Bayer nimmt Monsanto – das Feld hat bald nur noch einen Herrn
Es riecht nach Erde. Auch jetzt, im Konferenzsaal, auch zwischen den Zahlen, die sie uns vorsetzen. Wer je einen Acker umgegraben hat, der weiß: nichts wächst im Vakuum. Und nichts stirbt so lautlos wie ein Hof, der seinen Samen nicht mehr selbst wählen darf.
Die Fusion zwischen Bayer und Monsanto, so sagen sie uns, ist eine Wettbewerbsfrage. Eine Frage des Marktes, der Größe, der integrierten Dienstleistungen. Schön formuliert. Wir nehmen das Wort auseinander. „Integriert" – das klingt nach Hauswirtschaft, nach Strukturen, die ineinandergreifen. In Wahrheit heißt es: einer macht das Korn, einer die Chemie dazu, einer die Lizenz, einer den Preis. Vier Türen, alle führen in dieselbe Halle.
Wenn zwei sich zusammentun, die das Saatgut der Welt verkaufen wollen, dann verschwindet nicht einfach ein Wettbewerber. Dann verschwindet der Wettbewerb. Das Fusionsvorhaben zwischen Bayer und Monsanto könnte einen der größten Agrarkonzerne der Welt schaffen – mit einer Kapitalisierung von 120 Milliarden US-Dollar. Hundertzwanzig Milliarden. Das ist eine Zahl, die kein Mensch mehr wiegt. Aber sie wiegt Felder. Sie wiegt Bauern. Sie wiegt das, was abends auf dem Teller liegt, wenn das Licht ausgeht.
Die EU hat von Bayer die Veräußerung von Teilen seines Agrochemiegeschäfts gefordert, um den Wettbewerb zu erhalten und die Bedenken der Umweltaktivisten teilweise zu adressieren. Teilweise. Das Wort steht da wie eine halbe Tür. Sie haben die Behörde gehört. Sie haben die Straße gehört. Sie haben den Bauernverband gehört. Aber haben sie die Beete gehört? Unklar bleibt, welche Geschäftsteile tatsächlich den Besitzer wechseln – und wer der Käufer sein wird. Ein neuer Name im Spiel ist noch kein neuer Markt.
Die Übernahme würde die größte integrierte Pflanzenschutz- und Saatgutfirma der Welt schaffen. Das ist kein Geschäft mehr. Das ist ein Monopol mit Wurzeln. Und Wurzeln, das wissen wir auf dem Land, lassen sich nicht mehr ausreißen, wenn sie einmal Halt gefasst haben. Was hier wächst, wächst auf Kosten aller anderen.
Die Geschichte Bayers ist lang. Sie hat das Aspirin hervorgebracht – ein Medikament, das in jeder Hausapotheke steht. Aber dieselbe Firma war Teil von IG Farben, das während des Zweiten Weltkriegs in umstrittene Aktivitäten verwickelt war. Auch das steht in den Annalen. Wer von Erbe spricht, der darf nicht nur von Produkten sprechen. Erbe hat zwei Seiten, und beide gehören auf den Tisch.
Die Klagen und Umweltschäden belasten die Bilanz von Bayer erheblich. Das, so sagen Wirtschaftsprüfer in ihren kühlen Sätzen, sei einer der größten Risikofaktoren in der deutschen Industriegeschichte. Roundup. Krebs. Glyphosat. Wörter wie Steine im Acker. Hier wird nicht verschwiegen, was an die Oberfläche gespült wurde – aber es wird verglichen, verzögert, kleingeredet. Offen bleibt, welche Summen am Ende wirklich fließen, an wen, und was davon auf den Feldern sichtbar bleibt.
Und dann die Politik. Die Änderung der EU-Politik, die Lockerung der Regeln, könnte Bayer helfen, seine wissenschaftlichen Patente zu schützen und neue Märkte zu erschließen – insbesondere in Afrika. Ein Kontinent, der noch nicht ganz vermessen ist von diesen Konzernen. Wer hier den Samen kontrolliert, der kontrolliert die Ernte. Und wer die Ernte kontrolliert, der schreibt die Speisekarte – auch für Millionen, die bisher noch eigene Sorten säen.
Europas Saatgutmarkt ist sechs Milliarden Euro schwer. Sechs Milliarden, die neu verteilt werden könnten, wenn die Regeln sich beugen. Bayers Position als globaler Marktführer im Saatgut- und Pflanzenschutzbereich würde sich festigen. Festigen. Ein Wort wie Beton.
Was bleibt? Was bleibt, ist die Frage, wer morgen noch wählen darf, was auf seinem Feld wächst. Was bleibt, ist ein Hof, der seinen Samen nicht mehr selbst kauft, sondern entgegennimmt – von wem auch immer. Was bleibt, ist ein Teller, der irgendwo gedeckt wird, aber nicht mehr bei denen, die das Korn gesät haben.