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Die Seuche kam über die Berge — und niemand fragte nach dem Wild

5. Juli 2026 — — — Prof. Kessler

Peking, Hankou, Kanton — die Namen klingen wie Stationen einer alten Eisenbahnlinie. Heute heißen sie Wuhan und Guangzhou, und die Geographie der Seuche folgt denselben Pfaden wie der Wildhandel seit Jahrhunderten. Die Forschung deutet darauf hin, dass die Viren auf natürlichem Weg bis dorthin gelangten, getragen von jenem lukrativen Strom aus Fellen, Schuppen und Fleisch, den niemand unterbrechen wollte, solange er Gewinn abwarf. Molnupiravir, so heißt es, wirke bei Patienten, die noch keinen zusätzlichen Sauerstoff benötigen — eine Therapie also für jene, die das Glück haben, rechtzeitig erkannt zu werden. Wer zu spät kommt, dem hilft keine Pille mehr.

Die endemische Überwachung wird nun als wichtiger Schritt gepriesen, SARS-CoV-2 soll in die Präventionsstrategien integriert werden. Man misst, man beobachtet, man veröffentlicht — und doch bleibt die Frage, wer die Messungen bezahlt und welche Interessen im Schatten der Empfehlungen stehen. Eine neue Fördermaßnahme soll Datenanalytikern den Zugang zu Long- und Post-COVID-Daten erleichtern und die Kooperation zwischen klinischen und methodischen Fächern intensivieren. Die Daten seien komplex, heißt es, ihre Heterogenität erfordere interdisziplinäre Zusammenarbeit und den Einsatz fortgeschrittener Bio- und Medizininformatik. Klingt nach Wissenschaft. Klingt nach Geld.

In Brüssel betont man die Notwendigkeit einer stärkeren europäischen Gesundheitsunion und besserer Krisenvorsorge. Die Zusammenarbeit zwischen EU-Institutionen und Mitgliedstaaten müsse effektiver werden — ein frommer Wunsch, der so alt ist wie die Behörden selbst. Die Empfehlungen zur Prävention sind eng mit den beschriebenen Fakten verknüpft, heißt es, und sollen in einem sozio-politischen Rahmen wirksam sein. Ein Rahmen also, in dem Politik über Biologie entscheidet.

Ich notiere seit dreißig Jahren. Was ich sehe: dieselben Muster, neue Etiketten. Die Seuche hat das Lager verlassen, die Wildtiermärkte werden modernisiert, nicht geschlossen. Und morgen wird eine neue Variable gemessen, während die alte Frage unbeantwortet bleibt.

Wer kontrolliert eigentlich die Routen, auf denen das Virus reist?

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