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Der Preis der Luft: Sechs Sektoren unter dem CO2-Bogen

4. Juli 2026 — — — Doc Brenner, irgendwo im Staub

Sechs Sektoren. Stahl, Zement, Aluminium, Düngemittel, Strom, Wasserstoff. Die EU hat sie an die Leine gelegt — und das Seil heißt CBAM. Ab 2026 muss jeder Importeur Zertifikate kaufen, gekoppelt an die Preise des EU-Emissionshandels. Auf dem Papier: sauber. In der Luft: ein Hauch von Architektur.

Aber Papier fault. Und was darunter wächst, ist die Frage, deren Antwort keiner ausspricht: Wessen Atem wird hier wirklich gewogen?

Der Mechanismus will die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie schützen. Er will die globale CO2-Bepreisung fördern. Er will — so steht es schwarz auf weiß — die Welt dazu bringen, sauberer zu produzieren. Eine präzise Mechanik. Jede Stange an ihrem Platz. Nur: Wer hat sie entworfen? Für wen?

Standardemissionswerte mit steigenden Aufschlägen sollen Unternehmen zwingen, ihre eigenen Daten offenzulegen. Wer schweigt, zahlt mehr. Klingt nach Transparenz. Riecht nach Kontrolle. Denn wer die Daten hat, hält den Hebel — über Preise, über Lieferketten, über das, was noch importiert werden darf.

Das Vereinigte Königreich und Brasilien beginnen, eigene CO2-Bepreisungssysteme zu entwickeln. Beeinflusst, sagen die Mitteilungen, durch die EU-Maßnahme. Beeinflusst. Ein Wort, das nach Ansteckung klingt. Wer den Takt vorgibt, schreibt die Regeln. Wer die Regeln schreibt, gewinnt den Markt, bevor er ihn betritt.

Die Ausweitung soll Umgehung im Handel unmöglich machen. Doch parallel liegt ein Vorschlag auf dem Tisch: temporäre Ausnahmen für bestimmte Importe. Eine frisch gestrichene Hintertür. Ob sie CBAM untergräbt, ist die offene Frage — unklar bleibt, wer sie offenhält und warum.

Die EU hat den weltweit ersten CO2-Grenzausgleich eingeführt. Erster. Wer Erster ist, definiert das Spielfeld. Aber die Atmosphäre kennt keine Plätze. Sie kennt nur Gewicht.

Denn was oben bleibt, fällt irgendwann auf alle herab.

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