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Ein Drittel fehlt: Was zwischen FDA und EMA verschwindet

4. Juli 2026 — — — Dr. L. Rath

33 Prozent. Jede dritte Pille, die in den USA zugelassen wird, erreicht Deutschland nicht. Nicht weil sie verboten wäre. Nicht weil die Studien schlecht wären. Sondern weil der Antrag bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur schlicht nicht gestellt wird.

Das ist kein Zufall. Das ist Kalkül.

Besonders betroffen sind kleinere Unternehmen. Besonders betroffen sind Arzneimittel für seltene Krankheiten, die Orphan-Arzneimittel — jene Mittel, die ohnehin für Patientengruppen am Rand des Marktes entwickelt werden. Ihre Krankheit ist selten, ihre Lobby klein, ihr Preisverhandlungsgewicht gering. Warum also der Aufwand einer EMA-Zulassung, wenn das Geschäft jenseits des Atlantiks besser läuft?

Immer mehr neue Wirkstoffe zielen auf spezifische genetische Mutationen und Krankheitszustände. Präzisionsmedizin nennt es die Branche. Präzise ist auch das Geschäftsmodell: kleine Zielgruppen, hohe Preise, schnelle FDA-Wege. In Europa bleibt das Feld leer. Nicht aus Nachlässigkeit — aus Strategie.

Die EMA arbeitet derweil eng mit OLAF und der Europäischen Staatsanwaltschaft EPPO zusammen, um Betrugsfälle zu untersuchen. Die Aufsicht existiert. Nur die Strukturen für Zugang sind löchrig.

Ein Fall zeigt, wie brüchig das Vertrauen ist: Eine Whistleblowerin wirft einem Subunternehmen Fehler in einer Impfstoffstudie vor. Die FDA hat die Vorwürfe untersucht, hält weiterhin an den Zulassungsdaten fest. Experten betonen, die gemeldeten Fehler reichten nicht aus, die Wirksamkeit des Impfstoffs generell zu bezweifeln.

Doch die Frage bleibt offen: Wenn bereits in den Zulassungsstudien Grauzonen entstehen, wie kontrolliert ist dann erst die Lücke zwischen dort und hier? Wer prüft, was nie beantragt wurde?

Unklar bleibt, welche kleinen Unternehmen konkret welche Orphan-Mittel zurückhalten. Unklar bleibt, ob die EMA die fehlenden Anträge systematisch öffentlich macht. Was bleibt, ist eine Architektur, in der das Schweigen profitabler ist als der Antrag. Patienten mit seltenen Krankheiten zahlen die Rechnung — in Monaten, in Lebenszeit, in Euro.

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