Es geht um Langzeitwirkungen, die niemand gemessen hat, weil niemand messen wollte. Die EU-Kommission hat diese Bedenken zur Kenntnis genommen. Sie hat sie abgewogen. Dann hat sie zugelassen.

Das ist kein Versäumnis. Das ist Methode.

Wer profitiert, wenn eine Pflanze gleichzeitig gegen ein Herbizid resistent ist und ein eigenes Insektizid produziert? Der Hersteller. Weil er beides verkauft. Das Korn und die Chemie, die es überlebt. Eine symbiotische Kette, festgezurrt in jeder Zelle, eingeschweißt in jedes Feld. Wer das eine kauft, muss das andere kaufen. So funktioniert das System. So wurde es gebaut.

Kritiker im EU-Parlament sagen, was ich auf jedem Hof sagen würde: Eine Lockerung der Regulierung schränkt die Wahlfreiheit der Verbraucher ein und verstärkt die Abhängigkeit von Pestiziden. Das ist keine Ideologie. Das ist Ackermathematik. Wer das Saatgut kontrolliert, kontrolliert die Ernte. Wer die Ernte kontrolliert, kontrolliert den Tisch. Wer den Tisch kontrolliert, kontrolliert die Stadt.

Die Kommission selbst erkennt das Potenzial der neuen Gentechnik für eine nachhaltigere Landwirtschaft. Sie sieht nur die aktuelle Gesetzgebung als ungeeignet. Das ist bemerkenswert. Die eigene Richterin erklärt das eigene Gesetz für untauglich — und lässt dann auf Grundlage genau dieses Gesetzes Pflanzen auf den Markt. Ich habe Bauern gekannt, die so handeln. Sie heißen pleite.

Dann ist da Bayer. In den USA hat der Konzern mehrere Glyphosat-Prozesse verloren. Erhebliche finanzielle Risiken. Erhebliche Imageprobleme. Die Geschworenen dort haben zugehört, haben gewogen, haben verurteilt. Hier wird nicht einmal hingeschaut. Hier werden weiterhin Importe genehmigt, während drüben die Urteile fallen. Was weiß Brüssel, was die Geschworenen in Kalifornien nicht wissen? Diese Frage steht im Raum. Sie wird nicht beantwortet.

Die EU-Zulassung eines bestimmten Mais wurde erteilt, ohne dass die kombinatorischen Wirkungen von Toxinen und Herbizidrückständen ausreichend geprüft wurden. Kombinatorische Wirkungen. Das bedeutet: Was passiert, wenn das Insektizid der Pflanze auf das Herbizid trifft, das später auf das Feld gespritzt wird. Wenn das Gift im Korn sich mit dem Gift auf dem Blatt verbindet. Niemand hat diese Frage beantwortet. Niemand musste es. Die Zulassung ist trotzdem durchgegangen wie eine Saat durch zu feuchten Boden.

Die Kommission hat trotz offener Fragen und mangelnder Daten die Zulassung erteilt. Das verstößt gegen EU-Gesetze. Ich wiederhole das, weil es wichtig ist und weil es offenbar niemand sonst tut: Die Kommission hat gegen ihr eigenes Recht verstoßen. Sie hat sich über die Sorgfalt hinweggesetzt, die sie den Bürgern schuldet. Sie hat gehandelt, als wäre Prüfung ein Hindernis und nicht eine Pflicht.

Unklar bleibt, wer genau in den Sitzungen saß, als entschieden wurde, welche Daten ausreichen und welche nicht. Unklar bleibt, welche wissenschaftlichen Gutachten eingesehen wurden und welche in der Schublade blieben. Unklar bleibt, welche Lobbyisten wann welche Türen öffnen durften. Unklar bleibt, ob das Versagen dieses Mal wenigstens jemanden kostet.

Was bleibt, ist ein Acker, der nicht mehr weiß, was er ist. Was bleibt, ist eine Zulassung, die kein Gesetz trägt. Was bleibt, ist die Erde unter unseren Füßen, die wir einmal kannten — bevor Brüssel entschied, dass Prüfen optional ist.

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