Scope 3 wird Pflicht — und die Kette schweigt noch immer
Ich habe Bohrkernprofile gelesen, die älter waren als die Bronzezeit. Damals standen keine Buchhalter am Hang. Heute stehen sie. Die Europäische Union hat die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) in Kraft gesetzt — sie verlangt eine vollständige Bilanz dessen, was ein Unternehmen anrichtet, bevor die Ware beim Kunden liegt.
Scope 3. Das ist der Rauch, der nicht aus dem eigenen Schornstein kommt, sondern aus dem Schornstein des Zulieferers, des Spediteurs, des Recyclerhofs am Stadtrand. Die CSRD erweitert die Berichtspflichten für Unternehmen im EU-Raum, indem sie detaillierte und standardisierte Berichte über Scope 1, 2 und 3 verlangt. Alle drei. Zum ersten Mal vollständig.
Scope 3 ist besonders herausfordernd: Datenlücken klaffen, Lieferanten mauern, Kunden geben Preise statt Werte weiter, und Recycler führen selten Buch über das, was sie verbrennen. Die CSRD-Verpflichtungen zielen darauf ab, die Nachhaltigkeitsberichterstattung in großen EU-Unternehmen zu standardisieren — doch die Kette ist so lang, dass das Licht am Ende nicht reicht.
Hier kommen die digitale Transformation und Tools wie ecoPLM. Sie sind entscheidend, um die komplexen Anforderungen der CSRD zu erfüllen und die Transparenz und Genauigkeit der Berichterstattung zu verbessern. Die Wesentlichkeitsanalyse wird algorithmisch, die Datenströme werden nachvollziehbar, die Lieferkette wird lesbar — zumindest in der Theorie. Die Anwendung der ESRS könnte Transparenz und Vergleichbarkeit verbessern. Könnte. Das Wort trägt sein Gewicht noch nicht.
Wer profitiert? Die Konzerne, die sich Software leisten können. Die Berater, die sie implementieren. Die Ratingagenturen, die künftig zwischen den Zeilen lesen, was früher unter dem Tisch fiel. Wer verschweigt? Die kleinen Zulieferer, die keine Daten haben, keine Zeit, kein Personal. Sie verschwinden nicht aus der Kette — sie verschwinden aus der Sichtbarkeit. Die CSRD führt zu neuen Herausforderungen in der Berichterstattung, insbesondere durch die Wesentlichkeitsanalyse, und genau hier entscheidet sich, wer als wesentlich gilt und wer nicht.
Trotz aller Änderungen bleibt die Transparenz von Scope-3-Emissionen strategisch relevant — gefordert von Kunden, Finanzinstituten und Ratingagenturen. Die Nachfrage existiert. Die Zahlen nicht.
Ich trage dreckige Stiefel im Büro. Was emporsteigt, muss irgendwo wieder niedergehen.