Humira: Ermittlung im Schatten der Studien
Die rheumatoide Arthritis frisst Gelenke. Früh erkannt, früh behandelt, lässt sich der Schaden begrenzen. Das ist keine Meinung, das ist der Stand der Medizin. Wer jetzt nicht handelt, hinterlässt Patienten mit verformten Händen, zerstörten Knien, einem Leben in Schmerz. Eine frühzeitige und effektive Therapie ist entscheidend — so steht es in jeder Leitlinie, die diesen Namen verdient.
Adalimumab gehört zur ersten Reihe der Biologika. Ein monoklonaler Antikörper, der TNF-α hemmt — jenen Botenstoff, der die Entzündung am Laufen hält. Entwickelt mit Phagen-Display-Technologie, war Humira der erste vollständig humane Antikörper auf dem Markt. Eine Pionierleistung, die Milliarden einbrachte. Bevor das Patent ablief, war Humira das umsatzstärkste Arzneimittel der Welt. Zahlen, die in keinem Geschäftsbericht fehlen durften.
In Studien zeigte Humira bessere Wirksamkeit als Placebo — und besser als andere Medikamente bei Plaque-Psoriasis, Psoriasis-Arthritis und rheumatoider Arthritis. So steht es geschrieben. So wurde es verkauft. Jetzt steht ein Wort im Raum, das in den Hochglanzberichten nie vorkam: Studienmanipulation.
Die EMA hat empfohlen, das Ruhen von Arzneimittelzulassungen anzuordnen. Grund: ein indisches Forschungsunternehmen, dessen Daten offenbar nicht das waren, was sie sein sollten. Bioäquivalenzstudien, auf deren Grundlage Biosimilars und Generika zugelassen werden sollten — möglicherweise frisiert. Die Europäische Kommission muss nun entscheiden, ob betroffene Arzneimittel vom Markt genommen werden. Ein Verwaltungsakt, der Millionen Patienten betrifft, aber in der Tagespresse kaum mehr als eine Randnotiz wert ist.
Unklar bleibt, welche Wirkstoffe konkret betroffen sind, wie viele Zulassungen ruhen sollen und welche Auftraggeber ihre Studien dort haben durchführen lassen. Unklar bleibt, wer von einer Verzögerung profitiert. 2care4, ein Parallelimporteur, übernimmt die volle Verantwortung für Qualität und Sicherheit der importierten Arzneimittel. Eine Erklärung, die klingt, als wisse man in der Branche, dass Erklärungen bald nötig sein werden.
1937, das ist keine beliebige Jahreszahl. Es ist das Datum, an dem jemand anfing, Geschäftsberichte zu lesen wie andere Leute Beipackzettel. Wer das Patent hält, wer die Studie zahlt, wer im Aufsichtsrat sitzt — das sind die drei Fragen, die jeder Arzt stellen sollte, bevor er ein Rezept unterschreibt. Bei Humira lohnen sie sich mehr als bei den meisten anderen.