Labor oder Fledermaus? Wuhan und das große Schweigen
Die Lab-Leak-Theorie, einst von chinesischen Wissenschaftlern selbst auf den Tisch gelegt, wurde zum Prüfstein — nicht der Wissenschaft, sondern der Glaubwürdigkeit. Präsident Biden hat eine Untersuchung angeordnet. Zwei Szenarien: natürlicher Ursprung oder Laborunfall. So weit, so ordentlich. So unvollständig.
Shi Zhengli, die Virologin aus Wuhan, sagt: keine Übereinstimmung zwischen den im Institut gehandhabten Viren und SARS-CoV-2. Das klingt wie ein Alibi. Denn im November 2019, so berichten Quellen, erkrankten Mitarbeiter des Instituts. Bevor die Welt den Ausbruch überhaupt bemerkte. Shi Zhengli sagt auch dazu: nein. Wer kontrolliert das? Wer hat das bezahlt? Wer hat widersprochen? Was wurde nicht gemessen? Die Forscherin sitzt in einem System, das keine Fehler kennt. Fehler sind dort keine Kategorie. Es gibt Fortschritt. Oder Schweigen.
Dann RaTG13. Ein Virus, das als nächster Verwandter von SARS-CoV-2 galt. Es gibt Hinweise, dass seine Sequenz möglicherweise künstlich erstellt wurde — oder gar nicht existiert. Ein Beweisstück, das sich auflöst, wenn man es berührt.
Die Variante B.1.1.7 trägt mehrere Mutationen im Spike-Protein. Moderates Vertrauen, sagen Fachleute, dass sie die Übertragbarkeit signifikant steigern könnte. Moderat — das ist das Wort, mit dem Wissenschaftler raten, ohne es zuzugeben. Andere Forschergruppen haben ungewöhnliche genetische Merkmale im Spike-Protein identifiziert, die auf künstliche Einfügungen hindeuten könnten. Könnten. Auch dieses Wort trägt ein weißes Kittelchen.
Die Struktur ist altbekannt: Eine Regierung, die nichts falsch gemacht haben will. Ein Institut, das seine Papiere ordnet. Eine Wissenschaftlerin, die genau das sagt, was man von ihr erwartet. Westliche Reporter notieren: bisher keine Beweise. Als wäre Abwesenheit von Beweisen dasselbe wie Unschuld.
Vier Jahre nach Beginn wissen wir nicht, was im November 2019 wirklich geschah. Unklar bleibt, wer die Originalsequenzen besitzt, wer sie prüfen durfte, und warum hustende Mitarbeiter eines Hochsicherheitslabors nie befragt wurden — wem nützt das Schweigen, und wem schadet die Antwort?