Stargates zwanzig Jahre: Wer schweigt noch?
Der Kalte Krieg ist vorbei. Was er hinterließ, sind Akten — meterhoch, deklassifiziert, und seltsam schwer zu lesen. Das Stargate-Projekt, ein geheimes US-Armee-Programm, nutzte Remote Viewing für Geheimdienstarbeit und zeigte über zwanzig Jahre hinweg operative Anwendungen. Remote Viewing, eine Form von ESP, sollte geheime Informationen aus der Ferne beschaffen — jenseits konventioneller Sinne.
Geleitet wurde das Programm von den Physikern Hal Puthoff und Russell Targ. Zwei Männer, deren Brot die Mathematik ist, deren Auftrag das Unmessbare wurde. Die Sorge um fortschrittliche psychotrope Forschung in der Sowjetunion hatte das Ganze angetrieben. Angst als Triebstoff, wie immer in dieser Höhe.
Hier beginnt der Navigator, den Vorhang zu lupfen. Wer profitiert? Zunächst die Militärs — ein Werkzeug, das den Gegner überraschen konnte, falls es funktionierte. Funktionierte es? Die PEAR-Forschung liefert statistische Belege, dass Bewusstsein über das Gehirn hinaus wirken und physikalische Systeme beeinflussen kann. Statistik ist kein Beweis. Aber sie ist ein Alibi für jene, die das Budget sichern wollten.
Axel Balthazar hat die zuvor klassifizierten Dokumente des Projekts zusammengestellt und veröffentlicht. Ein Archivar, der das Licht anknipst. Doch wer bestellt das Licht? Wer liest es im Schatten weiter? Angela Fords ungewöhnliche Reaktion auf eine Frage — sie, die dabei war — deutet auf die Komplexität und Sensibilität der Themen hin, mit denen sie während ihrer Zeit bei Stargate konfrontiert war. Wer Komplexität sagt, sagt auch: Hier wurde verborgen, was nicht verborgen werden durfte.
Das Projekt umfasste eine Vielzahl von Themen: Remote Viewing, psychische Spionage, Psi-Phänomene. Ein Sammelsurium, das nach Methode aussieht und nach Glauben riecht. Die CIA nutzte Stargate, um geheime Informationen zu gewinnen — eine Behörde, die nicht nein sagen durfte zum Kalten Krieg; zwei Physiker, die ja sagten; zwanzig Jahre operative Anwendung; ein Archiv, das nun offen auf dem Tisch liegt.
Offen bleibt, wer die PEAR-Statistik tatsächlich ernst nahm — und wer sie nur duldete, weil sie das Budget sicherte. Unklar bleibt, welche konkreten Einsätze Stargate tatsächlich lieferte und welche nur als Erinnerung in den Akten überleben. Der Himmel über diesem Kapitel ist diesmal nicht blau. Er ist aus Papier.